Diakonie-Vorstand Lenke: Fachkräftemangel bleibt drängendes Problem

Ein Pfleger hält in einem deutschen Pflegeheim die Hand einer Senioren.

Foto: dpa, Oliver Berg

Ein Pfleger hält in einem deutschen Pflegeheim die Hand einer Senioren.

Niedersachsens Diakonie-Vorstandssprecher Hans-Joachim Lenke sieht im Fachkräftemangel in der Pflege eine anhaltende Herausforderung. "Ein großer Wurf, der das Problem löst, ist nicht in Sicht und wohl auch nicht möglich", sagte Lenke dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Hannover. Nötig seien viele einzelne Schritte. Allein in Niedersachsen werden Lenke zufolge im Jahr 2030 voraussichtlich rund 50.000 Pflegefachkräfte fehlen.

Den zusätzliche Einsatz von Robotern in der Pflege könne eine Möglichkeit sein, dem Fachkräftemangel zu begegnen. "Die Alternative wird in manchen Bereichen irgendwann nicht Roboter oder Mensch sein, sondern Roboter oder gar keine Unterstützung", sagte Lenke. Die Androiden könnten Pflegekräfte nicht ersetzen, sie aber bei manchen Tätigkeiten entlasten.

Auch Pflegerinnen und Pfleger aus dem Ausland anzuwerben, könne höchstens "ein kleiner Baustein" sein, um dem entgegenzuwirken, sagte der Diakonie-Vorstand. "Das wird unser Pflegeproblem nicht lösen." Zudem seien die Auswirkungen in den Herkunftsländern zu beachten. Die Diakonie in Niedersachsen beschäftige immer einmal wieder Pflegekräfte etwa aus Osteuropa oder dem asiatischen Raum. "Es muss über Sprachkurse hinaus gute Begleitprogramme geben, damit das gelingen kann."

Lenke hofft darauf, dass die Reform der Pflegeausbildung ab 2020 dazu beitragen kann, den Beruf attraktiver zu machen. Aus den drei bisher getrennten Ausbildungsgängen der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege wird dann eine einheitliche Ausbildung. "Aber wesentlich wichtiger ist es, Bedingungen zu schaffen, damit Menschen länger in dem Beruf bleiben", sagte der Diakonie-Leiter. Neben einer Bezahlung nach Tarif gehöre dazu, dass die Pflegekräfte mehr Zeit bekommen, um sich Menschen zuzuwenden.

Vor allem in die ambulante Pflege in den eigenen vier Wänden müsse investiert werden. "Der Bereich ist strukturell unterfinanziert", mahnte Lenke. "Was mir wirklich Angst macht, ist dass wir hier Versorgungsstrukturen vor die Wand fahren." Die niedersächsische Diakonie fordere von den Kassen eine Preiserhöhung von 3,8 Prozent für die Pflege im Haus und von 39,7 Prozent für die Anfahrtswege, damit die Kosten gedeckt seien.