Konfirmation: Selber Ja sagen zum Glauben

Pfarrer segnet zwei Mädchen bei einem Konfirmationsgottesdienst in der Michaeliskirche in Leipzig-Gohlis.

Foto: epd-bild/Jens Schulze

Viele Jungen binden zum ersten Mal einen Krawattenknoten, manche Mädchen tragen erstmals hohe Schuhe: Konfirmation ist Premiere, in mehrfacher Hinsicht. In diesen Frühlingswochen ist es wieder so weit - Die Jugendlichen treten vor die Gemeinde und spielen an diesem Tag die Hauptrolle. Erstmals kommen sie mit in den Kreis zum Abendmahl: Für alle sichtbar nehmen die jungen Menschen ihren Platz ein als vollwertige Gemeindemitglieder.

Mit einem besonderen Gottesdienst in der Zeit um Ostern und Pfingsten wird in der evangelischen Kirche die Konfirmation gefeiert. An diesem Tag stehen die Konfirmandinnen und Konfirmanden, Jugendliche im Alter von etwa 14 Jahren, im Mittelpunkt der Gemeinden und Familien. Obwohl das Fest eine alte protestantische Tradition ist, wird die Konfirmation weder in den reformatorischen Bekenntnisschriften, noch in der Bibel erwähnt – und weder Jesus noch Luther sind konfirmiert worden. Wie hat sich also die besondere Bedeutung dieses Festes entwickelt?

Bestärken, bestätigen, befestigen

Mit der Konfirmation bekennen sich junge Menschen zu ihrem christlichen Glauben. Wissenswertes zur prostestantischen Tradition der Konfirmation in Gebärdensprache.

Das lateinische Wort confirmare heißt soviel wie: bestärken, bestätigen, befestigen. Die rund 250.000 Jugendlichen, die sich pro Jahr in Deutschland konfirmieren lassen, bestätigen und bekräftigen damit die Entscheidung für den christlichen Glauben, die zunächst ihre Eltern für sie getroffen hatten. Mit der Konfirmation sind einige Rechte innerhalb einer Kirchengemeinde verbunden. Wer konfirmiert ist, darf - spätestens jetzt - am Abendmahl teilnehmen, darf ein Patenamt übernehmen und an allen Entscheidungen in seiner Gemeinde mitwirken.

Seit den frühen Tagen des Christentums galt allerdings wie heute: Christ wird man durch die Taufe. Damals war es noch üblich, Erwachsene zu taufen und es gab einen ausführlichen Taufunterricht, der manchmal mehrere Jahre dauerte. In dieser Zeit lernte man die Schriften und Traditionen des christlichen Glaubens kennen und erfuhr, wie Christen miteinander und in ihrer Umwelt lebten. Am Ende des Unterrichts stand die Entscheidung, sich taufen zu lassen. Und wer einmal getauft ist, der bleibt es auch. Selbst wenn man sich innerlich abwendet oder aus der Kirche austritt: Die Taufe ist die gültige Aufnahme in die christliche Kirche, die eigentlich keiner Erneuerung oder Ergänzung bedarf.

Segen der Taufe als Geschenk

Rund um das 5. Jahrhundert setzte sich in unseren Breiten mehr und mehr die Kindstaufe durch. Das bedeutet, dass die Eltern sich – stellvertretend für ihr neugeborenes Kind – für den christlichen Glauben entscheiden. Mit der Taufe eines gerade geborenen Säuglings wird besonders betont, dass dieser den Segen der Taufe als ein Geschenk empfängt – ohne dass er etwas dafür tun könnte oder müsste. Allerdings kann man einen so jungen Menschen noch nicht unterrichten. Auf diese Weise fiel die christliche Unterweisung, das Kennenlernen des eigenen Glaubens weg: Man wurde einfach in seinen Glauben "hineingeboren".

Um jungen Gemeindegliedern aber die Möglichkeit zu geben, den eigenen Glauben zu entdecken und sich die nötigen Kenntnisse anzueignen, entwickelte sich bereits während der Reformation eine Art Katechismus-Unterricht, als Vorbereitung auf das erste Abendmahl. Das Sakrament der Firmung lehnten die Reformatoren ab, weil es nicht ausdrücklich von Christus als Sakrament eingesetzt worden ist. Aber sie betonten die Notwendigkeit einer Unterweisung der getauften Christen. In seinem Kleinen und Großen Katechismus hat Martin Luther die tragenden Sätze und Inhalte des Glaubens so zusammengefasst, dass Pfarrer, Lehrer und erwachsene Laien sie damit vermitteln können.

"Lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe"

Ihre biblische Grundlage hat diese Konfirmandenarbeit im Taufauftrag Jesu, in dem es heißt: "Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe." (Matthäusevangelium 28,19f). Diese Form des Unterrichts griff der Reformator Martin Bucer auf: Er forderte ab 1534 eine "Confirmation" junger Gemeindeglieder. Eine von Bucer entworfene Konfirmationsordnung, veröffentlicht in der "Ziegenhainer Zucht- und Ältestenordnung", wurde erstmals 1538 in Hessen umgesetzt.

Damit schreibt die Konfirmation bereits seit rund 470 Jahren Geschichte. Seither sollen die jungen Gemeindemitglieder im Konfirmandenunterricht vertraut werden mit dem kirchlichen Leben in Gottesdienst und Alltag, besonders aber mit der biblischen Botschaft. Sie sollen erfahren, was es bedeutet, getauft zu sein und an Jesus Christus zu glauben. Richtig populär und ein selbstverständlicher Teil der christlichen Biografie wurde die Konfirmation allerdings erst im 18. Jahrhundert, als in der Zeit des Pietismus die persönliche Frömmigkeit und das eigene Bekenntnis des Gläubigen sehr betont wurde.

Konfirmation als Tauferinnerung

Einen festen Konfirmationstag gibt es in der evangelischen Kirche nicht, aber drei Sonntage gelten – trotz regionaler Unterschiede – traditionell als typische Konfirmationstermine: Palmarum oder Palmsonntag (der Sonntag vor Ostern), Quasimodogeniti oder der "weiße Sonntag" (der Sonntag nach Ostern) und Trinitaits (der Sonntag nach Pfingsten ). Auf jeden Fall liegt der Termin der Konfirmation meist rund um Ostern und Pfingsten.

Und auch hier gibt es eine Verbindung zur Taufe: In der Frühzeit des Christentums war die Osternacht der einzige Tauftermin für Kinder und Erwachsene, die sich der christlichen Gemeinde anschlossen. Und seit dem 7. Jahrhundert gab es in der Osternacht den Brauch, sich an die Taufe zu erinnern. Die ganze Gemeinde feierte jeweils mit den Täuflingen des Vorjahres das Taufgedächtnis. Diese Tradition nimmt die Feier der Konfirmation rund um das Osterfest auf, denn auch die Konfirmation ist eine Form der Erinnerung an die eigene Taufe.

So wie der Täufling als Säugling in die Gemeinde aufgenommen wurde, bedeutet die Konfirmation dessen Aufnahme als mündiges Gemeindemitglied. Früher fiel dieser Schritt zusammen mit dem Ende der Schulzeit und der Jugendliche galt fortan als Erwachsener. Die Mädchen und Jungen gingen daher zur Konfirmation erstmals in der Tracht der Erwachsenen. Auch wenn junge Menschen heute länger zur Schule gehen und erst später volljährig werden - etwas von dieser Bedeutung hat sich erhalten, wenn die Konfirmanden zu ihrem großen Tag das erste Mal Krawatte tragen und die Konfirmandinnen in hohe Schuhe schlüpfen.