Filmkritik der Woche: "Der Hobbit – Smaugs Einöde"

Der Hobbit – Smaugs Einöde

Foto: 2012 Warner Bros.

Filmkritik der Woche: "Der Hobbit – Smaugs Einöde"
In Mittelerde nichts Neues: Peter Jackson erfüllt im zweiten Teil der Hobbit-Trilogie "Der Hobbit – Smaugs Einöde" die Erwartungen – auf handwerklich hohem Niveau, aber ohne wirklich neuen Einfälle.

Wenn der Kinovorhang sich aufzieht, folgt man gerne der Einladung in ein verregnetes, mittelalterlich anmutendes Städtchen mit schlammigen Wegen und windschiefen Häusern. Der Weg eines einsamen Wanderers führt ins Innere einer schummerigen Spelunke, in der finster dreinblickende Gesellen ihn belauern. Doch dann tritt mit dem Zauberer Gandalf eine vertraute Figur hinzu und die Spannung wird gebrochen: Gandalf weiht den Zwergenkönig Thorin Eichenschild in seine Mission ein – und der Zuschauer findet sich zugleich geschickt auf den Stand gebracht, sowohl darüber, was im ersten Teil "Der Hobbit – Eine unerwartete Reise" geschah, als auch darüber, was ihn nun im zweiten Teil "Der Hobbit – Smaugs Einöde" erwartet.

Tolkiens Vorlage "Der kleine Hobbit" ist eher ein Kinderbuch und dessen Adaption ein so genanntes Prequel. Für den Zuschauer aber erscheint es als Fortsetzung zu "Der Herr der Ringe", weswegen der neuseeländische Regisseur und seine drei Buchautoren die Charaktere weiterentwickelten. Zwerge treten nun als geschäftstüchtige kleine Bürokraten in Erscheinung, und ihr Anführer Thorin Eichenschild ist längst nicht so eindimensional edel wie noch Aragorn aus dem "Herrn der Ringe". Dank dem Geheimnis, das der Held Bilbo Beutlin um den Besitz seines Rings macht, ist auch seine Figur interessanter als die des Frodo.

Diese untergründige psychologische Spannung wird in "Smaugs Einöde" leider nur bedingt genutzt. Was zweifellos daran liegt, dass die schmale Vorlage ziemlich in die Länge gezogen wurde, um eine epische Filmtrilogie mit Handlung auszustatten. Als Füllmaterial dient dabei, wie sollte es anders sein, Action.

Trotz motivischer Wiederholungen gelingt Jackson einmal mehr ein geschmackvolles Fantasy-Epos mit Ecken und Kanten, bei dem die Balance zwischen ruhigen Momenten und skurrilen Actionszenen stimmt. Höhepunkt ist eine aberwitzige Verfolgungsjagd, bei der die Helden in Weinfässern reißende Stromschnellen hinabgetrieben werden, derweil Furcht erregende Orks ihnen vom Ufer aus ans Leder wollen. Die blutrünstigen Gesellen verhalten sich dabei so tölpelhaft, dass sie seriell dahingemetzelt werden. Der elegante Elbe Legolas verschießt natürlich wieder viel mehr Pfeile als in einen Köcher hineinpassen. In solchen Szenen hat der Film die Anmutung einschlägiger Computerspiele.

3D wird sinnlich erfahrbar

In ruhigen Momenten schwelgt der Geschichte in einer geradezu verschwenderisch detailverliebten Ausstattung, an der man sich kaum satt sehen kann. Durch den gelungenen Wechsel zwischen verschlungenen Höhlenlabyrinthen und zum Teil atemberaubenden Außenaufnahmen erzeugt der Neuseeländer eine unvergleichliche Atmosphäre wie sie in keiner anderen Hollywood-Großproduktion zu finden ist. Wichtiger Bestandteil der visuellen Anmutung ist die schon im ersten Teil zum Einsatz gebrachte HFR-Technik, die bei doppelt so hoher Bildwiederholungsfrequenz visuellen Tricks mehr Schärfe verleiht. Wenn der Zuschauer sich in den Kinosessel wegducken muss, um nicht von einem abgeschlagenen Org-Kopf getroffen zu werden, dann wird 3D sinnlich erfahrbar. Als Kinderfilm kann man "Smaugs Einöde" aber wohl kaum bezeichnen.

USA/Neuseeland 2013. Regie: Peter Jackson. Buch: Fran Walsh, Philippa Boyens, Peter Jackson, Guillermo del Toro (nach einem Roman von J. R. R. Tolkien). Mit: Martin Freeman, Cate Blanchett, Ian McKellen, Benedict Cumberbatch, Evangeline Lilly, Richard Armitage, Orlando Bloom. Länge: 161 Min. FSK: ab 12 Jahre.