Kirche bekennt Schuld gegenüber Frauen

Kirche bekennt Schuld gegenüber Frauen
Viel zu lange hat die evangelische Kirche keine Frauen in die Reihen der Pastoren gelassen. Das hat der bayrische Landesbischof Johannes Friedrich vor Theologinnen ausgesprochen.

Bischof Friedrich hat für die evangelische Kirche ein Schuldbekenntnis gegenüber Frauen abgelegt. Viel zu lange habe sie Frauen den gleichberechtigten Zugang zum Pfarramt verweigert, sagte er am Mittwochabend beim 75-jährigen Jubiläum des bayerischen Theologinnenkonvents in Nürnberg. Unzählige Frauen hätten "bitter und erniedrigend erfahren müssen, dass ihr Zeugnis in der Kirche nichts galt".

"Frauen wurden ignoriert, abgewimmelt oder es wurde ihnen ins Gesicht gesagt, dass ihr Dienst im geistlichen Amt nicht erwünscht ist", sagte der Bischof. Das habe tiefe Wunden geschlagen. Erst dank des Engagements mutiger Visionärinnen seien der Landeskirche Stück für Stück die Augen aufgegangen.

Die bayerische Landeskirche führte 1975 gegen erhebliche innerkirchliche Widerstände als eine der letzten evangelischen Kirchen in Deutschland die Frauenordination ein. Heute gibt es in Bayern 865 Pfarrerinnen. Sie stellen bereits ein Drittel der aktiven Pfarrerschaft. Im Theologiestudium ist schon Geschlechtergleichstand erreicht.

Haseloff und Hübner als Pionierinnen der Frauenordination

Maßgeblichen Anteil an der Durchsetzung der Frauenrechte hatte der Theologinnenkonvent. Sein Ursprung liegt im Jahr 1935. Damals trafen sich erstmals zehn examinierte Theologinnen in Nürnberg, nachdem ihnen die Kirchenleitung kurz zuvor das Recht auf Anstellung verweigert hatte.

Bundesweit zu den ersten Pfarrerinnen im Gemeindepfarramt nach dem Krieg gehörten Elisabeth Haseloff und Waltraut Hübner. Haseloff wurde Ende der 1950er Jahre in Lübeck eingeführt. Die aus Sachsen stammende Hübner trat 1961 mit 36 Jahren ihre Stelle in einer Flüchtlingsgemeinde von Vertriebenen in Frankfurt an. Erst später wurde die Zölibatsklausel abgeschafft, die nur unverheiratete Frauen zum Pfarrdienst zuließ.

Schaumburg-Lippe ließ 1991 als letzte Mitgliedskirche der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) die Ordination von Frauen als Pastorinnen zu. Die Theologin Maria Jepsen wurde 1992 in Hamburg als weltweit erste lutherische Bischöfin in ihr Amt eingeführt.

epd