Kampf den Mollusken

Die Trockenzeit ist vorüber. Dem laut Zeitungsberichten wärmsten April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in England folgt nun ein feuchter und kühler Mai. Was zumindest aus Pflanzensicht zunächst wie eine Erleichterung erschien, stellte sich schnell als Bedrohung für ebenjene Aussaaten und Pflanzen heraus, die so dringend den Regen benötigten. Denn mit den Niederschlägen kamen die Schnecken.

Keine halbe Stunde nach Einsetzen des ersten Nieselregens waren sie schon im Blumenbeet, auf dem Rasen und auf der Terrasse unterwegs. Ich habe keine Ahnung, woher sie auf einmal auftauchten, denn bis dahin hatte ich nur ganz vereinzelt mal eines der Weichtiere gesichtet und darauf vertraut, dass sich die Amseln der Sache annehmen würden.

Meine mangelnde Einsatzbereitschaft in Sachen Schneckenbekämpfung ist allerdings, ich gebe es zu, nicht nur meiner Vogelliebe und der bis dahin nur geringen Bedrohung zuzuschreiben, sondern auch meiner Vermeidungsstrategie bei der Beantwortung der Frage: Was tun mit den Schädlingen? Denn auch wenn ich meine Bemühungen im Garten nicht von Helix aspersa vernichtet sehen will, glaube ich doch daran, dass jedes Lebewesen seinen Platz und Sinn hat, auch wenn es mir nicht gefällt.

Doch nachdem nun mehrere sprießende Dahlien und Sonnenblumenzöglinge einer nächtlichen Mollusken-Attacke zum Opfer fielen, ist Handeln angesagt. Ratgebermagazine und Webseiten sind sich einig: Schnecken gehören zu den Hauptfeinden des Hobbygärtners. Entsprechend vielfältig sind die Tipps, die zu ihrer Bekämpfung gegeben werden.

Ich persönlich habe für meinen Krieg gegen die schleimigen Fresssäcke den Einsatz chemischer Waffen (Schneckenkorn u.ä.) ausgeschlossen, da sie der Idee eines wildlife gardens entgegenstehen. Die Gifte schädigen sowohl den Boden als auch andere Tiere –zum Beispiel Vögel, die ja hilfreich im Einsatz gegen Schädlinge sind. Und Regenwürmer, Vögel und Insekten sind gern gesehene Gäste bei uns. Nachbars Katze zwar weniger, aber auch sie möchten wir natürlich weder krank noch tot wissen.

Als besonders wirksam werden biologische Waffen angepriesen. Spezielle Nematoden –Miniorganismen, die in die Erde eingearbeitet werden, wo sie von den Schnecken aufgenommen werden –setzen in den Weichtieren ein Bakterium ab, das die Wirtstiere nach ein paar Tagen tötet. Da die Nematoden weder Menschen noch anderen Tieren etwas anhaben kann, gelten sie als biologisch unbedenklich.

Mich plagen allerdings eher moralische Bedenken. Und der Ekel. Das Gleiche gilt auch für die bewährten Waffen wie Salz (um die Pflanze herum oder direkt auf die Schnecke gestreut, entzieht es dieser die Flüssigkeit und führt zu ihrem Tod) und Bierfallen (einen Behälter, z.B. Joghurtbecher, so in die Erde eingraben, dass der Rand 1-2 Zentimeter aus dem Boden schaut, denn sonst wird die Schneckenfalle leicht zur Käferfalle. Zur Hälfte mit Bier oder Milch füllen, regelmäßig erneuern). In beiden Fällen bleibt dem Hobbygärtner die Beseitigung der Leichname überlassen. Außerdem lockt Bier (übrigens auch Schneckenkorn) Mollusken von nah und fern an, also auch solche, die vorher nicht da waren. Und wenn man Pech hat, legen die auf ihrem Weg zum slug pub noch ein paar Eier ab und sorgen so vor ihrem Ableben für weiteren Nachwuchs.

Auch Aufspießen, Kleinschneiden, mit dem Rasenmäher kleinhäckseln etc. sind für mich eher Szenen aus einem Splatter-Movie als anwendbare Vorschläge zur Schneckenbekämpfung. Ich beherzige lieber folgende Tipps:

Einsammeln: 28 Exemplare der Gefleckten Weinbergschnecke traten in der letzten Woche die Flugreise über den Gartenzaun an. Nein, nicht in Nachbars Blumenbeete, sondern in Richtung Sportplatz, der sich an unseren Garten anschließt. Ich habe jedoch den Verdacht, dass sich in der folgenden Nacht eine Schneckenarmada auf den Weg vom Sportplatz durch den löchrigen Zaun zurück in unseren Garten gemacht hat. Wer keinen Sportplatz o.ä. zur Verfügung hat, kann die Eindringlinge ja im Wald aussetzen. Ganz wird man die Viecher auf diese Weise zwar nicht los, aber ihre Zahl lässt sich deutlich reduzieren.

Barrieren: Um die besonders gefährdeten Pflanzen habe ich einen Ring aus Kupferfolie gelegt. Angeblich reagiert das Metall mit dem Schneckenschleim und versetzt dem Eindringling einen Stromschlag, wirkt also wie ein Elektrozaun. Selbstklebende Kupferbänder gibt's im Gartencenter und können auch um Blumentöpfe gewickelt werden.

Da die Weichtiere nichts Scharfkantiges mögen, soll auch ein um die Pflanze gestreuter Ring aus Sand oder kleingehackten Eierschalen helfen.

Morgens gießen, denn abends werden die Schnecken wach, und wenn es dann schön feucht ist, fühlen sie sich noch wohler. Pflanzen möglichst wenig düngen, vor allem wenig Stickstoff, denn das fördert das Wachstum von weichen Pflanzenteilen, die Mollusken so lieben.

Regelmäßig die Erde hacken, um die Eiablage zu stören.

Pflanzen erst ins Beet setzen, wenn sie schon großund stark sind. Junge, weiche Blätter schmecken den ungeliebten Gartenbewohnern besonders gut.

Pflanzen wählen, die den Schnecken nicht schmecken, z.B. Lavendel, Clematis, Hortensien, Ringelblumen, Rosen, Nachtkerzen etc. Weitere schneckenresistente Arten hier

Den Garten für natürliche Feinde wie Vögel, Igel, Frösche, Kröten attraktiv machen.

Ansonsten halte ich es mit dem Schwiegervater: Da die Kopffüßer mit der Raspelzunge sowieso nie vollständig unter Kontrolle zu bringen sind, andererseits sich viele Pflanzen auch von zunächst vernichtend erscheinenden Schneckenattacken erholen, rät er: Sit back and relax.