"Steinzeitlicher" Macho-Song ärgert Araberinnen

"Steinzeitlicher" Macho-Song ärgert Araberinnen
In Libanon macht ein Pop-Song Furore, in dem der Sänger Frauen das Recht abspricht, zu arbeiten. Frauenrechtlerinnen haben schon Demonstrationen organisiert.
07.05.2010
Von Anne-Beatrice Clasmann

"Mein Herz, meine Gefühle und meine Zärtlichkeit, das ist deine Arbeit, für einen anderen Job wirst du keine Zeit finden", schnulzt der libanesische Popsänger Mohammed Iskander. Und die Machos der arabischen Welt jubeln ihm zu. Sie finden großen Gefallen an dem Text seines Songs "Republik meines Herzens". Darin verkündet der Sänger: "Bei uns gibt es keine Mädchen, die sich mit ihrem Diplom eine Arbeit suchen, sondern bei uns wird das Mädchen verwöhnt."

Die libanesischen Radiosender spielen Iskanders neuen Hit, in dem der kräftige Sänger aus der Bekaa-Ebene gegen die Berufstätigkeit der Frau polemisiert, seit Wochen rauf und runter. Auch bei den Taxifahrern von Beirut ist das Lied ein Hit, wie ein CD-Verkäufer auf der zentralen Hamra-Straße berichtet. Allerdings wird die CD als Raubkopie vor allem von Männern gekauft. Nur ab und zu fragt eine Frau nach dem Titel, meistens aus Neugier, weil sie gehört hat, dass der Sänger darin fordert, die Frauen zurück an den Herd zu schicken.

"Wir lehnen die Republik des Harems ab"

Viele emanzipierte Frauen fühlen sich durch den Song, für den Iskanders Sohn Faris den Text geschrieben hat, zutiefst beleidigt. Eine syrische Frauenvereinigung rief diese Woche "alle Frauen und diejenigen Männer, die ein normales Verhältnis zu ihrer Männlichkeit haben, auf, Protestbriefe an syrische Radiosender zu schicken, die dieses Lied spielen". In Beirut hat eine Gruppe von jungen Feministinnen kürzlich sogar eine kleine Demonstration gegen den Song organisiert.

"Ich kann nicht glauben, dass wir in diesem Jahrhundert leben und er so ein Lied singt. Ich denke, alle Frauen in der arabischen Welt sollten ihn verklagen", sagt die Malerin Randa Attaja (47) aus Beirut. Und die libanesische Studentin Lara Dou (20) schnaubt: "In Gottes Namen, vielleicht sollte ihm jemand mitteilen, dass wir nicht mehr in der Steinzeit leben." Die libanesische Zeitung "Al-Akhbar" schrieb in einem Artikel über das Lied: "Wir lehnen die Republik des Harems ab".

Auch in Jordanien wird über das Lied diskutiert. In der jordanischen Gesellschaft, die insgesamt etwas konservativer ist, als die eher liberalen Libanesen, gibt es allerdings auch Frauen, die das Lied mögen. Einige von ihnen benutzen "Republik meines Herzens" sogar als Klingelton oder Warteschleifen-Musik für ihr Handy.

Nicht die erste Kontroverse um den Sänger

Für Mohammed Iskander, der in seinen Liedern Elemente der traditionellen libanesischen Debke-Musik einbaut, ist es nicht das erste Mal, dass er mit einem Songtext aneckt. Im vergangenen Jahr hatte bereits sein Hit "Sag, er liebt mich" im Libanon eine Kontroverse ausgelöst. Es ist ein Loblied auf den krankhaft eifersüchtigen Mann. In dem Text heißt es: "Denjenigen, der dir eine Rose zuwirft, werde ich mit meinem Gewehr erschießen... Wenn dich ein Mann anstarrt, dann werde ich seine Kinder zu Waisen machen... Geh ans Telefon nur, wenn ich neben dir sitze."

Was diese Form der besitzergreifenden Liebe für tragische Folgen haben kann, hat die arabische Welt in den vergangenen Monaten bereits während des Suzan-Tamim-Prozesses ausführlich und kontrovers diskutiert. In Kairo steht zurzeit der ägyptische Geschäftsmann Hischam Talaat Mustafa vor Gericht. Er soll aus Eifersucht einen ehemaligen Polizisten beauftragt haben, seine ehemalige Geliebte Suzan Tamim zu töten. Die libanesische Popsängerin wurde 2008 mit durchgeschnittener Kehle in ihrer Wohnung in Dubai aufgefunden.

dpa