"Kaffee hat keinen Preis"

Kaffeepflanze

Foto: Getty Images/iStockphoto/José Antonio Sánchez Poy

Reifende Kaffeebohnen

Kaffee ist teurer geworden. Das ist eine gute Nachricht für die Produzenten, selbst wenn sie nur drei bis fünf Prozent vom Ladenpreis abbekommen. Fairen Kaffee kaufen lohnt sich, sagt Albrecht Schwarzkopf, Kaffeehandelsexperte bei der Christlichen Initiative Romero e.V.

In den achtziger Jahren endeten die Versuche der UNO, den Kaffeepreis weltweit zu regulieren. Danach wurde Kaffee billig...

Albrecht Schwarzkopf: Das Weltkaffeeabkommen mit seinen festen Quoten wurde 1989 gekündigt. Es war von einigen Produzenten und Abnehmern torpediert worden, indem sie über osteuropäische Länder zusätzlich Kaffee auf den Weltmarkt warfen. In den Jahren 2000 bis 2002 brach die Kaffeepreiskrise aus. Der Erzeugerpreis sank auf 60 Cent (heute 1,60 USD) das Pfund und deckte dann nicht mal mehr die Produktionskosten. Das hat viele Produzenten in den Abgrund gezogen.

Doch seit einem Jahrzehnt legt der Preis im Trend wieder zu.

Schwarzkopf: Einerseits stieg die weltweite Nachfrage kontinuierlich an, Jahr für Jahr um 2 bis 3 Prozent. In Brasilien gab es mehr Inlandsnachfrage und in Kolumbien geringere Produktion. So erholten sich die Preise.

Was Finanzanleger freuen dürfte.

Schwarzkopf: Ein Teil der Geschäfte wird von 'normalen' Kaffeehändlern auf Termin getätigt, also um zukünftige Preise abzusichern. Es gibt auch Kaffeespekulanten. Aber ich schätze deren Bedeutung nicht als übertrieben hoch ein. Wenn ich mich an der New Yorker Kaffeebörse orientiere, bilden die Kurse dort weitgehend realwirtschaftliche Vorgänge ab. Beispielsweise spiegelte sich 2014 die lange Trockenperiode in Brasilien in den Börsenpreisen, übrigens bis heute, wider.   

Den Kaffeeproduzenten fehlt eine OPEC, eine "Organisation kaffeeexportierender Länder", sagten Sie einmal.

Schwarzkopf: Ein solches Kartell auf der Produktionsseite könnte die Preise längerfristig stabilisieren. Aber die Interessen der Kaffeeländer sind zu disparat. Das bedeutet gleichzeitig, dass die Kaffeekonzerne stärker in der Verantwortung stehen.

"Kaffee hat keinen Preis" ist ein geflügeltes Wort unter Importeuren. Gemeint ist Rohkaffee. Selbst bei vergleichsweise fair gehandeltem Kaffee kommen nur etwa fünf Prozent des Ladenpreises bei den Produzenten an.

Schwarzkopf: Den Kauf alternativen Kaffees halte ich dennoch für wichtig. Weil dadurch auf dem Markt ein Wettbewerb der Nachhaltigkeit entstanden ist. Mittlerweile konkurriert beispielsweise Fairtrade-Kaffee mit Rainforest Alliance und Utz Certified wie auch mit 4C-Kaffee, der im Mainstream-Bereich angeboten wird. Auf einer Sitzung des Kaffeeverbandes in Hamburg hieß es kürzlich von den Unternehmen, dass die Wachstumsraten bei ihren zertifizierten Sorten 2014 bei zehn bis 20 Prozent lagen.

Bei normalen Massenkaffees sind es schätzungsweise sogar nur drei bis vier Prozent des Ladenpreises, die der Produzent kriegt.

Schwarzkopf: Die Situation der Kleinbauern hat sich durch die steigenden Preisen dennoch verbessert. Teilweise sind allerdings auch die Kosten gestiegen. Insgesamt ist die Lage entspannter. Anzustreben ist, dass der Wertschöpfungsanteil der Produzenten steigt. Hierfür Sorge in steigendem Umfang zu tragen, muss Aufgabe der Kaffeekonzerne in der sozialen Unternehmensverantwortung sein.

"Nachholbedarf besteht bei den Einzelhändlern mit ihren Eigenmarken. Sie müssten stärker aktiv werden. Hinten in der Ecke ein Regalchen reicht nicht aus"

Kann man durch nachhaltige Kaffees höhere Preise erlösen?

Schwarzkopf: Das gilt in Lateinamerika in jedem Fall. In Asien ist der größte Produzent Vietnam. Die sind auch relativ stark bei verifizierten Kaffees. Der andere Große dort, Indonesien, ist ein schwieriges Feld. Afrika hat am Weltmarkt nur einen Anteil von etwa sieben Prozent Aber auch dort gibt es Spezialkaffees, mit denen gute Preise erzielt werden.

Die Nische für kleine Röster mit anspruchsvollen Spezialitäten wächst. Ein Trend?

Schwarzkopf: Ja. Und bestimmt lecker und für die Stadtteilkultur attraktiv. Das entscheidende Geschehen findet aber bei den sehr großen Händlern und Röstern statt: Mondelez, Nestle, Tchibo beziehen zu 30 Prozent nachhaltigen Kaffee – mit steigendem Trend. Bis zum Jahr 2020 muss dieser Anteil deutlich mehr als mindestens verdoppelt sein. Nachholbedarf besteht bei den Einzelhändlern mit ihren Eigenmarken. Sie müssten stärker aktiv werden. Hinten in der Ecke ein Regalchen reicht nicht aus.

Bio-Kaffee – eine heile Welt? 

Schwarzkopf: Sicherlich wird es auch hier schwarze Schafe geben. Doch ist es wichtig für die Produzenten in den Kaffeeländern, dass es nicht allein "Fair" gibt, sondern eine breitere Palette zur Verfügung zu haben. Wichtige Stichworte hier: Bodenerosion und Pestizide.

Wie in anderen Konsumbranchen bieten auch konventionelle Kaffeehersteller heute "Bio" oder "Fair" an. Seit 2006 versucht die "4C Association" in Genf, Arbeitsbedingungen und Umweltstandards im Kaffee-Massenmarkt zu verbessern. Auch Sie engagieren sich dort.

Schwarzkopf: Der 4C-Kaffee ist als ein Grundstandard für den Massenmarkt anzusehen. Demgegenüber bieten die anderen Nachhaltigkeitskaffees höhere Standards. Es gibt Abkommen von der 4C Association mit den genannten höheren Standards, wo die Kriterien miteinander verglichen werden und die Produzenten mit geringem Mehraufwand eine zusätzliche Absatzmöglichkeit finden. In der Realität verhält es sich so, dass einerseits die Kaffeegenossenschaften mehrere Standards inklusive 4C-Kaffee anbieten und die Kaffeeunternehmen entsprechend diese Standards aufkaufen und in ihrem Sortiment führen. Das ist ein Plus an Nachhaltigkeit und eine Chance für Bauern, später auch mit höheren Standards zusammenarbeiten zu können.   

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