Medienbischof Fürst fordert Respekt vor religiösen Überzeugungen

Der Medienbischof der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Gebhard Fürst, fordert von Medien und Karikaturisten mehr Respekt vor religiösen Überzeugungen.

"Man kann auch durch Bilder und Worte töten", sagte der Rottenburger Bischof der "Stuttgarter Zeitung" (Donnerstagsausgabe). Er verlangte eine gesellschaftliche Debatte über die Grenzen der Kunstfreiheit. Der schiitische Geistliche Ayatollah Reza Ramezani sagte, Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit müssten beide als Grundrechte geschützt werden.


Fürst verurteilte die Anschläge von Paris zwar scharf, ging aber auch auf Distanz zum Satiremagazin "Charlie Hebdo". Er würde seine Solidarität nicht durch das Statement "Je suis Charlie" ausdrücken, betonte Fürst. Denn einige Veröffentlichungen der Zeitschrift gingen über das hinaus, was verantwortbar und mit seinem Verständnis von Presse- und Kunstfreiheit vereinbar sei: "Wo jemand mit voller Absicht, mit Spaß und Zynismus das zu zerstören versucht, was Menschen am heiligsten ist, ist die Grenze überschritten." Die katholische Kirche Frankreichs habe - wenn auch vergeblich - gegen "Charlie Hebdo" prozessiert.  

Fürst wandte sich auch gegen die von der FDP vorgeschlagene Abschaffung des sogenannten Blasphemieparagrafen in Deutschland. "Der Vorschlag der FDP geht in die Irre. Dann würden wir solche Grenzüberschreitungen banalisieren", sagte der Vorsitzende der publizistischen Kommission der Bischofskonferenz. Christen müssten es sich "nicht gefallen lassen, wenn das, was uns heilig ist, in den Dreck gezogen wird. Wir müssen die Rechtsmittel ausschöpfen, auch wenn wir zehnmal verlieren".

Der Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg, Ayatollah Reza Ramezani, verurteilte die Mohammed-Karikaturen der französischen Zeitschrift "Charlie Hebdo" als Verstoß gegen die Menschenrechte. Sie hätten zur emotionalen Kränkung und Schmähung von 1,5 Milliarden Muslimen geführt und "eine tiefe Wunde in ihren Herzen hinterlassen", heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Freitagsansprache. Der iranische Geistliche ist Vorsitzender der Islamisch Europäischen Union der Schia-Gelehrten und damit führende schiitische Autorität in Deutschland.

Die Karikaturen haben nach Aussage von Ramezani die Sicherheit der Gesellschaft gefährdet. Sowohl Meinungsfreiheit als auch Religionsfreiheit seien elementare Grund- und Menschenrechte, die beide zugleich respektiert und geschützt werden müssen. Würde und Gefühle der Muslime dürften nicht im Namen der Freiheit verletzt werden. Auch nach westlichem Verständnis gelte Freiheit nicht absolut. Sie dürfe andere nicht gefährden oder in ihren Rechten beschneiden.

Ramezani rief die Muslime zur Besonnenheit auf. Muslime sollten auf rechtlichem Weg ihren Protest gegen die Karikaturen kundtun und sie im Rahmen des Grundgesetzes verurteilen. Auch religiöse Führer wie Papst Franziskus würden auf die unvernünftige Schmähung der Religionen und die Grenzen der Meinungsfreiheit hinweisen.