App für Flüchtlinge soll Start in Deutschland erleichtern

Ein Mann schaut in einem Wohncontainer auf dem Gelände der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Neumünster auf seinSmartphone.

Foto: dpa/Carsten Rehder

Die neue App informiert unter anderem über den Ablauf des Asylverfahrens, Ausbildung und Arbeit.

Eine neue App für Smartphones soll Flüchtlingen den Start in Deutschland erleichtern. Entwickelt wurde das auch offline nutzbare Informations-, Service- und Sprachlern-Programm vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, dem Goethe-Institut, der Bundesagentur für Arbeit und dem Bayerischen Rundfunk.

Damit könnten sich Asylsuchende gleich nach ihrer Ankunft über ihre Rechte und Pflichten sowie über Grundwerte in Deutschland informieren, sagte der Vizepräsident des Bundesamtes, Michael Griesbeck, am Mittwoch bei der Präsentation in Berlin. Die aktuell rund 42 Megabyte große App trägt den Titel "Ankommen" und steht zunächst in den Sprachen Arabisch, Englisch, Farsi, Französisch und Deutsch zur Verfügung (www.ankommenapp.de). Weitere Sprachen könnten folgen. Nach dem Herunterladen soll die App auch ohne Internetzugang nutzbar sein. Schätzungen zufolge besitzen 80 bis 90 Prozent der Flüchtlinge in Deutschland ein Smartphone.

Die in nur sieben Wochen entwickelte Anwendung bietet Informationen unter anderem zum Ablauf des Asylverfahrens, zu Ausbildung, Arbeit und anderen Themen über das Leben in Deutschland. Sie soll nicht nur den Flüchtlingen, sondern auch den Behörden die Arbeit erleichtern. Die Ankommens-App biete allerdings keine lokalen Informationen, betonte der Ex-Vorstand der Bundesanstalt für Arbeit und Projektkoordinator, Heinrich Alt. Dazu seien weiterhin die zahlreichen lokalen Flüchtlings-Apps vor Ort hilfreich.

Mit dem Angebot für Handynutzer sollten auch frühzeitig Hinweise etwa zu den Themen Gleichberechtigung, Religionsfreiheit, Demokratie und Rechtsstaat gegeben werden, betonte Griesbeck. So wird etwa auch auf das Verhältnis von Mann und Frau eingegangen. Damit hätten die massenhaften Übergriffe in der Silvesternacht in Köln aber sicher nicht verhindert werden können, sagte Alt.

Der Sprachkurs starte auf einem sehr niedrigem Niveau, sei für "Null-Anfänger" geeignet und behandele Themen wie etwa den Einkauf, Arztbesuch oder Kleidungen, sagte Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts. Der Kurs diene als Einstieg, könne mittelfristig aber einen Unterricht mit Lehrer nicht ersetzen, betonte Ebert.

Um den Datenumfang der App klein zu halten, sei bewusst auf Videos verzichtet worden, sagte der für Softwareentwicklungen und Plattformen zuständige Abteilungsleiter beim Bayerischen Rundfunk, Mustafa Isik. Die Ursprungsversion habe einen Umfang von etwa 160 Megabyte gehabt, künftige Versionen sollten 80 Megabyte nicht überschreiten. Dadurch sollten die Anwendungen auch auf älteren Smartphones nutzbar sein.

Die Inhalte wurden den Angaben zufolge vorab in Flüchtlingsunterkünften getestet. Griesbeck geht davon aus, dass sich die App schnell unter Asylsuchenden verbreiten wird. Dennoch soll sie auch offiziell beworben werden.

Die App ist zunächst nur für Smartphones mit dem Betriebssystem Android verfügbar. Nach Freigabe im App-Store, die nach Angaben der Entwickler vermutlich noch einige Tage dauern könne, soll die Ankommen-App auch auf iOS und damit für Apple-Geräte verfügbar sein.