Wildlife gardening, Teil 4: Igel

Insekten, Vögel, Schmetterlinge, alles da. Im Großen und Ganzen sind wir recht erfolgreich mit unserem Wildtier-Garten, muss ich sagen. Zu meinem Glück fehlt jetzt nur noch ein Heckenschwein. So heißen die Igel in England, wenn man ihren Namen hedgehog wörtlich übersetzt. Dabei sind sie gar nicht mit den Schweinen verwandt, sondern vermutlich (so ganz genau weißman es nicht) mit den Spitzmäusen. Aber die Hecke im Namen haben sie sich verdient, denn Igel halten sich gern unter Büschen und in Gärten auf.

Hoffentlich auch bald in unserem. Zugegeben, die Chancen stehen nicht so richtig gut, denn die Igelpopulation schrumpft in Großbritannien seit Jahren. Um 25 Prozent ist der Bestand in den letzten zehn Jahren zurückgegangen, wird angenommen. Schuld sind, natürlich, der Straßenverkehr, der fehlende Lebensraum (Igel brauchen ein großes Territorium, aber viele Gärten sind durch Zäune völlig abgeriegelt oder so ordentlich, dass kein Igel sich mehr darin wohlfühlt) und ein immer knapper werdendes Nahrungsangebot. Und –kein Witz –die Post.

Denn die Royal Mail hat die Angewohnheit, die auszuliefernden Briefe zu kleinen Bündeln zusammenzubinden. Verwendet werden dafür Gummibänder, die die Postboten bei der Auslieferung oft achtlos wegwerfen. Bis zu zwei Millionen Gummibänder landen so pro Tag auf den Straßen des Königreichs. Nun sind Igel zwar Kulturfolger, aber den Sinn und Zweck von Gummibändern haben sie noch nicht erfasst. Stattdessen halten sie die roten elastic bands für leckere Regenwürmer. Oder sie verheddern sich darin, können nicht mehr laufen oder strangulieren sich auf diese Weise.

Dem Postboten in unserer Straße kann jedoch kein Vorwurf gemacht werden, noch nie habe ich ein Gummiband auf dem Gehweg gefunden. Die British Hedgehog Preservation Society hat hier mit iher Kampagne zum Schutz der Igel offenbar Erfolg gehabt. Und auch einigen anderen Schwierigkeiten, denen sich ein hedgehog im Laufe seines bis zu sieben Jahre dauernden Lebens ausgesetzt sieht, kann abgeholfen werden.

Als erstes haben wir ein Durchschlupfloch in unseren mannshohen Gartenzaun gesägt, denn irgendwie muss der Stachelträger ja auch Zutritt haben, wenn er denn mal zufällig vorbeikommen sollte –freie Bahn für freie Igel, sozusagen. Futter in Form von Würmern, Raupen, Insekten und Larven ist vorhanden (nicht immer zu meinem Wohlgefallen). Ebenso vertrocknetes Laub und eine verwilderte Zone rund um den Geräteschuppen. Ich hoffe, bald ein kleines, schwarzes Würstchen im Beet zu finden oder nachts von einem Schniefen, Schnaufen und Schmatzen geweckt zu werden, denn dann weißich: der Igel ist da.

Was Sie für die Igel tun können:

  • Lebensraum schaffenZugang zum Garten und ein ausreichend großes Territorium anbieten. Wenn der Garten von Mauern oder Zäunen umschlossen ist, können die kleinen Stacheltiere nicht reinkommen. Kleine Schlupflöcher als Ein- und Ausgang zum Garten sowie zu den Nachbargärten sind deshalb die Voraussetzung für einen Igelbesuch, falls der Garten ansonsten aberiegelt ist. Vielleicht lassen sich ja die Nachbarn auf ein Loch im Zaun ein, sodass die Igel von Garten zu Garten stromern können.
  • Unterschlupf: Igel sind nachtaktiv, tagsüber ruhen sie sich gern im hohen Gras oder unter einer Hecke oder ein paar vertrockneten Blättern aus. Auch für den Winterschlaf brauchen sie ein geschütztes Plätzchen unter Laub oder einem Holzstapel. Deshalb nicht zu viel Ordnung walten lassen im Garten –Gras an einigen Stellen stehen, Laub in einigen Ecken liegen lassen. Im Laub verstecken sich auch Leckerbissen wie Kellerasseln und andere Insekten. Wenn Sie die igelfreundlichen Teile Ihres Gartens doch einmal aufräumen wollen, sollten Sie erst nachschauen, ob sich ein Stachler darunter versteckt, bevor Sie den Rasenmäher oder die Schneidemaschine zum Einsatz bringen. Im Herbst suchen Igel ein geeignetes Plätzchen für den Winterschlaf. Besonders gern kriechen sie unter einen Stapel altes Laub, Holz oder Gras. Achtung: Auch vorbereitete Stapel für ein Lagerfeuer (und die in Norddeutschland im Frühjahr abgehaltenen Osterfeuer) sind beliebte Quartiere für Igel, deshalb vor dem Anzünden immer den Stapel versetzen und so sicherstellen, dass sich kein Stachler darunter versteckt. Manche Gartencenter bieten auch fertige Igelhäuser zum Kauf an. Wer selbst eines bauen möchte, findet hier Anleitung.
  • Nahrung: Insekten, Larven und Würmer sind die Lieblingsspeisen von Igeln. Wer diesen Kreaturen ein Zuhause gibt (zum Beispiel durch einen Stapel verrotendes Holz), bietet den Igeln die beste Nahrungsgrundlage. Außerdem sind Igel behilflich bei der Bekämpfung des größten kleinen Gegners des Gärtners –den Schnecken. Wer zufüttern möchte, kann ihnen Hunde- oder Katzenfutter anbieten, Hackfleisch, ein geschlagenes Ei (ungewürzt!) oder Igelfutter aus der Zoohandlung. Kein Obst oder Milchprodukte füttern. Die Futternäpfe gegen Regen schützen (z.B. unter eine umgedrehte Kiste stellen) und täglich säubern.
  • Wasser ist ebenso lebenswichtig wie Futter, besonders in trockenen Sommern haben Igel einen hohen Bedarf an Flüssigkeit. Falls Sie einen Gartenteich haben: flachen Zugang schaffen bzw. eine "Rampe"(z.B. ein mit Draht umwickeltes Brett), über die ein Igel wieder ans Ufer klettern kann, falls er hineingefallen ist. Oder eine flache Schale aufstellen, das Wasser täglich wechseln. Keine Milch geben, sie verursacht Durchfall!
  • Kein Gift: Insektizide und Pestizide vernichten die Nahrung der Igel, deshalb: Hände weg davon. Ebenso wie von künstlichem Dünger und Schneckenkorn, denn die Insektenfresser könnten Körner und Pellets für Nahrung halten und sich so vergiften. Auch als "haustierfreundlich"gekennzeichnete Schneckenbekämpfungsmittel sind in Wirklichkeit oft schädlich für Katze, Hund und Igel.
  • Weitere Infos, zum Beispiel, wie Sie einem untergewichtigen Igel über den Winter helfen können, finden Sie bei Pro Igel und dem Verein der Igelfreunde Stuttgart