"Der Elefant im Widerstand": Castor-Protest für Kinder

Die friedlichste Anti-Castor-Demonstration der Welt findet auf einem langen Tisch am Rande der Kundgebung bei Dannenberg statt: still und starr und gerade deshalb so beeindruckend. 85 Kuscheltiere sind hier versammelt, darunter rosa Mäuse, ein blauer Wal, ein grünes Krokodil. Auch Ernie aus der Sesamstraße trägt ein Transparent.

"Wir sind aus Stoff und machen Zoff" lautet die Parole der kleinen Demonstration. Gilda Winter (55) aus Prießek im Kreis Lüchow-Dannenberg hat Bären, Drachen und Pinguine nach dem Vorbild von Erich Kästners "Konferenz der Tiere" formiert. "Stofftiere aller Länder, vereinigt Euch!".

Seit 1986 beschäftigt sich Gilda Winter mit den Gefahren der Atomenergie. 1986 – das Jahr der Katastrophe von Tschernobyl. Sie hörte die Nachricht, als sie gerade mit ihrem dreijährigen Sohn auf einem Bauernhof frische Milch kaufte. Plötzlich war alles anders: Gilda Winter musste ihrem Kind erklären, dass die Milch nun doch nicht mehr gesund war, und dass er nicht mehr auf dem Spielplatz spielen durfte - wegen der giftigen Wolke über Europa. "Es war schrecklich und unerklärlich", sagt Gilda Winter. Der Tschernobyl-Schock saß bei der jungen Mutter tief.

"Für die Kinder demonstrieren wir"

Immer, wenn es um Atomkraftwerke und strahlende Abfälle geht, denkt sie seitdem an die Kinder. Nicht nur an ihre eigenen, sondern auch an die Enkel, an die Kinder und Enkel ihrer Freunde und alle nachfolgenden Generationen auf der ganzen Erde. Der strahlende Abfall, die Castor-Transporte - bei all dem geht es um die Zukunft und damit um die Welt der Kinder. Seit einigen Wochen sammelt Gilda Winter deshalb Stofftiere - per Aushang in Kindergarten und Supermarkt und auf Flohmärkten. "Nicht zum Kuscheln sind wir hier, für die Kinder demonstrieren wir" ist der Leitspruch, den die vorderste Bären-Reihe auf ihrem breiten Transparent vor sich her trägt.

Die Symbolik wirkt: Am Rande der Kundgebungsfläche in Dannenberg, auf der viele Demonstranten am Samstagnachmittag frieren, bleiben sie gern stehen und lassen sich von Gilda Winters Kuscheltieren zumindest für ein paar Minuten in eine freundliche, friedliche Welt entführen. "Wie süß!" und "Goldig!" sagen sie. Nach ein paar Minuten allerdings werden die Demonstranten nachdenklich. Die Tiere sind zwar niedlich, aber auch starr, unbeweglich, machtlos, hilflos. Der Welt ausgeliefert wie Kinder. Die Betrachter verfallen ebenfalls in einer Art Schockstarre und werden ganz still. Genauso still wie die kleinen "Chaoten auf vier Pfoten".