Bahnreform 2016

Ein Zug des Typs ICE 4 der Deutschen Bahn (DB) verlässt am 31.10.2016 den Hauptbahnhof in München.

Foto: dpa/Sven Hoppe

Ein Zug des Typs ICE 4 verlässt den Hauptbahnhof in München.

Die Deutsche Bahn setzt jetzt auf echte Reformer.

Die Deutsche Bahn, pardon, die Bahn AG – DB AG? Ach, was auch immer. Diese gefühlt verkrustetste Organisation der alten Bundesrepublik, mit unfreundlichem Personal, ständig verspäteten und sowieso veralteten Zügen und serienmäßig defekten Klimaanlagen – wollen Sie noch mehr?

Mal abgesehen davon, dass es jenseits dieser Vorurteile viele sehr zufriedene Bahnkunden gibt: Ja, eine Reform der Bahn, wie sie damals, vor langer langer Zeit war, die war wohl wirklich nötig. Ob sie in allen Punkten optimal verlaufen ist, wage ich zu bezweifeln, dennoch fahre ich sehr gerne mit dem Zug. Ja, meine Tätigkeiten, die mich immer wieder zu Konferenzen in halb Deutschland führen, wären ohne die Bahn und die Möglichkeit, auf der Fahrt in Ruhe zu arbeiten, gar nicht denkbar.

Bahnreform. Nun aber mal richtig. Wikipedia schreibt dazu:

Der Begriff Bahnreform bezeichnet die gesetzliche und organisatorische Neuordnung der bundeseigenen Eisenbahnen in Deutschland, die durch das 1994 in Kraft getretene Eisenbahnneuordnungsgesetz eingeleitet wurde. Bestandteile der Bahnreform sind die Gründung der Deutschen Bahn AG als privatrechtlich organisierte Eisenbahngesellschaft des Bundes, die Öffnung der Schienenwege für private Eisenbahnunternehmen sowie die Übertragung der Zuständigkeit für den Schienenpersonennahverkehr vom Bund auf die Länder.

Gut soweit. Hat ja auch halbwegs geklappt. Doch, wie schon Rüdiger Grube sagte: "Ferrivia est semper reformanda", die K… äh, Bahn, ist immer zu reformieren.

Dazu hat sich der Konzern nun etwas ganz Besonderes ausgedacht: Er wird lutherisch! Zumindest zu einem kleinen Teil. Einer der neuen, wunderhübschen, bequemen und windschnittigen neuen ICE 4, die im Reformationsjahr 2017 in den Buchhandel kommen, bekommt den Namen "Martin Luther".

Ob sich die Bahn da nicht ein wenig verrechnet hat? Womöglich wird es dann auf einmal Forderungen geben, auf das Beförderungsentgelt zu verzichten. Transport "sola gratia", allein aus Gnade. Genau wie der erste Martin Luther, der damals gegen den Ablass wetterte!

Ach nein, wahrscheinlich wird es nur einfach ein Zug sein, der den Namen eines berühmten Mannes der deutschen Geschichte trägt. Am 7. November soll es in Berlin soweit sein. Margot Käßmann wird auch dabei sein.

Vielleicht sollte man im Zuge dieser Namensnennung wenigstens Lutherbibeln im Zug auslegen? Das wäre doch mal eine kleine Reform.

Wir wünschen Martin Luther jedenfalls allzeit gute Fahrt und funktionierende Klimaanlagen.