Zentralratspräsident: Bei Integration von jüdischen Gemeinden lernen

Bei der Integration von Flüchtlingen könnte die deutsche Gesellschaft nach Einschätzung des Zentralratspräsidenten Josef Schuster von den Erfahrungen der jüdischen Gemeinden profitieren.

Absolut sei die Zahl der jüdischen Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion zwar deutlich geringer gewesen, sagte Schuster in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Prozentual sei der Anteil der Zuwanderer im Vergleich zu den einheimischen Juden aber wesentlich höher gewesen als bei der aktuellen Flüchtlingssituation. "Das A und O ist der Sprachunterricht", nur so kämen die Geflüchteten schnell in Arbeit und entwickelten eine Perspektive, betonte der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland.

Schuster sagte, er sei überzeugt, dass man "in Deutschland mittel- oder langfristig an einer Begrenzung des Zuzugs" nicht vorbeikomme, "wenn der Zustrom weiterhin in dieser Höhe anhält". Zugleich verwahrte er sich dagegen, jemals eine Obergrenze für Flüchtlinge oder eine Schließung der Grenzen gefordert zu haben. Es sei Konsens in der Politik: "Wir müssen die Menschen, die zu uns kommen, erfolgreich in unsere Gesellschaft integrieren können." Bliebe die Zahl der Flüchtlinge so hoch wie 2015, würde das aber immer schwieriger. Ohne Integration drohe Ghettoisierung.

Der Zentralratspräsident warnte außerdem erneut vor möglichen antisemitischen Tendenzen unter den Geflüchteten. Menschen aus Syrien oder dem Irak seien oftmals mit juden- und israelfeindlichen Ressentiments aufgewachsen und teils indoktriniert worden: "Das streifen diese Menschen auch an der deutschen Grenze nicht plötzlich ab."

Er habe auch die große Sorge, dass salafistische Gruppen gezielt um Flüchtlinge werben. Die Asylsuchenden nahm Schuster in Schutz: "Woher sollen die Syrer und Iraker wissen, wer sich ihrer da annimmt und was er damit eigentlich im Schilde führt."