Käßmann fordert Klartext gegenüber Grenzzaun von Ungarn

Käßmann fordert Klartext gegenüber Grenzzaun von Ungarn
Die Theologin Margot Käßmann hat die abwehrende Haltung der EU-Länder Ungarn und Polen gegenüber Flüchtlingen scharf kritisiert. Angesichts des neuen Grenzzaunes in Ungarn und der Haltung Polens zur Aufnahme weiterer Flüchtlinge müsse man mit beiden Ländern Klartext reden und ihnen sagen: "So seid Ihr keine Europäer!", sagte die Reformationsbotschaftern der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Dienstag im WDR-Radio.

Ungarn und Polen, die dringend der EU angehören wollten, müsse klar gemacht werden, dass es in dieser Gemeinschaft die Werte der Freiheit und der Menschenrechte und auch das Asylrecht gebe. Als EU-Mitglieder müssten sie nun auch für diese Werte einstehen.

Scharf verurteilte die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) die rechtsextremen Proteste gegen Flüchtlingsunterkünften wie im sächsischen Heidenau. "Ich schäme mich dafür, dass Menschen vor Flüchtlingslagern grölen, pöbeln, Leuchtraketen abschießen - in denen Menschen sind, die zutiefst traumatisiert sind", und sich über Tausende Kilometer hierher gerettet hätten. Es gebe jedoch auch viele Menschen, die sich für eine Willkommenskultur einsetzten.

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Die Theologin rief zu mehr Begegnungen mit Flüchtlingen auf. Häufig helfe es, den Flüchtlingen ein persönliches Gesicht zu geben und die Menschen kennenzulernen, statt nur von "denen" zu sprechen. "Wir haben die Kraft in Deutschland, die Wirtschaftskraft und auch die emotionale Kraft, Menschen zu integrieren." Auch in Deutschland müsse sich noch stärker "ein neues Wir" entwickeln, um mit den aktuellen Fragen und Herausforderungen fertig zu werden, sagte Käßmann, die am Dienstagabend die Laudatio bei der Vergabe des Aachener Friedenspreis halten sollte.

Der Aachener Friedenspreis zeichnet marokkanische Studenten aus, die Flüchtlinge unterstützen, sowie einen Bischof und einen Imam aus der Zentralafrikanischen Republik. Der Aachener Friedenspreis wird seit 1988 an Menschen verliehen, die sich an der Basis für Frieden und Völkerverständigung einsetzen.