Evangelische Kirche zum "Sprachpanscher des Jahres" gewählt

Godspots

Foto: dpa/Jö†rg Carstensen

Sprachexperten stören sich an "Godspots"

Der Verein Deutsche Sprache hat die evangelische Kirche zum "Sprachpanscher des Jahres 2017" gekürt. Mehr als 2.100 Vereinsmitglieder hätten die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) auf den ersten Platz gewählt, teilte der Verein am Freitag in Dortmund mit. Moniert wurde ein laxer Umgang mit der deutschen Sprache und eine gehäufte Verwendung englischer Begriffe. Der Verein beanstandete etwa sogenannte "godspots", mit denen in vielen Kirchen kostenloses W-Lan angeboten wird.

Auch das Programm mit dem Motto "Segen erleben - Moments of Blessing" der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau auf der Weltausstellung zum 500. Reformationsjubiläum in Wittenberg und die dort präsentierte interaktive Installation "BlessU-2" stießen auf den Unmut der Sprachpuristen. Die Sprachpanscherei sei eine Verhöhnung Luthers, der für seine Bibelübersetzung oft wochenlang nach deutschen Wörtern gesucht habe, erklärte der Verein.

Die EKD erklärte, sie nehme die Wahl "mit lutherischer Gelassenheit und Standhaftigkeit zur Kenntnis". Die Kirche könne übrigens auch "retro panschen", erklärte die EKD auf ihrer Facebookseite: Zurück zu Luther laute die Devise der neuen Luther-Bibel 2017.

Ebenfalls viele Stimmen bei der "Sprachpanscher"-Wahl erhielten die Kampagne von Lann Hornscheidt für die Geschlechtsneutralisierung der deutschen Sprache sowie CDU-Generalsekretär Peter Tauber. Tauber sei bei den Sprachfreunden mit seiner "#cnight" im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin aufgefallen sowie mit einem "Innovation-Pitch" und "Working-Spaces" zu Themen wie "Bildung reloaded" oder "eSports". Weitere Kandidaten waren die inzwischen insolvente Fluggesellschaft Air Berlin und der Landeswahlleiter.

Der Verein Deutsche Sprache setzt sich für die Bewahrung der deutschen Sprache ein und hat nach eigenen Angaben mehr als 36.000 Mitglieder. Er zeichnet seit 1998 jährlich den "Sprachpanscher des Jahres" aus. Dieser Negativpreis ging bislang unter anderem an die ehemaligen Bahnchefs Hartmut Mehdorn und Johannes Ludewig, den Modedesigner Wolfgang Joop sowie Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU).