Finanzchef der rheinischen Kirche lässt Amt ruhen

Finanzchef der rheinischen Kirche lässt Amt ruhen
Der Millionenskandal beim kircheneigenen Unternehmen bbz hat jetzt personelle Konsequenzen in der rheinischen Kirchenleitung - Finanzchef Georg Immel lässt sein Amt ruhen.

Der Finanzdezernent der Evangelischen Kirche im Rheinland, Georg Immel, lässt als Konsequenz aus den Millionenverlusten bei einem kircheneigenen Unternehmen sein Amt ruhen - er war für die Aufsicht zuständig. Er übernehme damit "einen Teil seiner gesamtkirchlichen und damit auch politischen Verantwortung für die Abwendung weiteren Schadens, der der Kirche durch die Vorgänge bei der bbz GmbH rufmäßig entstanden ist", erklärte die zweitgrößte deutsche Landeskirche am Dienstagabend in Düsseldorf.

Der 58-jährige Kirchenjurist halte diesen Schritt auch "zur ungestörten Durchführung der notwendigen Ermittlungen" für "sachdienlich und opportun", hieß es. Er sei "getragen von dem Bewusstsein, selbst keine Dienstpflicht verletzt zu haben". Auch die Wirtschaftsprüfer hätten keinen Hinweis auf Verdachtsmomente gegeben.

Kircheninterne Ermittlungen gegen Immel

Gegen Immel wird kirchenintern ermittelt, weil er für die Aufsicht beim Beihilfe- und Bezüge-Zentrum (bbz GmbH) in Bad Dürkheim zuständig war. Das Unternehmen, das der rheinischen Kirche gehört, war durch hoch riskante Kapitalanlagen in finanzielle Schieflage geraten und musste von der Landeskirche mit 20 Millionen Euro gestützt werden. Die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern ermittelt zudem wegen Anlagebetrugs und Bilanzfälschung gegen neun Beschuldigte, Immel gehört allerdings nicht dazu.

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Die rheinische Kirche hatte nach Bekanntwerden der Unregelmäßigkeiten im Oktober Strafanzeige gestellt. Außerdem entließ sie Geschäftsführer und Prokuristen und tauschte die dreiköpfige Gesellschafterversammlung komplett aus. "Gegen einzelne Personen aus dem Bereich der Gesellschafterversammlung" werden zivilrechtliche Ansprüche verfolgt. Das Aufsichtsgremium unter Immels Leitung hatte unter anderem fehlerhafte Jahresabschlüsse nicht beanstandet.

Präses Schneider kündigt stärkere Kontrollen an

Der rheinische Präses Nikolaus Schneider kündigte vor wenigen Tagen auch stärkere Kontrollen kircheneigener Unternehmen an. Im Fall des bbz habe es offensichtlich "ein massives kriminelles Vorgehen" gegeben, aber auch eine "Schwäche in der Aufsicht", kritisierte er in einem Interview und fügte hinzu: "Es gibt ethische Standards, und was da an Anlagegeschäft gemacht wurde, spricht allem Hohn."

Das bbz, das der Landeskirche seit dem Jahr 2000 gehört, hat rund 1.200 Kunden überwiegend aus den Bereichen der kirchlichen und öffentlich-rechtlichen Verwaltung, darunter Banken, Kliniken, Kommunen und Medienunternehmen. Die GmbH bewegt bei den Abrechnungen für ihre Kunden jedes Jahr dreistellige Millionenbeträge. Die rheinische Kirche ist mit 2,8 Millionen Mitgliedern die zweitgrößte der 22 evangelischen Landeskirchen in Deutschland.

epd