Kakaotransport per Fahrrad und Segelboot

Thüringer Extremsportler sucht das "Abenteuer Schokolade"
Vorstellung des Projektes "Der lange Weg der Schokolade" mit Extremsportler Guido Kunze.

Foto: epd/Jens-Ulrich Koch

Vorstellung des Projektes "Der lange Weg der Schokolade" mit Extremsportler Guido Kunze. Er hält eine Kakao-Schote und ein Ticket, das zum Kauf ökologischer Schokolade berechtigt.

Nur mit der Kraft seiner Muskeln und des Windes will der Extremsportler Guido Kunze 40 Kilogramm Kakaobohnen aus Südamerika nach Erfurt bringen. Dort soll daraus eine "kompromisslos ehrliche" Schokolade werden.

Ehrlich währt am längsten? Der Thüringer Extremsportler Guido Kunze hat da manchmal so seine Zweifel. Im Supermarkt im heimischen Mühlhausen zum Beispiel. Wenn er für seine Frau Gaby oder die beiden Jungs nach etwas zum Naschen Ausschau hält, stellt sich eine Frage wie ganz von allein. Warum ist eine Tafel Schokolade hier nur so billig?

Bei seinem Freund Alex Kühn kostet sie deutlich mehr. Doch der Erfurter Chocolatier setzt in seiner Manufaktur auch auf Handarbeit. Zudem kommen bei ihm nur feine Zutaten in die mehr oder weniger süßen Köstlichkeiten. Aber geht es bei ihm völlig fair zu?

Die beiden Freunde wollen es zumindest für die Zukunft mal testen. Wie könnte eine "kompromisslos ehrliche" Schokolade aussehen? Wie kommt man an die richtigen Kakaobohnen? Wie lässt sich der Transport organisieren, ohne ökologisch bedenklichen Flug oder einen schwerölgetriebenen Riesenkahn? Die Antwort auf diese Frage soll nun ein Fahrrad- und Segeltrip des Extremsportlers unter dem Motto "Abenteuer Schokolade - Guidos verrückte Reise" liefern.

Alternative Transportmittel

Der 52-jährige Kunze, der mit seiner Frau einen Laufladen betreibt, hat schon einige Verrücktheiten hinter sich gebracht und Rekorde aufgestellt: im Non-Stop-Rolltreppenlaufen oder bei der Durchquerung Australiens auf dem Rad. In der chilenischen Atacamawüste fuhr er mit dem Mountainbike bis auf 6.233 Höhenmeter. Erst vergangenen September besuchte er auf Luthers Spuren den Papst in Rom. Die 1.600 Kilometer Anreise legte er - natürlich - auf seinem Fahrrad zurück. Keine vier Tage dauerte die Tour.

Am 17. März ist Kunze von Frankfurt am Main aus zu seinem neuen Abenteuer nach Südamerika aufgebrochen. Dieses Mal plant er einen 3.500-Kilometer-Ritt über die Anden Ecuadors und Kolumbiens. Es geht bis auf 4.000 Meter Höhe hinauf und wieder hinab bis an die Küste. Unterwegs will der Radler kleine Familienbetriebe im Dschungel besuchen. Und rund 40 Kilogramm feinste Kakaobohnen, fermentiert, doch noch nicht geröstet, will er dann auf sein Rad packen.

In atmungsaktiven Spezialtaschen soll die kostbare Fracht auf ein Speedsegelboot kommen. Vier Tage plant Guido Kunze dann für den Törn zurück nach Europa ein. Gerade dieser Teil ist Kunze wichtig. Überstehen die Bohnen die Schaukelei auf hoher See? Wenn alles gut läuft, erwägt sein Chocolatier-Freund Alex Kühn künftig ganz auf Windkraft umzusteigen. Ein Skipper sei schon gefunden. Das alternative Transportmittel würde sich allerdings erst ab mehreren Tonnen Kakaobohnen im Jahr rentieren, räumt er ein.

Doch so weit ist es noch lange nicht. Kommt Kunze wohlbehalten wieder in Europa an, steigt er in Lissabon zunächst wieder auf sein Rad. Rund 3.500 Kilometer warten dann auf den Thüringer mehr oder weniger im Zick-Zack durch den Kontinent. Nach Montpellier zum Beispiel, wo Wissenschaftler einst das Erbgut des Kakaos entschlüsselt haben. Ein Zwischenstopp ist auch in Monaco geplant. Dort wartet Fürst Albert auf den Extremsportler. Dem Chef des Hauses Grimaldi, das auch ein paar Thüringer Wurzeln hat, ist das Thema Klimawandel wichtig.

Chocolatier Alexander Kuehn (Kühn, M.) demonstriert Guido Kunze  und Thüringens Ministerpraesident Bodo Ramelow das Conchieren von Kakaobohnen.

Ende April sollen die Bohnen endlich in Erfurt eintreffen, wo Chocolatier Kühn eine "kompromisslos ehrliche" Schokolade daraus herstellen will. Ein paar hundert Tafeln sollen es werden, die mit einem Preis ab 55 Euro nicht gerade billig sind. Mit dem Geld wird allerdings im Rahmen eines crowdfunding-Projektes auch das "Abenteuer Schokolade" mitfinanziert. Zudem sei diese Schokolade auf der Welt einmalig, sind die beiden Freunde überzeugt. "Fairtret" nennen sie das geplante Endprodukt aus einem Wortspiel von "fair" und "treten".

So erhält die Schokolade ihren Wert zurück

Den Segen des Papstes für seine Reise hatte Guido Kunze schon im vergangenen September bekommen. Auch der Thüringer Ministerpräsident ist des Lobes voll. Bodo Ramelow (Linke), ließ sich das Vorhaben persönlich erklären. Als gelernter Einzelhandelskaufmann fällte er ein klares Urteil: So erhalte die Schokolade ihren Wert zurück.

Diese beiden Promis sind nicht die einzigen Unterstützer der Tour. Die Liste der Sponsoren ist lang und reicht vom Radhersteller über den Produzenten des Navi-Gerätes bis hin zu einem bayerischen Autobauer, der zwei E-Mobile als Begleitfahrzeuge für die Etappen durch Europa zur Verfügung stellt.

Apropos Begleitung: Zu Beginn der Reise ist auch Guidos Sohn Marvin dabei. Zudem hat der Mühlhäuser ein Kamerateam an seiner Seite. So soll ein Film entstehen, den der Extremsportler über sein "Abenteuer Schokolade" später in Schulen zeigen will.