Reformierte Weltgemeinschaft kommt in Leipzig zusammen

Zehntägiger Kongress befasst sich mit Ökumene, Gerechtigkeit und Frieden
Der am Donnerstag in Leipzig beginnende Weltgipfel der Reformierten gilt als das größte religiöse Treffen im Jahr des 500. Reformationsjubiläums.

Die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen kommt am Donnerstag in Leipzig zu ihrer 26. Generalversammlung zusammen. Auf der zehntägigen Konferenz würden zentrale Fragen zu Frieden, Migration, Gerechtigkeit und der Zerrissenheit der Welt diskutiert, sagte Generalsekretär Chris Ferguson am Mittwoch in der Messestadt. Zuletzt hatte die Versammlung 2010 in Grand Rapids in den USA getagt, zuvor 2004 in Ghanas Hauptstadt Accra.

Der Kongress gilt als das größte religiöse Treffen im Jahr des 500. Reformationsjubiläums. Bis 7. Juli werden rund 1.000 Teilnehmer aus etwa 100 Nationen erwartet.

Der Präsident der Weltgemeinschaft, Jerry Pillay, hob den ökumenischen Anspruch der Reformierten und ihr Eintreten für eine bessere Welt hervor. Die Glaubensgemeinschaft leite ihr Engagement aus den reformatorischen Prinzipien ab und frage, "welchen Unterschied wir in der Welt machen können", sagte Pillay: "Wir sehen die direkte Verbindung zwischen kirchlicher Einheit und Gerechtigkeit in der Welt."

Antworten auf die Gegenwart finden

Als drängende Probleme der Gegenwart nannte Pillay Gewalt gegen Frauen und Kinder, Menschenhandel, weltweite Flüchtlingsbewegungen, ökonomische Ungleichheit, Rassismus und ethnische Konflikte. Der Begriff der Gerechtigkeit müsse indes auch für die Beziehung der Religionen untereinander gelten, betonte Pillay und verwies auf den Umgang der Glaubensgemeinschaften mit religiös motivierter Gewalt.

Der Vorsitzende des Reformierten Bundes in Deutschland, Martin Engels, sagte: "Wir sind herausgefordert, Antworten auf die Gegenwart zu finden." Mit Blick auf Leipzig fügte er hinzu, im 500. Jubiläumsjahr der Reformation sei bewusst ein Tagungsort in Ostdeutschland gewählt worden. Als Ausgangspunkt der friedlichen Revolution von 1989 könne man in Leipzig die "Wirkmacht des Wortes" spüren, die sich damals in vielen Predigten und Gebeten gezeigt habe.

Am 5. Juli wollen die Delegierten ein Zeichen der Ökumene setzen - im nahen Wittenberg, dem Ausgangspunkt der Reformation von 1517. Dort will sich die Weltgemeinschaft der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" anschließen, die Katholiken und Lutheraner 1999 unterzeichnet hatten. An der Zeremonie, zu der auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, erwartet wird, sollen auch Vertreter von Anglikanern, Katholiken und Lutherischem Weltbund teilnehmen.

Am Sonntag reist die Generalversammlung nach Berlin, zu einem Gottesdienst im Dom und einem Empfang im Auswärtigen Amt. Bereits am Freitag wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu einem Gottesdienst in der Leipziger Nikolaikirche erwartet. Gegen Ende des Kongresses wählt die Weltgemeinschaft einen neuen Generalsekretär.

Die Generalversammlung tritt nur etwa alle sieben Jahre zusammen. Insgesamt vertritt die Weltgemeinschaft als Dachverband aktuell rund 80 Millionen Christen von 223 Kirchen in 109 Ländern. Seinen Sitz hat der Verband seit rund drei Jahren in Hannover.

In der Lehre beziehen sich reformierte Christen, anders als etwa die Lutheraner, die theologisch in direkter Nachfolge des Wittenberger Reformators Martin Luther (1483-1546) stehen, vor allem auf die Schweizer Reformatoren Ulrich Zwingli (1484-1531) aus Zürich und Johannes Calvin (1509-1564), der in Genf wirkte.