Missbrauchsskandal: Theologe fordert Strukturwandel in der Kirche

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Ein Priester hält einen Rosenkranz und ein Schreiben (Strafanzeige) in der Hand.

Missbrauchsskandal: Theologe fordert Strukturwandel in der Kirche
Der Moraltheologe Elmar Kos hat angesichts immer neuer Missbrauchsskandale von den deutschen Bischöfen Anstöße für einen echten Strukturwandel in der katholischen Kirche gefordert. Es sei nach jahrzehntelangen Diskussionen über die Aufhebung des Pflichtzölibats, über Weihemöglichkeiten für Frauen und die Anerkennung der Homosexualität an der Zeit, dass Schritte zur Umsetzung unternommen würden, sagte Kos dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die katholischen Bischöfe treffen sich von Montag an in Lingen zu ihrer Frühjahrsvollversammlung.

Veränderungen seien notwendig, um sexuellem Missbrauch vorzubeugen, sagte der Professor für Systematische Theologie an der Universität Vechta. Die Bischöfe sollten "ein bisschen mutiger sein und Rom konkrete Vorschläge unterbreiten", forderte er. "Die Zeit, immer nur darüber zu reden, ist vorbei." 

Als erster Schritt könnten etwa Frauen zu Diakoninnen geweiht werden. Die Initiativen einzelner Diözesen, Frauen in die Leitung von Verwaltung und Seelsorge zu berufen, sollten von allen übernommen werden. 

Die katholische Kirche müsse aufpassen, dass sie die Geduld ihrer Mitglieder nicht überstrapaziere, warnte Kos. An der Basis spüre er derzeit "eine gehörige Portion Frustration" darüber, dass sich substanziell nichts verändere. "Es ist ein Alarmsignal, dass viele von der Tagung der Bischofskonferenz schon gar nichts mehr erwarten." 

Kos plädierte dafür, das kürzlich vom Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode vorgestellte Konzept zur Aufarbeitung, Prävention und Intervention als Grundlage für ein einheitliches Konzept gegen sexuellen Missbrauch für alle Bistümer aufzugreifen. Im Kern sieht es vor, externe Fachleute und Betroffene in die verschiedenen Arbeitsbereiche mindestens paritätisch mit einzubeziehen.


Eine weitere detaillierte Aufklärung aller in der Missbrauchsstudie aufgezählten Fälle hält der Theologe für unabdingbar. "Das ist für die Prävention wichtig. Und das ist die Kirche den Opfern schuldig." Er sehe dafür bei fast allen Bistümern eine große Bereitschaft. 

Allerdings müssten die Verantwortlichen dafür alle Unterlagen wirklich zugänglich machen. Kos erklärte, er verstehe nicht, warum das nicht schon für die Studie möglich gewesen sei, sondern die Bistümer selbst die Akten hätten zusammenstellen dürfen. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung belegten aber auch so eindeutig, "dass es einige Faktoren in der Struktur der katholischen Kirche gibt, die sexuellen Missbrauch begünstigen".