TV-Tipp: "Tatort: Ruhe sanft" (Das Erste)

TV-Tipp: "Tatort: Ruhe sanft" (Das Erste)
Die Münsteraner "Tatort"-Ermittler sind inzwischen absoluter Quotenhit. Kein Wunder. Auch in dieser Folge überzeugt die Mischung aus Krimi und Comedy.
08.01.2010
Von Tilmann P. Gangloff

 

"Tatort: Ruhe sanft", Freitag, 8. Januar, 21.45 Uhr im Ersten

Wer braucht schon Comedy, wenn es solche Filme gibt! Die erste Hälfte dieses "Tatort"-Krimis aus Münster ist mit seiner Situationskomik, den pointensicheren Dialogen, dem fast übermütigen Auftritt von Jan Josef Liefers und dem konsequent reduzierten Spiel von Axel Prahl ein Höhepunkt der Krimireihe. Fast hat man den Eindruck, die Erfinder des schrägen Duos, Stefan Cantz und Jan Hinter, hätten sich in ihrem fünften gemeinsamen Münster-Drehbuch irgendwann dazu zwingen müssen, auch noch eine Krimigeschichte zu erzählen (Regie: Manfred Stelzer).

Die verblasst prompt gegen den äußerst kurzweiligen Einstieg: Hauptkommissar Thiel (Prahl) muss zum Flughafen. Weil unterwegs das Taxi seines Vaters den Geist aufgibt, stoppt Boerne (Liefers) kurzerhand einen Leichenwagen, nicht ahnend, dass er Thiel, seine Lieblingszielscheibe für spitze Bemerkungen, in dem Bestattungsgefährt geradewegs auf dem nächsten Fall platziert. Thiel verpasst seinen Flug, und das ist auch gut so, denn kurz drauf wird der Bestatter ermordet. Verdächtiger Nummer eins ist sein Bruder (Michael Lott), ein unzuverlässiger Leichtfuß, der kurz zuvor Streit mit dem Toten hatte und außerdem ein Verhältnis mit seiner Schwägerin pflegt. Kaum ernsthaft in Verdacht geraten hingegen die jugendlichen „Gruftis“, die sich wie wandelnde Untote kostümieren und nachts auf Friedhöfen rumtreiben; außerdem ergötzen sie sich im Internet an den Bildern von Leichen, die sie im Bestattungsinstitut fotografiert haben.

Die Geschichte ist also gar nicht schlecht, doch man hätte auch nichts dagegen gehabt, dem brummigen Thiel und dem blasierten Boerne weiter dabei zuzuschauen (und vor allem zu hören), wie sich mehr oder minder subtile Bosheiten an den Kopf werfen. Sogar Thiels immer ein bisschen untergebutterte Assistentin Nadeshda (Friederike Kempter) mischt munter mit. Thiel hat in dieser Geschichte ohnehin besonders wenig zu lachen, hat sich sein Vermieter doch bei ihm einquartiert, weil er das eigene Domizil einer Kollegin überlassen hat und dem armen Kommissar nun die Ohren voll schnarcht. In seinen besten Momenten erinnert der Film daher an Neil Simons Klassiker "Ein verrücktes Paar". Klugerweise versuchen sich Liefers und Thiel nicht als Kopie von Jack Lemmon und Walther Matthau, sondern bleiben ihrem eigenen Stil treu. Das bewahrt sie nicht nur vor Übertreibung, sondern ermöglicht auch den sanften Übergang zum Krimi. Die entsprechende Routine ("Wo waren Sie…") bringt zwar einen unvermeidlichen Spannungsabfall mit sich, doch dafür nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung, als sich Boernes Untermieterin das Leben nehmen will und auf diese Weise unvermutet Licht in den Fall bringt.
 


Der Autor unserer TV-Tipps, Tilmann P. Gangloff, setzt sich seit über 20 Jahren als freiberuflicher Medienkritiker unter anderem für "epd medien" und die "Frankfurter Rundschau" mit dem Fernsehen auseinander. Gangloff (geb. 1959) ist Diplom-Journalist, Rheinländer, Vater von drei Kindern und lebt am Bodensee. Er gehört seit Beginn der 1990er Jahre regelmäßig der Jury für den Adolf-Grimme-Preis an und ist ständiges Mitglied der Jury Kinderprogramme beim Robert-Geisendörfer-Preis, dem Medienpreis der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).