Bündnis: Suizid zweithäufigste Todesursache bei Jugendlichen

Anlässlich des bevorstehenden Welttags zur Suizidprävention (10. September) hat ein Bündnis von Braunschweiger Beratungsstellen vor der hohen Selbsttötungsrate bei jungen Menschen gewarnt.

"Suizid ist die zweithäufigste Todesursache bei Jugendlichen", sagte der Leiter der Telefonseelsorge, Christian Kohn, am Montag in Braunschweig. Die "Arbeitsgemeinschaft Suizidprävention" will mit einer neuen Broschüre im Scheckkartenformat zukünftig Schulklassen aufklären und Kontakt zu Beratungsangeboten vermitteln. Der "Pocket Guide" werde an rund 10.000 Braunschweiger Schülerinnen und Schüler verteilt.

Klaus Dörmann von der Evangelischen Ehe-, Lebens- und Krisenberatung betonte, die absolute Zahl der Suizidfälle unter Jugendlichen sei zwar relativ gering. Es sei aber sehr dramatisch, wenn ein 14-Jähriger aus einem Impuls heraus einen Suizid vollziehe. Er habe eigentlich noch etwa 70 Lebensjahre vor sich. "So viele andere Erfahrungen wären noch möglich."

Jedes Jahr sterben den Angaben zufolge bundesweit insgesamt rund 10.000 Menschen durch Suizid. Außerdem zählt die Statistik rund 100.000 Suizidversuche, den höchsten Anteil daran haben Mädchen und Frauen im Alter von 15 bis 25 Jahren. 

Telefonseelsorger Kohn sagte, häufig seien bei Jugendlichen Versagensängste, Zukunftsängste oder familiäre Krisen Auslöser für Suizidgedanken. Auch ein geringes Selbstwertgefühl sei ein Risikofaktor. Für viele bedeute der Schulabschluss und der damit verbundene gesellschaftliche Druck, einen Beruf zu ergreifen, eine zusätzliche Belastung, hieß es.



Veronika Mohr von der Jugendberatung "Mondo X" betonte, Suizidgedanken seien oft mit einem Rückzug der Betroffenen verbunden. Angehörige und Freunde seien dazu aufgerufen, mutig das Gespräch zu suchen. Viele glaubten hingegen oft, durch das Ansprechen und Benennen der Probleme für einen möglichen späteren Suizid verantwortlich zu sein.

Die Arbeitsgemeinschaft will zudem mit einem Gottesdienst am 15. September unter dem Motto "Ein Anker für die Seele" das Tabuthema Suizid in die Öffentlichkeit holen. Ein ursprünglich für Schulklassen geplantes Theaterstück mussten die Initiatoren aufgrund mangelnder finanzieller Mittel absagen. "Wir suchen für unsere jährlichen Aktionstage Unterstützer, damit das Thema weiter präsent bleibt", betonte Kohn.

Zu der Braunschweiger Arbeitsgemeinschaft gehören die Evangelische Ehe-, Lebens- und Krisenberatung, die Telefonseelsorge Braunschweig, die Jugendberatungsstelle "Mondo X", die Jugendberatung "bib", die Selbsthilfegruppe "Agus" und der Braunschweiger Sozialpsychiatrische Dienst. Der Welttag zur Suizidprävention wurde das erste Mal im Jahr 2003 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgerufen.