Luther fliegt wieder

Was ein Storch mit Luther zu tun hat …

Anfang August letzten Jahres: Ein Storch wird neben seinem Horst am Dabruner Weinberg in der Nähe der Lutherstadt Wittenberg gefunden. Mit rätselhaften Schussverletzungen: Ein Unbekannter hatte den Weißstorch angeschossen und schwer verletzt. Doch er war standhaft und stark, und weil er – wie Martin Luther – von Menschen verfolgt wurde, bekam er eben von seiner Finderin Karin Schandert diesen Namen verpasst: Luther.

Die störchische Verletzung war wohl relativ ernst: Splitterfraktur im rechten Flügel, dazu eine gerissene Sehne. An Fliegen war fürs erste nicht zu denken. So musste Luther im Storchenhof Loburg überwintern und wurde dort fachgerecht verarztet. Die jährliche Reise nach Afrika fiel für ihn ausgerechnet im Lutherjahr aus. 

Ob Junker Storch in seiner unfreiwilligen Gefangenschaft auf der Veste Loburg die Bibel ins Störchische übersetzte, ist nicht überliefert. (Ja, wir wissen schon, das war die Wartburg.) Auch sonst verhielt er sich dem Vernehmen nach zwar gelegentlich aggressiv, aber eine Reformation des Storchwesens konnte bisher nicht festgestellt werden. 

Nun, es kann ja nicht jeder, der Luther heißt, gleich die ganze Welt umkrempeln. Wir freuen uns, dass Luther wieder fliegen kann. Anfang März wurde er wieder ausgewildert und wurde kurze Zeit später auch wieder in seinem Horst gesichtet. Wir wünschen dem Reformator einen guten Flug ohne weitere Attentate.