Überarbeitete Lutherbibel soll 2016 in den Druck gehen

Foto: epd-bild/Norbert Neetz
Die erste vollständige Ausgabe von Luthers Bibelübersetzung in hochdeutscher Sprache von 1534, ausgestellt im Lutherhaus in Wittenberg.
Überarbeitete Lutherbibel soll 2016 in den Druck gehen
Bis zum Reformationsjubiläum 2017 soll die neu durchgesehene und sprachlich überarbeitete Lutherbibel in den Händen der Gemeinden sein. Das kündigte der Leiter des Projekts "Lutherbibel 2017", Christoph Kähler, auf der EKD-Synode in Würzburg an.
02.05.2015
evangelisch.de, mit Material von epd

Die sprachlich überarbeitete Lutherbibel soll bis Oktober 2016 in den Druck gehen. "Wir hoffen, dass die Durchsicht bis Ende Juni [2015] im Prinzip fertig ist", sagte Christoph Kähler auf der Tagung der EKD-Synode in Würzburg. Der ehemalige thüringische Landesbischof und Leiter des Projekts "Lutherbibel 2017" stellte der EKD-Synode die Arbeit an der Revision vor. Ziel der Überarbeitung ist die "durchgehende Überprüfung auf Texttreue zum biblischen Text", sagte Kähler. Dies sei bei bisherigen Überarbeitungen 1912, 1975 und 1984 "nicht das primäre Ziel der Arbeit an der Lutherbibel" gewesen.

Ausdrücklich nicht vorgesehen ist bei der Revision eine Anpassung der Bibeltexte an modernes Deutsch, wie es im so genannten "Eimertestament" 1975 passiert ist. "Mit so einer Aufgabe hätten wir uns verhoben", sagte Kähler. Allerdings gibt es an manchen Stellen Ausnahmen von dieser Regel. Unbekannte Worte, die zu falschen Assoziationen führten, habe die Gruppe aus etwa 70 Fachleuten aus fast allen deutschen theologischen Fakultäten ersetzt, beispielsweise "Hebamme" statt "Wehmutter".

Dennoch wird Luthers "rhythmische Prosa" erhalten bleiben, gerade bei den Texten, die vielen Bibellesern am Herzen liegen, sagte der Münchener Alttestamentler Christoph Levin, der an der Überarbeitung mitwirkt. Für Lacher in der Synode sorgte Levin mit dem Satz "Die Weihnachtsgeschichte ist ein trauriges Kapitel". In dem populären Bibeltext wird die Revision "ausnahmsweise das Wort 'Weib' stehen lassen, das wir sonst immer durch Frau ersetzt haben", erklärte Levin als Beispiel dafür, wie die bekannte Lutherfassung behutsam angepasst wird. Levin nannte weitere Beispiele: Die revidierte Lutherbibel wird von "Völker" und "Nationen" statt von "Heiden" sprechen und von "Israeliten" anstelle von "Kinder Israels". "Wir sind inzwischen so bescheiden geworden, dass wir nicht klüger sein wollen als Luther", sagte der Münchner Theologieprofessor. 

Levin erläuterte, dass auch die Satzstellung in vielen Texten wieder näher an Luthers erste Übersetzung gebracht werden soll, um den Versuch der Modernisierung aus der Überarbeitung von 1975 zu korrigieren. Die Revision wird daher mehr Anmerkungen enthalten als die aktuelle Fassung von 1984.

Die klassischen fettgedruckten Stellen werden in der Überarbeitung allerdings nicht mehr fett, sondern kursiv gesetzt, bestätigte Christoph Kähler auf Nachfrage aus der Synode. Wenn die durchgesehene Lutherbibel wie geplant im Oktober 2016 in den Druck geht, können interessierte Bibelleser das Werk rechtzeitig zum Jahr des Reformationsjubiläums 2017 in den Händen halten.

Die Lutherbibel geht zurück auf die Übersetzungen des Reformators Martin Luther und seiner Mitarbeiter zwischen 1521 und 1545. Die Übersetzung des Neuen Testaments erschien im September des Jahres 1522. In den Folgejahren wurden kontinuierlich weitere biblische Bücher übersetzt, bis im Jahr 1534 die erste Gesamtausgabe erschien. Die letzte von Luther selbst durchgesehene Gesamtausgabe der Bibel datiert von 1545.