Tag der Schöpfung: "Wie wunderbar Gott alles gemacht hat"

Ein Interview mit Heinrich Bedford-Strohm über Umweltschutz in den Kirchen
Pflanze-Umweltschutz

Foto: iStockphoto/jamezwuz

Der Ökumenische Tag der Schöpfung wird dieses Jahr am 5. September in München gefeiert. Auftakt ist ein Gottesdienst, den der Arbeitskreis Christlicher Kirchen (ACK) ausrichtet. Mit dabei ist auch der bayerische evangelisch-lutherische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der gerade noch im Schweden-Urlaub über die Natur gestaunt hat.

Thema des Ökumenischen Tags der Schöpfung in diesem Jahr ist "Staunen. Forschen. Handeln – Gemeinsam im Dienst der Schöpfung". Was bedeutet das Motto für die evangelische Kirche?

Heinrich Bedford-Strohm: Es ist ein sehr wichtiges Thema, sowohl für die evangelische Kirche als auch für die Wissenschaft, denn es geht um die Verantwortung der Wissenschaft. Es gehört zum Auftrag der Kirche, darüber nachzudenken, wie wir als Gesellschaft insgesamt leben wollen und welche Ziele der Wissenschaft dem dienlich sind.

Ein Beispiel?

Bedford-Strohm: Wenn wir als Christen über die Schöpfung reden, dann ist da eine Verantwortung mit impliziert. Beim Thema Atomkraft hat sich das sehr deutlich gezeigt, wie wichtig es ist, die ethische Verantwortung auch in die politischen Debatten einzubringen. Es geht hier darum, dass wir eben nicht zukünftigen Generationen unseren hochgefährlichen Müll hinterlassen, weil wir unseren Lebensstil beibehalten wollen. Daher hat das Projekt der Energiewende in Deutschland die volle Unterstützung der evangelischen Kirche.

Was könnte der Schöpfungstag für jeden einzelnen von uns für eine Bedeutung haben?

Bedford-Strohm: Es gibt natürlich viele Punkte, wo sich Schöpfungsverantwortung auch im persönlichen Leben zeigt. Dass die Kinder in der Kita schon lernen, wie man Müll trennt, ist für mich ein Zeichen der Hoffnung. So konkret wird es, wenn wir am Schöpfungstag über unsere eigene Verantwortung nachdenken.

Können Sie aus dem Schöpfungstag auch für sich persönlich etwas ableiten?

Bedford-Strohm: Ja, ich mache mir viele Gedanken, welche Auswirkungen meine Mobilität etwa auf die Umwelt hat. Persönlich fahre ich ein Erdgasauto, das einen besonders niedrigen CO2-Ausstoß hat. Und in München fahre ich, soweit möglich, immer mit dem Fahrrad.

"Es ist eine Aufgabe für uns als Kirchen, dass wir die Rede von der Natur als Gottes Schöpfung auch wirklich ernst nehmen"

Was können Kirchengemeinden machen?

Bedford-Strohm: Es gibt zum Beispiel ein Umweltzertifikat für Kirchengemeinden, "Grüner Gockel", das nicht nur im Süden Deutschlands sehr bekannt ist. Da geht es um den Energieverbrauch, effektive Gebäudesanierung und Energieeinsparen, sinnvolle Raumbeheizung, es geht um Solaranlagen. Aber auch um öko-faire Beschaffung von Verbrauchsgütern, zum Beispiel Umweltpapier und vieles mehr. Anhand des Zertifikates können sich Kirchengemeinden ökologisch weiterentwickeln.

Welche Rolle spielt der regelmäßige Ökumenische Tag der Schöpfung für das Miteinander der christlichen Kirchen?

Bedford-Strohm: Am besten ist, wenn wir den ökumenischen Tag der Schöpfung 365 Tage im Jahr feiern. Aber es ist schon gut, dass es einen ausgewählten Tag gibt, an dem gezeigt wird, was es schon gibt an Aktionen für Umwelt. An dem aber auch umrissen wird, welche Aufgabe noch vor uns liegt: nämlich eine ökologische Transformation unserer Wirtschaft.

Woher stammt eigentlich der Tag der Schöpfung?

Bedford-Strohm: Der damalige Ökumenische Patriarch Dimitrios I. hatte ihn bereits 1989 angeregt. Die Idee, eben diesen Tag der Schöpfung gemeinsam zu begehen, ist von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) weiterverfolgt worden. Er ist auch in die Charta Oecumenica aufgenommen worden, die auf dem Ökumenischen Kirchentag in Berlin feierlich unterzeichnet wurde. Auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag 2010 in München stand dann der Beschluss fest, ihn jedes Jahr am ersten Freitag im September gemeinsam, das heißt mit allen christlichen Geschwisterkirchen, zu begehen. Denn es handelt sich hier nicht um eine Aufgabe, die abhängig ist von einer Konfession. Es ist eine Aufgabe für uns als Kirchen insgesamt, dass wir die Rede von der Natur als Gottes Schöpfung auch wirklich ernst nehmen und in den Kirchen und im gesellschaftlichen Leben auch wirklich umsetzen.

"Ich kann in der Natur Gleichnisse des Reiches Gottes sehen, so wie die Bibel es erzählt"

Wenn man so auf das Handeln und die Ethik setzt, kommt dann das Staunen und Forschen nicht zu kurz?

Bedford-Strohm: Es ist tatsächlich so, dass das Handeln immer aus der Kraft des Gebets, des Glaubens und eben wirklich der Erkenntnis in der Seele kommt, wie wunderbar Gott die Natur geschaffen hat. Das Staunen über die Natur als Schöpfung Gottes ist etwas ganz Grundlegendes für die Motivation, die Schöpfung zu bewahren. Beides hängt untrennbar zusammen.

Muss man sich dafür in die Natur begeben, um die Schöpfung besser wertzuschätzen?

Bedford-Strohm: Zumindest erlebe ich die Natur auch ganz gefühlsmäßig als Schöpfung Gottes. Ich habe gerade Urlaub tief im Wald in Schweden gemacht, in einer ganz wunderbaren Gegend. Und da sind mir die Schöpfungspsalmen aus der Bibel, etwa Psalm 104, in den Sinn gekommen. Die loben, wie wunderbar Gott alles gemacht hat. Ich glaube, dass die Natur nicht in sich auf Gott hinweist, sondern dass wir dazu die biblischen Texte als Interpretationshilfe brauchen. Die Naturerfahrung selbst ist nicht Gottesdienst. Die Natur kann auch grausam sein. Aber ich kann in der Natur Gleichnisse des Reiches Gottes sehen, so wie die Bibel es erzählt.

Ein Beispiel bitte!

Bedford-Strohm: Jesus sagt zum Beispiel: "Seht die Vögel am Himmel, sie säen nicht, sie ernten nicht und ihr himmlischer Vater ernährt sie doch. Seht die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen, auch Salomo war nicht schöner gekleidet." (Matthäus 6,26ff) Und dann fährt Jesus fort: Sorgt euch nicht. Wenn Gott so gut für die Natur sorgt, ohne dass sie etwas tun muss, dann könnt ihr auch darauf vertrauen, dass Gott für euch sorgt.