Steinmeier: Deutliches Signal gegen Antisemitismus setzen

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (Archivbild).

Steinmeier: Deutliches Signal gegen Antisemitismus setzen
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Antisemitismus als einen Angriff auf die gesamte Gesellschaft bezeichnet. In seiner Rede bei der bundesweiten Eröffnung der "Woche der Brüderlichkeit" am Sonntag in Nürnberg sagte Steinmeier, es beschäme ihn zutiefst, dass Antisemitismus in Deutschland wieder "häufiger und offen seine Fratze" zeige. Er wünsche sich deshalb ein deutliches Signal: "Wer ein freiheitliches, ein lebenswertes Land will, der muss einstehen und aufstehen gegen Antisemitismus in jeder Form. Wir wollen und wir dürfen das nicht dulden in unserem Land."

Steinmeier nannte Antisemitismus auch einen Seismographen für den geistigen und moralischen Zustand einer Gesellschaft. "Je offener und unverhohlener Antisemitismus zutage tritt, umso mehr sind Respekt und Vernunft, umso mehr sind unsere demokratischen Werte ganz allgemein in Bedrängnis", sagte der Bundespräsident. 

Aus dem Motto der diesjährigen Woche der Brüderlichkeit "Mensch, wo bist du? - Gemeinsam gegen Judenfeindlichkeit" lasse sich auch die Frage nach der Zivilcourage formulieren. Der Zivilisationsbruch der Schoah sei "eine Verpflichtung und eine Verantwortung".  


Das Thema der Aktionswoche der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit ist laut Rabbiner Andreas Nachama (Berlin) aktuell wie lange nicht mehr. Das Eis sei brüchig, "das den braunen See bedeckt, der vor 80 Jahren Europa bedeckt hat", sagte er bei der Feier. 

Der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit veranstaltet die Woche der Brüderlichkeit seit 1952, jeweils im März. In vielen deutschen Städten und Kommunen gibt es Veranstaltungen zum Jahresthema.  

Zur Eröffnung, die immer in einer anderen Stadt stattfindet, wird traditionell die Buber-Rosenzweig-Medaille verliehen. Sie geht in diesem Jahr an die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (Kiga) und das Netzwerk für Demokratie und Courage (NDC). Mit der undotierten Auszeichnung ehrt der Koordinierungsrat seit 1968 Menschen, Institutionen oder Initiativen, die sich für die Verständigung zwischen Christen und Juden einsetzen. Die Medaille erinnert an die jüdischen Philosophen Martin Buber (1878-1965) und Franz Rosenzweig (1886-1929).