Kerzen für die Opfer von Nizza

Jugendliche stellen Kerzen auf
Foto: epd-bild/Christian Ditsch
Zum Gedenken an die Toten stellen Jugendliche im Berliner Dom Kerzen auf.
Kerzen für die Opfer von Nizza
Drei Berlinerinnen sind von einer Abiturfahrt nach Nizza nicht heimgekehrt. In einem ökumenischen Gottesdienst wurde am Montag der 84 Toten des blutigen Anschlags gedacht. Auch ein Imam betet mit Schülern und Lehrern.

Es herrscht eine bedrückte Stimmung am Montagmittag im Berliner Dom. Trotz der vielen jungen Besucher ist es besonders still in diesem ökumenischen Trauergottesdienst für die Opfer des Anschlags von Nizza. Eingeladen sind vor allem Schüler und Lehrer der zehn Berliner Schulen, die sich zum Zeitpunkt des brutalen Anschlags am späten Donnerstagabend in der südfranzösischen Stadt aufhielten.

Der Gottesdienst soll ihnen Raum geben, die Ereignisse zu verarbeiten und der Toten zu gedenken. Aber auch alle Berliner und Gäste der Stadt sind eingeladen, im Gebet und im stillen Gedenken an die Opfer und die Hinterbliebenen innezuhalten.

Ganz besonders im Mittelpunkt stehen Schüler und Lehrer der Paula-Fürst-Gemeinschaftsschule, von der auch am Montag noch immer eine Lehrerin und zwei Schülerinnen offiziell als vermisst galten. Befürchtet wird, dass sie unter den mindestens 84 Toten sind. Gewissheit gibt es bisher nicht. Fragende Gesichter füllen die Reihen im Dom, Verzweiflung spiegelt sich in den Mienen, Sorge und Unsicherheit. "Wie sollen wir das aushalten", fragt der evangelische Propst Christian Stäblein. "Wo ist das Glück, mit dem Sie, mit dem Ihr vor Tagen auf die Fahrt aufgebrochen wart", ergänzt der stellvertretende Bischof der Evangelischen Kirchen Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO).

Den Wunsch nach Frieden festhalten

Nach einem Feuerwerk zum französischen Nationalfeiertag war auf der weltberühmten Strandpromenade von Nizza ein Lastwagen absichtlich in eine Menschenmenge gerast. Mindestens 84 Menschen starben, mehr als 200 wurden verletzt. Der 31-jährige Fahrer wurde schließlich von Sicherheitskräften getötet. Der Tod ist "in das Leben eingedrungen" - grausam und erbarmungslos, so bringt es Domprediger Michael Kösling vor den Hunderten Gottesdienstbesuchern auf den Punkt. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) erinnert in seiner Ansprache nach dem Gottesdienst daran, dass erneut Berliner mitten im Zentrum eines so grausamen Geschehen standen - wie schon zu Jahresbeginn bei einem Selbstmordattentat in Istanbul.

Unter den Gästen sind auch zahlreiche Notfallseelsorger, die die Schüler in den ersten Stunden nach den schrecklichen Ereignissen getröstet und begleitet hatten. Mit Schülern und Lehrern verbunden in der Trauer sind auch Vertreter aus Politik und Gesellschaft, so die Botschafter der USA und Israels sowie mehrere Vertreter des Senats. Regierungschef Müller und Frankreichs Botschafter Philippe Etienne entzünden gemeinsam eine Kerze: "Ein Licht für die Stadt Nizza und die Menschen in Frankreich."



Trotz der unermesslichen Trauer blickt der katholische Weihbischof Matthias Heinrich vom Erzbistum Berlin nach vorn: "Wir lassen uns unsere Menschlichkeit nicht von der Unmenschlichkeit einiger weniger kaputt machen." Diese Entschlossenheit greift auch Propst Stäblein auf: "Der furchtbare Anschlag macht wütend, er provoziert, unsere Hände zu Fäusten werden zu lassen", räumt der Theologe ein. Doch "umso mehr müssen wir unseren Wunsch nach Frieden festhalten, mit allen Fingern, aller Kraft". Alle fassen sich an den Händen und bilden einen großen Kreis - um diesen Wunsch nach Frieden festzuhalten, während sie schweigend verharren. Kerzen werden von Schülern entzündet für die Toten, für die Verzweifelten.

Auch Regierungschef Müller mahnt, sich nicht auseinanderdividieren zu lassen, sondern zusammenzustehen. Mit der Trauerfeier der beiden christlichen Kirchen und der Beteiligung von Muslimen solle ein Zeichen der Solidarität und des friedvollen Miteinanders gesetzt werden: "Auch wenn es schwerfällt, die Antwort auf dieses schreckliche Verbrechen darf nicht lauten, Hass mit Hass und Gewalt mit Gewalt zu beantworten."

Nicht zugelassen werden dürfe, dass jetzt ganze Gruppen der Gesellschaft unter Generalverdacht gestellt werden. "Errichten wir also jetzt nicht neue Mauern, sondern treten noch entschiedener zur Überwindung von Hass und Gewalt auf", mahnt Müller. Sichtbares Zeichen dafür in diesem Gottesdienst ist das gemeinsame Gebet mit Imam Kadir Sanci vom interreligiösen Gebetshaus "House of One".