Kirchenmitgliedschaft im Ausland

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Sie leben im Ausland oder planen einen Umzug dorthin? Vielleicht möchten Sie gerade fern der Heimat den Kontakt mit einer evangelischen Gemeinde halten. Oder Sie kehren zurück nach Deutschland und fragen sich, wie Sie wieder Mitglied werden können in der

Wer in Deutschland Mitglied der evangelischen Kirche ist, gehört zur jeweiligen Landeskirche, in deren Gebiet der eigene Wohnsitz liegt. Wer also seinen Wohnsitz in Deutschland aufgibt und ins Ausland zieht, verlässt seine Landeskirche und gibt auch rechtlich seine Kirchenmitgliedschaft auf.

In Deutschland endet somit die Kirchenmitgliedschaft grundsätzlich beim Wegzug. Ist der Auslandsaufenthalt jedoch nur vorübergehend geplant, dann ruht die Kirchenmitgliedschaft, bleibt aber formell bestehen. Als Mitglied ist man in dieser Zeit von seinen Pflichten entbunden - zahlt also keine Kirchensteuern – hat aber auch kein Wahlrecht. Dies betrifft beispielsweise Botschaftsangehörige, die eine Stelle im Ausland antreten oder Mitarbeiter eines Unternehmens, die für drei Jahre befristet nach Kairo gehen.

Nach einem vorübergehendem Aufenthalt im Ausland braucht man sich demnach nicht erneut anzumelden. Nach der Rückkehr in den Bereich der EKD setzt sich die Kirchenmitgliedschaft automatisch fort. Wer allerdings lange Zeit und ohne Befristung im Ausland lebt, hat seine Kirchenmitgliedschaft damit aufgegeben. Doch auch dann kann man sie nach der Rückkehr nach Deutschland in jeder Kircheneintrittsstelle ganz unkompliziert wieder aufnehmen. Das gilt für alle, die vormals Kirchenmitglied gewesen sind, die im Ausland Mitglied einer evangelischen Kirche oder Religionsgemeinschaft waren oder auch für im Ausland geborene Kinder.

Vertraute Klänge und Gemeinschaft in der Fremde

Wer sich im Ausland nach den vertrauten Klängen eines deutschsprachigen Gottesdienstes sehnt oder Kontakt halten will mit evangelischen Christen, kann man sich einer deutschsprachigen evangelischen Auslandsgemeinde anschließen. Deren Mitgliedschaft ist unterschiedlich geregelt, je nach Rechtsform der Gemeinde, die wiederum vom Landesrecht abhängig ist. Die deutschen Gemeinden sind teilweise in die jeweilige evangelische Kirche des Landes integriert, andere haben die Rechtsform eines Vereins. Wo und wie man eintreten und Mitglied werden kann, erfährt man deshalb am besten beim örtlichen Pfarrer oder Kirchengemeinderat.

Im Ausland Getaufte ohne einen Wohnsitz in Deutschland werden damit zunächst nur in die dortige Gemeinde und Kirche aufgenommen. Nach der Rückkehr nach Deutschland werden sie Mitglied einer Landeskirche, wenn sie gegenüber einer Kircheneintrittsstelle oder dem (staatlichen) Meldeamt erklären, evangelisch zu sein und die Taufe nachweisen können.

Art und Umfang finanzieller Verpflichtungen in den Auslandsgemeinden hängen von der jeweiligen rechtlichen Gestaltung der Mitgliedschaft ab. Steuern, auch Kirchensteuern, können nur solche Körperschaften selbst erheben, die öffentlich-rechtlich organisiert sind. In der Regel handelt es sich bei den Gemeinden aber um vereinsähnliche Mitgliedsverhältnisse, so dass sie von den Mitgliedern Beiträge erheben können und darüber hinaus auf Spenden angewiesen sind.

Religion bedeutet Rückbindung

Die bewusste und selbstgewählte Zugehörigkeit zu einer Gemeinde und der persönliche Einsatz schafft mitunter eine größere Verbindlichkeit als die Mitgliedschaft in einer Landeskirche, die formell durch den Wohnsitz vorgegeben ist. Auch gewinnt die Gemeinde in dieser besonderen Situation oft als Treffpunkt für deutsche oder deutschsprachige Christen an Bedeutung. Manchmal wird einem auch erst im Ausland, möglicherweise in einem nicht-christlichen Umfeld, richtig klar, dass man evangelischer Christ ist. Das Wort Religion kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Rückbindung - das wird im Ausland womöglich besonders deutlich.