TV-Tipp: "Medcrimes – Nebenwirkung Mord" (RTL)

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TV-Tipp: "Medcrimes – Nebenwirkung Mord" (RTL)
TV-Tipp des Tages: "Medcrimes – Nebenwirkung Mord", 2. Mai, 20.15 Uhr auf RTL
Journalist Tommi wird auf offener Straße abgeknallt. Er überlebt schwerverletzt, kann aber aufgrund innerer Blutungen, die nicht von der Schussverletzung stammen, nicht operiert werden, und liegt nun im Koma.

Jede Serie braucht ein Alleinstellungsmerkmal, das sie von anderen unterscheidet. Bei Krimiserien ist das besonders schwierig, schließlich gibt es Hunderte. RTL versucht sich bei "Medcrimes", einer Koproduktion mit dem ORF, an einem neuen Weg, der in der Tat seinen Reiz hat: Der Pilotfilm, aus dem im Erfolgsfall eine Serie werden kann, kombiniert die Genres Krimi und Arztfilm. Auch "Dr. House" lebt ja von einer gewissen kriminalistischen Spannung: Der Reiz der Serie besteht weniger in der Heilung, sondern in der Suche nach den Ursachen einer Erkrankung.

Wettlauf mit dem Tod

Bei "Medcrime" geht es ebenfalls um Leben und Tod. Dass es sich beim ersten Patienten um den Bruder der Hauptfigur handelt, ist nur einer von gleich mehreren Spannungsverstärkern: Journalist Tommi wird auf offener Straße abgeknallt. Er überlebt schwerverletzt, kann aber aufgrund innerer Blutungen, die nicht von der Schussverletzung stammen, nicht operiert werden, und liegt nun im Koma. Fieberhaft suchen Ärztin Rita (Julia Maria Köhler) und Tommis Bruder Alex (Simon Böer), Kommissar bei der Wiener Polizei, nach dem Grund für die rätselhaften Symptome; ein Wettlauf mit dem Tod, zumal es immer wieder neue Komplikationen gibt.

Geschickt kombiniert das Drehbuch (Maja und Wolfgang Brandstetter) die Krimihandlung mit einer Romanze. Der Film beginnt mit einer Trennung: Ausgerechnet am Hochzeitstag wird Alex von seiner Frau und Kollegin Julia (Adina Vetter) vor die Tür gesetzt; sie hat die Nase voll davon, dass ihr Mann, ein verdeckter Ermittler, nur noch für die Arbeit lebt. Alex tröstet sich mit Rita, was Julia dann auch wieder nicht gefällt, obwohl sie ein Verhältnis mit Alex’ bestem Freund und Kollegen Karl (Julian Weigend) hat. Die beiden Ebenen werden immer wieder klug miteinander verknüpft und ergänzen einander recht reizvoll. Da beide Damen ausgesprochen attraktiv sind und auch darstellerisch überzeugen, ist Alex’ Hin- und Hergerissenheit gut nachzuvollziehen, zumal die beiden Frauen sehr unterschiedliche Typen sind. Julia Maria Köhler hat als sarkastische alleinstehende Ärztin zudem schön böse Dialoge.

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Selbstredend kommt auch die Action nicht zu kurz. Der Film beginnt mit einer Ballerei in einem Nachtclub, und da sich später rausstellt, dass hinter Tommis Erkrankung die serbische Mafia steckt, bleibt dies nicht die letzte Schießerei des Films. Regisseur Peter Ladkani präsentiert Wien als glitzernde Metropole und inszeniert Action wie Romantik in seinem Langfilmdebüt gleichermaßen sehenswert; Simon Böer macht auf beiden Ebenen eine gute Figur. Dass sich Alex am Ende frisch operiert ins Finale stürzt, ist allerdings völlig unglaubwürdig. Seltsam auch, dass scheinbar kein einziger Österreicher mitwirkt; der Film ist konsequent entwienert worden, die Einheimischen wurden offenbar synchronisiert. Das Potenzial für eine Serie ist dagegen unübersehbar; dann aber unbedingt mit beiden Hauptdarstellerinnen.