Käßmann: Mehr Friedensverantwortung statt Rüstung und Militär

Porträt von Margot Käßmann

Bild: dpa

Margot Käßmann (Archivbild)

Deutschland spricht 2019
Käßmann: Mehr Friedensverantwortung statt Rüstung und Militär
Die Theologin Margot Käßmann hat zu friedlichen Konfliktlösungen und zur Schaffung einer atomwaffenfreien Welt aufgerufen. "Im Zeitalter von Massenvernichtungswaffen kann niemand mehr Krieg als ein Werkzeug Gottes sehen", sagte die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Sonntag in einem ökumenischen Gottesdienst am Bundeswehr-Fliegerhorst Büchel in der Eifel. Dort demonstrierten knapp tausend Mitglieder der christlichen Friedensbewegung für ein Verbot von Atomwaffen.

Käßmann kritisierte, dass Deutschland zu einer Rüstungsexportnation aufgestiegen sei, die auch in Krisengebiete Waffen liefere. Mehr Rüstung bringe aber nicht mehr Frieden, sondern mache Krieg wahrscheinlicher. "Wenn heute von mehr internationaler Verantwortung die Rede ist, kann es doch nicht um mehr militärische Verantwortung Deutschlands gehen, sondern allein um mehr Friedensverantwortung", betonte die ehemalige hannoversche Landesbischöfin laut Redetext.

"Wir können nicht die Kriege dieser Welt beklagen, die Menschen, die aus diesen Kriegen zu uns flüchten, abweisen - und gleichzeitig verdient unsere Wirtschaft an genau diesen Kriegen", fügte Käßmann hinzu. Stattdessen müssten zivile Methoden der Konfliktbearbeitung gestärkt werden. Christen hätten den biblischen Auftrag, sich für die Überwindung von Hass und Krieg einzusetzen, unterstrich die Theologin in ihrer Predigt. Letztlich gehe es um ein Eintreten für Menschlichkeit und Menschenwürde. Die Kirchen hätten aus dem Grauen der beiden Weltkriege gelernt, dass Krieg nach Gottes Willen nicht sein solle.


Es gebe keinen gerechten Krieg, sondern nur gerechten Frieden, sagte die frühere EKD-Ratschefin. Religion dürfe sich nicht missbrauchen lassen, um Öl in das Feuer ethnischer, religiöser, nationaler oder wirtschaftlicher Konflikte zu gießen. Die Altbischöfin hob hervor, die Kundgebung in Büchel richte sich nicht gegen die Bundeswehr-Soldaten, sondern gegen eine Politik, die ihnen zumute, mit der Gefahr der im Fliegerhorst vermuteten US-Atomwaffen zu leben und sie möglicherweise einzusetzen. Niemand dürfe gedrängt werden, eine solche "entsetzliche Schuld" auf sich zu laden.

Besorgt zeigte sich Käßmann über die Aufkündigung des INF-Abrüstungsvertrags für atomare Mittelstreckenraketen durch die USA. Das habe die Welt unsicherer gemacht und die Atommächte investierten jetzt in die Modernisierung ihrer Nuklearwaffen.