Das Sakrament der Taufe

Foto: iStockphoto/Uwe Zänker/Julius Schnorr von Carolsfeld

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Die Geburt eines Menschen ist immer wieder ein Wunder. Und wenn Eltern ihr Kind nach der Entbindung als kleines Bündel Leben in die Arme schließen können, dann feiern sie damit das erste Willkommen des Kindes in der Familie.

Ähnlich ist die Taufe ein Willkommensfest für einen Menschen in der christlichen Gemeinde. Der Kreis wird etwas größer, und die Aufnahme des Täuflings wird im Namen Gottes gefeiert. Er soll es sein, der die Gemeinschaft der Getauften verbindet. Die Eltern und Paten erbitten für das Kind Gottes Segen, seinen Schutz und Zuspruch – über das hinaus, was sie selber zum Gelingen seines Lebens beitragen können.

Die Taufe wird als Gottesdienst meist in einer Kirche gefeiert. Dankbarkeit und Freude über das neue Leben finden hier in Liedern und Gebeten ihren Ausdruck, der Segen soll die Familie stärken und ihr den Halt durch Gottes Hand vermitteln. Die Pastorin oder der Pastor schöpfen Wasser aus einem Taufbecken und träufeln es dem Täufling über den Kopf. Seltener gibt es noch den Ritus des Untertauchens in einem Gewässer. "Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes" wird der Täufling aufgenommen in die Gemeinschaft der Christen.

Eines der ältesten Rituale des Christentums

Diese Worte gehen auf ein Bibelwort zurück, wonach Jesus beim Abschied seine Jünger dazu aufgerufen hat zu taufen: "Darum gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes" (Matthäus 28,19). Die Taufe ist ein Sakrament, das von fast allen christlichen Kirchen anerkannt und praktiziert wird. Alle im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Getauften gehören zur weltweiten Christenheit.

Damit ist die Taufe eines der ältesten Rituale in der christlichen Kirche. Genau genommen ist sie sogar ein paar Jahre älter als die ersten christlichen Gemeinden. Denn bevor Jesus das erste Mal öffentlich predigte, bevor er den ersten Kranken heilte, ehe er Anhänger um sich scharte, wurde er selbst von Johannes dem Täufer getauft. Der wird in der Bibel beschrieben als Einsiedler in der Wüste, der sich von Heuschrecken und wildem Honig ernährte.

Er meinte das nahende Weltende vorauszusehen und rief die Menschen dazu auf, sich ihre Verfehlungen einzugestehen und sich reinwaschen zu lassen von ihren Sünden. In Scharen kamen sie zu ihm in die Einöde, um im heiligen Fluss Jordan eingetaucht zu werden. Und auch Jesus wurde auf diese Weise von ihm getauft. Die alte Symbolik der Taufe, das Element des Wassers, hat sich über die Jahrtausende erhalten.

Annahme vor Gott, die jedem Menschen gilt

Derartige Rituale mit Wasser gab und gibt es in vielen Religionen. Meist spielt dabei der Gedanke der Reinigung eine Rolle, die zu wiederkehrenden Anlässen vorgenommen wird. Bei den Christen aber hat sich die Bedeutung dieser religiösen Waschung gewandelt. Sie wird nur noch ein Mal vollzogen und bedeutet in dem Moment die Vergebung der Sünden und den Empfang eines neuen Geistes. Obwohl Jesus selbst niemanden getauft hat, war die Taufe von Anfang an üblich in christlichen Gemeinden – und galt damals wie heute als Ritus der Aufnahme in ihre Gemeinschaft. Nach evangelischem Verständnis macht die Taufe damit die bedingungslose Annahme vor Gott sichtbar, die grundsätzlich jedem Menschen gilt – getauft oder ungetauft.

Dieser Gedanke soll auch betont werden, indem heute meist Säuglinge oder Kleinkinder getauft werden – was nicht immer so war. Zu Zeiten der ersten christlichen Gemeinden entschied man sich als erwachsener Mensch für die Taufe. Und weil man darunter eben diese einmalige und endgültige Reinigung verstand, erwartete man von den Gläubigen, danach nicht mehr zu sündigen. Diesem Druck wichen diese mehr und mehr aus, indem sie sich erst im hohen Alter taufen ließen – damit danach nicht mehr so viel schief gehen könne. Auch Kaiser Konstantin, der das Christentum zur Staatsreligion machte, soll erst auf dem Sterbebett getauft worden sein.

Geschenk und Stärkung für ein ganzes Leben

Die Taufe aber soll Geschenk und Stärkung für ein Leben sein, keine Bürde. Und so begann die Kirche ab dem fünften Jahrhundert, die Taufe an den Anfang des Lebens zu stellen und die hohen moralischen Ansprüche zu lockern. Seither ist es in den meisten christlichen Kirchen üblich, Säuglinge oder Kinder zu taufen und sie ohne Bedingungen in die Gemeinde aufzunehmen. Aber auch wer als Erwachsener zum christlichen Glauben findet, kann sich natürlich in jedem Alter taufen lassen. Allen Getauften, ihren Paten und Familien soll das Gefühl der Annahme und Ermutigung mit auf den Weg gegeben werden. So wie von Luther berichtet wird: Wenn ihn Glaubenszweifel packten, schrieb er auf seinen Tisch: "Ich bin getauft".###mehr|terms|771###