Mahlzeit, Luther!

Noch was Lutherisches. Diesmal zum Essen und mit Käthe. Und eigentlich ganz falsch.

Mittlerweile sehnen sich wohl doch schon so einige Marketingstrategen nach dem Ende des omnipräsenten Luther-Gedenkjahres. Wir hatten ja schon so etliche verlutherte Artikel vorgestellt, die es auf der ganzen Welt zu kaufen gibt. Lassen Sie uns heute mal in die Heimat unseres Reformators blicken: Nach Wittenberg. Dort gibt es ein angesehenes Hotel, das sich – wie könnte es anders sein? - Luther-Hotel nennt. Betrieben wird es von der Berliner Stadtmission, die die Einnahmen zur Finanzierung sozialer Projekte verwendet. Schon daraus könnte man nun natürlich einen schönen Stilvoll-Glauben-Artikel machen, aber den sparen wir uns heute und werfen einen Blick in die Restaurantküche des Hotels, respektive in die Speisekarte.

Ist doch eigentlich sonnenklar, dass ein Luther-Hotel in Wittenberg im Jahr 2017 irgend etwas mit Luther auf der Karte haben muss. Also, mal abgesehen vom sowieso selbstverständlichen Lutherbier. Nur, was aßen denn Luthers damals so? Kartoffeln waren ja beispielsweise noch gar nicht erfunden. Mit Messer und Gabel aß man übrigens im allgemeinen auch nicht. Klöße, Kartoffelbrei, Salzkartoffeln und ähnliche neumodische Speisen fallen also schon mal raus. (Wer sagt's dem Luther-Hotel? Die bieten unter dem Titel "Luthers Fraß" unter anderem Kartoffelsuppe an …)

Aber halt: Natürlich gab es die Stadt Hamburg schon! Also auch, hm, Hamburger. Ja, wir geben zu, die Herleitung ist jetzt ein wenig gewagt und entspricht wohl auch nicht ganz dem (uns unbekannten) Gedankengang des Küchenchefs, der zur Kreation eines Luther-Burgers führte. Da es aber nicht gut ist, dass der Luther-Burger allein sei, kredenzt er dazu auch noch Frau Käthe in Form von Chicken-Nuggets. Hühner gab es schließlich auch schon, damals, vor fünfhundert Jahren. Also Lutherburger und Käthe-Nuggets. Sollen recht gut schmecken. Wenn Sie mal in Wittenberg vorbeikommen, können Sie ja mal probeessen und Bescheid sagen.

Das Ganze hat jedoch einen kleinen Schönheitsfehler: Im Rest der Welt ist der "Luther-Burger" auch bekannt und hat sogar einen eigenen Eintrag in der englischen Wikipedia. Er ist nicht etwa nach unserem großen Reformator benannt, sondern nach dem Sänger Luther Vandross, der eine Burger-Variation heiß und innig liebte: Burger in einem Donut. Am liebsten noch mit Speck dabei. Eine Kombination, die angesichts der enthaltenen Fettmengen jegliche Ernährungsexperten zum Kreislaufkollaps bringt. Die Süddeutsche Zeitung titelte dazu schon im Jahre 2014: "Herzinfarkt auf dem Teller" und wies auf die knapp 2000 Kalorien einer Variante dieses Burgers hin. Nun, dass Luther einen Herzinfarkt hatte, ist uns nicht bekannt. Also dürfte er wohl auch keine Luther-Burger gegessen haben. Obwohl er ja durchaus gutes Essen und Trinken zu genießen wusste. Kalorien hat er jedenfalls nicht gezählt.

Nun aber geht von Wittenberg wieder eine Reformation aus: Der gesunde Luther-Burger! Oder jedenfalls gesünder als der andere. Der Abbildung auf der Homepage nach zu urteilen, dürfte er wohl deutlich weniger als 2000 Kalorien auf die Waage bringen. So teilt sich also in Wittenberg die Lutherburger-Gemeinde. Ach, egal. Lassen Sie es sich einfach schmecken. Guten Appetit!