Anwalt von Christin Asia Bibi hat Pakistan verlassen

Foto: Irum Asim/AP/dpa/Irum Asim

Pakistanische Christinnen beten für die wegen Blasphemie zum Tode verurteilte Christin Asia Bibi.

Anwalt von Christin Asia Bibi hat Pakistan verlassen
Aus Angst um sein Leben hat der Anwalt der freigesprochenen Christin Asia Bibi am Samstag Pakistan verlassen. Wie die pakistanische Zeitung "Dawn" berichtete, flog der 62-jährige Saif ul Mulook, der fast zehn Jahre damit zugebracht hatte, die wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilte Frau vor dem Galgen zu retten, in den frühen Morgenstunden nach Europa. "Ich muss am Leben bleiben, weil ich den Rechtsstreit für Asia Bibi weiterführen muss", zitierte ihn die Zeitung.

Freitagnacht hatten islamistische Demonstranten, die das Land drei Tage lang mit Randalen, Plünderungen und Blockaden lahm gelegt hatten, eine Einigung mit der Regierung erreicht. Die Hardliner, die den Kopf von Bibi und der verantwortlichen drei Richter forderten, setzten durch, dass Bibi trotz des Freispruchs Pakistan nicht verlassen kann. Die Regierung gab den Forderungen der Islamisten nach, eine Ausreisesperre gegen Bibi zu verhängen. 

Außerdem verpflichtete sie sich, keinen Widerstand gegen die Wiedervorlage des Falls Bibi beim Obersten Gericht zu leisten. Im Gegenzug beendeten die Demonstranten unter Führung des radikalen Predigers Khadim Hussain Rizvi ihre Proteste. Rizvis 2015 gegründete Anti-Blasphemie-Partei hatte im vergangenen Jahr mehrere Wochen lang die Hauptstadt Islamabad belagert.

Am Samstag kehrte das Land nach drei Tagen chaotischer Zustände wieder zur Normalität zurück. Die Autobahnpolizei riet dennoch vor unnötigen Reisen ab, da die Lage weiterhin "unberechenbar" sei. Die Einigung wurde weitgehend als eine Kapitulation der Regierung vor dem islamistischen Mob angesehen. 


In einem bahnbrechenden Urteil hatte das Oberste Gericht Pakistans am Mittwoch das Blasphemie-Todesurteil gegen Asia Bibi aufgehoben. Die Richter in Islamabad ordneten zudem die sofortige Freilassung Bibis an, die seit fast zehn Jahren in Haft ist. Dies kann sich nun weiter verzögern. Die fünffache Mutter war 2009 nach einem Dorfstreit um ein Glas Wasser wegen Gotteslästerung angezeigt worden. Ein Gericht verurteilte sie 2010 zum Tode.

Der Fall Asia Bibi hatte in den vergangenen Jahren immer wieder zu Spannungen und auch Gewalt geführt. Ein Jahr nach dem Todesurteil wurde der Gouverneur der Punjab-Provinz, Salman Taseer, von seinem eigenen Bodyguard umgebracht, weil er sich für die Freilassung der um die 50 Jahre alten Christin eingesetzt hatte. Bibis Familie hat erklärt, sie wollten nach der Freilassung von Bibi Pakistan so rasch wie möglich verlassen. Mehrere Länder haben der Familie Asyl angeboten.