Wissenschaftler skeptisch gegenüber langfristigen Zukunftsprognosen

Mit Blick auf das Jahr 2014 hat sich der Münsteraner Wissenschaftsautor Thomas Grüter skeptisch gegenüber langfristigen Zukunftsprognosen geäußert. "Wir richten die Erwartungen für die Zukunft an den Erfahrungen der Vergangenheit aus", sagte Grüter dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das könne zu dem Fehlschluss führen, dass die Lösung aller drängenden Probleme sich ergeben werde, ohne dass wir besondere Vorsorge treffen müssen.

Doch in der Vergangenheit habe es viele Kulturen gegeben, die mit ihren Problemen nicht rechtzeitig fertig geworden sind, sagt Grüter. "Sie sind logischerweise verschwunden." Bis zu ihrem Zusammenbruch hatten aber ihre Herrscher und deren Ratgeber den sicheren Eindruck, man habe stets alle Hürden genommen und werde an der nächsten ebenfalls nicht scheitern.

Neben den sorglosen Prognosen gebe es heute auch viele düstere Zukunftserwartungen. Als Beispiel nennt Grüter ökologische Visionen in der Tradition der 1972 herausgekommenen Zukunftsstudie "Grenzen des Wachstums" der internationalen Organisation "Club of Rome".

Sie war keineswegs die erste: Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts habe der britische Theologe und Ökonom Thomas Malthus (1766-1834) seine Idee veröffentlicht, dass die ständige Zunahme der Anzahl der Menschen zu wiederkehrenden Hungersnöten führen müsste: "Daraus haben dann viele Leute apokalyptische Warnungen abgeleitet." Malthus selbst sah nicht das Ende der Welt heraufdämmern, er warnte vielmehr vor "einem Teufelskreis aus Bevölkerungswachstum und Massensterben durch Hungersnöte und Seuchen", fügte Grüter hinzu. Malthus selbst zufolge gab es keine Möglichkeit, das zu verhindern.

Beginn der Bewegung: "So geht es nicht weiter"

Grüter zufolge war das aber der Beginn einer Bewegung, wo es hieß: "So geht es nicht weiter. Die Projektion der Gegenwart in die Zukunft führt in die Katastrophe". So ließen sich sowohl positive als auch negative Prognosen aus der Gegenwart ableiten, je nach dem, welchen Aspekt man in die Zukunft projiziert.

Zu Malthus Zeit gab es eine Milliarde Menschen, erinnert Grüter, "heute ernähren wir sieben Milliarden besser als damals die eine Milliarde". Aber irgendwann "geraten wir an eine absolute Grenze der Belastung unseres Ökosystems. Wo diese Grenze liegt, ist nicht sicher zu beantworten". So bemühten sich etwa die Klimaforscher seit zehn Jahren um eine möglichst genaue Vorhersage. "Bislang weichen diese Prognosen aber noch weit voneinander ab."

Das sei aber kein Grund zur Sorglosigkeit. Grüter plädiert dafür, unsere Lebensweise und Infrastrukturen stressresistenter zu machen. "Mit bloßem Reagieren werden wir die Probleme auf Dauer nicht in den Griff bekommen", warnt der Wissenschaftler: "Wenn wir einfach nur abwarten, geraten wir früher oder später in eine Sackgasse. Irgendwann laufen die Probleme dermaßen auf, dass wir nicht alle gleichzeitig lösen können."