ARD will im Jugendkanal auf Qualität setzen

ARD will im Jugendkanal auf Qualität setzen
Der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor will in dem geplanten gemeinsamen Jugendkanal von ARD und ZDF auf Qualität setzen.
10.10.2013
epd
Diemut Roether

"Wir werden nicht primär nach Quote schielen, sondern Dinge anbieten, von denen es zu wenig gibt im deutschen Fernsehen", sagte Marmor dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Jugendkanal sei eine große Chance für das öffentlich-rechtliche System. Hier könnten Sendungen ins Schaufenster gestellt werden, die in den anderen Kanälen "nicht immer die Beachtung finden, die sie in einem Kanal finden würden, der auf Jüngere ausgerichtet ist", sagte der ARD-Vorsitzende und NDR-Intendant. Er denke an Sendungen wie "Extra 3" oder "Krude TV" im NDR Fernsehen.

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Der Jugendkanal solle trimedial aufgestellt sein und "als Plattform für Hinweise für anderes im Radio und im Netz" dienen, sagte Marmor. In dem Kanal sollten "Lebenswelten der Jugendlichen" abgebildet werden. Der junge Kanal solle "die föderale Stärke der ARD und des ZDF" spiegeln, es solle Zulieferungen aus allen Regionen geben.

Der Jugendkanal, der nach dem Willen der ARD-Intendanten möglichst Anfang 2015 starten soll, wird nach Angaben von Marmor ein begrenztes Budget von 45 Millionen Euro pro Jahr haben. "Wir müssen den Kanal durch Umschichtungen finanzieren, sonst ist er nicht durchsetzbar," sagte der ARD-Vorsitzende. Teure Genres wie Fiktion könnten daher nicht im Mittelpunkt stehen. Möglicherweise könne der Kanal auch nicht rund um die Uhr senden. Die ARD werde zwei Drittel des Programm bestücken, das ZDF ein Drittel.

Auseinandersetzung mit ZDF beigelegt

Die Auseinandersetzungen mit dem ZDF um den neuen Jugendkanal seien beigelegt, sagte Marmor: "Es ist doch klar, dass es zwischen Sendern Auseinandersetzungen gibt, wenn etwas neu gestartet wird und diskutiert wird, wer macht was." Er sei aber überzeugt, dass die Kolleginnen und Kollegen von ARD und ZDF alles tun würden, um dem Kanal zum Erfolg zu verhelfen. Das ZDF hatte im April eine Arbeitsteilung bei den Digitalkanälen vorgeschlagen: Die ARD solle die Jugendlichen ansprechen, während sich das ZDF mit ZDFneo auf die Zielgruppe der jungen Erwachsenen konzentriere. Marmor sagte, er glaube, "dass auch das ZDF die Chance eines solchen Kanals erkennt".

Nach Angaben der Medienforscher verbrächten die jungen Leute fast genauso viel Zeit mit Fernsehen wie im Netz, sagte der ARD-Vorsitzende. Es werde nicht einfach, einen solchen Kanal zu etablieren, dafür brauche man Geduld: "Es wäre vermessen zu sagen, wir machen jetzt den großen Wurf und dann ist alles in Ordnung." 

ARD und ZDF wollen den Ministerpräsidenten bis Mitte Oktober ein Konzept für den gemeinsamen Jugendkanal vorlegen. Diese müssen den Kanal dann im Rundfunkstaatsvertrag beauftragen.