TV-Tipp: "Kroatien-Krimi: Der Mädchenmörder von Krac"

Fernseher steht auf Tisch

Foto: Getty Images/iStockphoto/vicnt

TV-Tipp: "Kroatien-Krimi: Der Mädchenmörder von Krac"
14.3., ARD, 20.15
Der Auftakt zum fünften "Kroatien-Krimi" veranschaulicht auf ausgezeichnete Weise, wie aus einem harmlosen Benzintransporter ein Monster werden kann: Unterstützt durch die packende Thriller-Musik von Titus Vollmer inszeniert Michael Kreindl den Lkw, als wär’s ein zu eigenem Leben erwachtes tödliches Gefährt aus einem Roman von Stephen King.

Dann wechselt die Handlung zu ein paar Jugendlichen, die in einer Burgruine Abschied feiern: Bald werden sie das verhasste Dorf hinter sich lassen und nach Zagreb ziehen. Später am Abend bringt Dejan (Gustav Schmidt)  seine Freundin Eva (Caroline Hartig) mit dem Auto zum elterlichen Gasthof, setzt sie aber eine Kurve vorher ab. Auf den letzten Metern wird sie von dem düsteren Tanklaster überholt. Auf seiner Rückseite steht Zagreb, doch dieser Traum wird nie für Eva in Erfüllung gehen: Am nächsten Morgen wird ihre Leiche gefunden.

Trotz des ungewöhnlichen Beginns scheint "Der Mädchenmörder von Krac" also einen normalen Krimi zu erzählen. Interessant wird die Geschichte, weil vor einem Jahr schon einmal eine junge Frau ermordet worden ist. Die Leiche befand sich damals jedoch exakt hinter der Grenze, an der die Zuständigkeit der Polizei von Split endet. Deshalb muss sich Branka Marić (Neda Rahmanian) nun mit einem Schnösel auseinandersetzen, der ihr auf Anhieb unsympathisch ist: Der Kollege Ivan Bago (David Rott) ist ein eitler Rassist und hat keinerlei Zweifel daran, dass der damalige Mord von muslimischen Flüchtlingen begangen worden ist. Abgesehen von Alter und Geschlecht der beiden Frauen gibt es jedoch keinerlei Parallelen zwischen den beiden Todesfällen: Das erste Opfer wurde brutal vergewaltigt, das zweite liebevoll auf Moos gebettet; es hatte zwar Sex, aber der geschah einvernehmlich. Branka ist daher überzeugt, dass Evas Tod ein Unfall war und nichts mit dem ersten Mord zu tun hat; offenbar will der Täter dem Mörder auch die zweite Tat in die Schuhe schieben. Ihre Theorie wird jedoch erheblich erschüttert, als auch Evas beste Freundin Darka (Helen Woigk) stirbt und auf ähnliche Weise drapiert wird. Entweder liegt die Kommissarin komplett falsch, oder der Mörder macht sich die Methode seines Trittbrettfahrers zunutze, um ihm nun seinerseits alle Morde anzuhängen.

Autor Christoph Darnstädt und Regisseur Kreindl waren bislang für alle "Kroatien-Krimis" verantwortlich. Die Filme waren meist dann am interessantesten, wenn die faschistische Vergangenheit des Landes und der Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien eine Rolle spielten; ohne dieses Alleinstellungsmerkmal könnten sich die Geschichten auch im Rahmen der vielen anderen Auslandskrimireihen der ARD-Tochter Degeto ereignen. Diesmal konzentriert sich das Buch zwar auf die Gegenwart, doch dafür ist die Landschaft unverwechselbar; die Schauplätze erinnern lebhaft an die einst ebenfalls in Dalmatien entstandenen "Winnetou"-Filme. Weniger einzigartig sind dagegen die Nebenfiguren. Barbara Philipp und Martin Feifel müssen Evas gottesfürchtige Eltern derart als vom Leben gezeichnete, erbarmungswürdige und verhärmte Menschen verkörpern, dass die Empathie  fast ins Gegenteil umschlägt. Gerade der cholerische Vater, ein Trinker, ist eine typische Feifel-Figur. Die zornige Verbitterung des alten Tomic' bleibt zudem abstrakt, zumal die angebotene Erklärung viel zu dürftig ist.

Der von David Rott mit sichtbarem Vergnügen als breitbeiniger Chauvinist dargestellte Kollege aus dem Nachbarbezirk ist zwar genauso klischeehaft, aber in seiner Überzeichnung schon wieder amüsant; und natürlich ein höchst unterhaltsamer Gegenentwurf zur selbstbewussten Kommissarin aus Split, die schon aus der Haut fahren könnte, wenn er sie "Schätzchen" nennt. Am Ende wird sie tatsächlich handgreiflich, aber da dient der stümperhaft arbeitende Kollege wohl eher als Ventil; immerhin ist sie dem Mörder nur um Haaresbreite entkommen. Ein gelungener Kontrast zu diesen mit viel gegenseitiger Antipathie aufgeladenen Begegnungen sind die Szenen mit Brankas Kollege Emil (Lenn Kudrjawizki), denn auch der sieht sich unerwarteten Attacken ausgesetzt: Er wird heftig von Evas jüngerer Schwester angeflirtet. Sonja erzählt ihm vom bösen Wolf, der alle holt, die das Dorf verlassen wollen. Die junge Emily Kusche spielt das ganz prima und sorgt dafür, dass der Film zwischenzeitlich zur romantischen Komödie wird. Ähnlich gelungen ist Darnstädts Kollaboration mit dem Publikum, denn anders als Branka wissen die Zuschauer, dass der Zagreb-Laster, von dem Dejan berichtet, kein Hirngespinst ist, selbst wenn sich ansonsten keinerlei entsprechende Hinweise finden lassen.

Wenig zielführend ist diesmal allerdings die private Ebene. Dass nicht nur die mit einem deutschen Piloten (Andreas Guenther) liierte Branka, sondern auch ihr einheimischer Geliebter Lado (Aleksandar Jovanovic) auf zwei Hochzeiten tanzt, ist zwar ganz amüsant, aber dem Film würde nichts fehlen, wenn Darnstädt auf die entsprechenden Szenen verzichtet hätte. Selbst der Begriff "Gastrolle" wäre schon zuviel für die kurzen Auftritte von Guenther, Jovanovic und erst recht Teresa Weißbach als Lados Zweitfrau. Unverzichtbar ist dagegen die ausgezeichnete Komposition Musik von Titus Vollmer, und das nicht nur wegen des Auftakts. Zum Finale, ohnehin ein perfektes Zusammenspiel aus Tonspur, Lichtsetzung und Bildgestaltung (Stefan Spreer), greift Vollmer noch mal tief in die Thrillerkiste, aber auch in den deutlich entspannteren Szenen lohnt es sich, auf die Musik zu achten.

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