Türkei verschärft Rufmordkampagne gegen Dogan Akhanli

Der Anwalt des in Spanien festgehaltenen deutsch-türkischen Schriftstellers Dogan Akhanli hat der Türkei vorgeworfen, eine Rufmordkampagne gegen seinen Mandaten weiter zu verschärfen. Ankara beschuldige Akhanli nicht nur des Mordes, sondern auch der Vergewaltigung, wie erst jetzt bekanntgeworden sei, erklärte Verteidiger Ilias Uyar am Freitagabend in Köln.

"Den Vorwurf in die Welt zu setzen, ohne überhaupt ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, geschweige denn eine Anklage erhoben zu haben, entlarvt das Auslieferungsbegehren der Türkei endgültig als Versuch, einen missliebigen Oppositionellen mundtot zu machen", sagte Uyar. "So wird politische Gesinnungsjustiz betrieben."

Akhanli war Mitte August auf Betreiben der Türkei und mit Hilfe von Interpol im Urlaub in Spanien festgenommen worden. Zwar wurde der in Köln lebende Autor schnell wieder aus der Haft entlassen, darf aber bislang aufgrund eines Auslieferungsersuchens der Türkei Spanien nicht verlassen.



Der Vorwurf der Vergewaltigung sei nicht nur falsch und verleumderisch, sondern auch absichtsvoll nachgeschoben, sagte Uyar. "Es geht ihr nicht um Strafverfolgung, vielmehr will die Türkei unseren Mandanten wegen seiner Kritik an der aktuellen Politik und Menschenrechtslage in der Türkei sowie an der Leugnung des Völkermords an den Armeniern einschüchtern und mundtot machen", erklärte der Anwalt. Es sei offenkundig, dass der Schriftsteller in der Türkei kein faires Verfahren erwarten könne. Uyar forderte die spanische Regierung erneut auf, das Auslieferungsgesuch der Türkei umgehend abzuweisen.