Entscheidend ist, was hinten rauskommt

So eine Jesus-Statue enthält manchmal echte Überraschungen – auch an ungewöhnlichen Stellen

Da staunten die Bewohner des kleinen spanischen Ortes Sotillo de la Ribera nicht schlecht. Eigentlich wollten sie ihre schon ziemlich in die Jahre gekommene Jesus-Statue nur restaurieren lassen. Doch die beauftragten Restauratorinnen Gema Ramiréz und Ángeles Comba entdeckten etwas, womit keiner gerechnet hatte: Einen Hohlraum – in Jesu Po! Der war gewissermaßen aufklappbar, natürlich immer gut verborgen und der betenden Gemeinde abgewandt. Doch nun kam heraus, was ein Kaplan namens Joaquín Mínguez vor 240 Jahren in aller Heimlichkeit vorbereitet hatte: Was andere Leute so bei Grundsteinlegungen und ähnlichen Anlässen tun, hatte er einfach mit Jesus gemacht. Er hatte zeitgeschichtliche Informationen aufgeschrieben. Das Dorfleben beschrieben, Krankheiten, Schulen, Universtitäten der Umgebung. Eben: Das Leben seiner Zeit dokumentiert. Das ganze mit Namen und Datum versehen – und ab damit in Jesu Po.

Wir möchten uns ausnahmsweise nicht mit naheliegenden Wortspielen beschäftigen, da uns diese im Zusammenhang mit Jesus irgendwie pietätlos erscheinen. Zumal diese Dokumente auch garantiert nicht für den A… waren, im Gegenteil: Die Historiker sind hellauf begeistert von diesem Zufallsfund, der einen ganz eigenen Einblick in das Leben vor einem Vierteljahrhundert bietet. 

Jesus ist eben wirklich in jeder Hinsicht vielseitig. Nicht nur als Retter der Welt – sondern auch als deren Bewahrer. Wer hätte das für möglich gehalten? Vielleicht sollten wir alle mal wieder in die Kirche gehen und uns unseren jeweiligen Jesus etwas genauer ansehen. Wer weiß, was dabei herauskommt? Nicht unbedingt immer hinten. Aber wer weiß schon, was sich in unseren altehrwürdigen Kirchen an versteckten Botschaften aus früheren Zeiten verbirgt?

Das finde ich auch einen der faszinierendsten Aspekte an der ganzen Geschichte: Sonntag für Sonntag, 240 Jahre lang, hat diese Gemeinde Gottesdienst gefeiert – die versteckten Dokumente quasi immer im Blick. Doch kein Mensch wusste davon. Niemand ahnte auch nur, was der Kaplan von damals hier versteckt hatte.

Haben Sie schon mal was versteckt für folgende Generationen? Mein einziger Versuch bisher – Unterschriften der Jugendlichen auf der Unterseite eines gemeinsam verlegten Holzfußbodens im Jugendraum – endete leider ziemlich bald, als ca. zehn Jahre später der gesamte Jugendraum völlig neu gestaltet wurde. Na ja, für 240 Jahre war dieser Boden auch nicht ausgelegt, aber zehn war schon arg kurz … Möglicherweise habe ich als Jugendlicher auch mal etwas auf dem Dachboden meines Elternhauses versteckt, das mittlerweile verkauft wurde, aber sicher bin ich mir nicht, ob ich das nur geplant habe zu tun, oder es tatsächlich getan habe. Also: Vergraben Sie Münzen, Tageszeitungen und Zeitdokumente. Öffnen Sie Statuen. Vertrauen Sie insbesondere Jesus an, was Ihnen wichtig ist. Ja, normalerweise tut man das im Gebet, aber zur Not nimmt er's auch schriftlich und … ach, Sie wissen schon.

Die Original-Zettel von damals wandern nun übrigens ins Archiv. Doch eine Kopie wird wieder in Jesu Gesäß de-po-niert (Tschuldigung), in der Hoffnung, dass sie einen Tages wiedergefunden wird. Wir  haben uns eine Erinnerung geschaltet und fragen dann in 240 Jahren nochmal nach.