Weißer Ring gegen gekürzte Opferentschädigungen

Die Opferschutzvereinigung "Weißer Ring" warnt davor, bei den staatlichen Entschädigungen für Verbrechensopfer zu sparen.

Mit der geplanten Novelle des Opferentschädigungsgesetzes sollten künftig mehr Opfer durch Pauschalzahlungen entschädigt werden, sagte "Weißer Ring"-Bundesgeschäftsführerin Bianca Biwer am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Menschen, bei denen Folgeschäden eines Verbrechens erst nach der Festsetzung einer Pauschalzahlung offensichtlich werden, wären dann benachteiligt. In Mainz hat der "Weiße Ring" sein jährliches Opferforum eröffnet.

Kritik: Mängel im Gesetz

Die bisherigen Regelungen zur Entschädigung von Kriminalitätsopfern hält der "Weiße Ring" grundsätzlich für gut, auch wenn das notwendige Verwaltungsverfahren sehr aufwendig sei. Allerdings habe das geltende Gesetz noch Mängel, die bei einer Überarbeitung verbessert werden müssten. So seien Verbrechen wie Stalking, die bei ihren Opfern psychische Schäden verursachen, bislang nicht entschädigungsfähig.

Schwerpunktthema der diesjährigen bundesweiten Tagung des "Weißen Rings" war Gewalt gegen Männer. Bei einer Reihe von Delikten wie Körperverletzung seien junge Männer deutlich häufiger Opfer als Frauen, allerdings suchten nur wenige nach einer erlittenen Straftat professionelle Hilfe, sagte Biwer: "Wir erleben eine wesentlich größere Scham, sich helfen zu lassen."

Der "Weiße Ring" berät Kriminalitätsopfer und bietet ihnen Unterstützung bei Behörden- und Gerichtsterminen an. Die 1976 gegründete Organisation mit Sitz in Mainz begeht 2016 ihr 40-jähriges Bestehen. Deutschlandweit unterhält der "Weiße Ring" rund 420 Außenstellen mit insgesamt 3.200 ehrenamtlichen Mitarbeitern. Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender war der 2009 gestorbene Fernsehmoderator Eduard Zimmermann ("Aktenzeichen XY... ungelöst").