TV-Tipp: "Die Freundin meiner Mutter"

Altmodischer Fernseher steht auf Tisch

Foto: Getty Images/iStockphoto/vicnt

TV-Tipp: "Die Freundin meiner Mutter"
13.3., ARD, 20.15
Die Bezeichnung "Trauma" wäre vermutlich übertrieben, aber für eine prägende Erinnerung hat das Erlebnis in jedem Fall gesorgt: Buchhändler Jan war als Zwölfjähriger bis über beide Ohren in ein reizendes Au-pair-Mädchen verknallt und entsprechend schockiert, als er die für Marcel Proust schwärmende Französin im Bett seiner Mutter Viktoria erwischte.

Damals hat er ein Liebesideal entwickelt, das für jedes sterbliche Wesen unerreichbar ist; schon allein die Bedingung, dass eine Frau seine Liebe zu Proust teilen muss, lässt die Kandidatinnen in der Regel scheitern. Umso entzückter ist Jan (Max Riemelt), als eines Tages Rosalie (Antje Traue) in seinen Laden schneit. Sie ist schön, liebt Literatur und zitiert Proust: die perfekte Seelenverwandte; bis sich rausstellt, dass sie die neue Lebensgefährtin von Viktoria (Katja Flint) ist. Endgültig kompliziert wird die Sache, als Jans Mutter ihn bittet, Samenspender für das gemeinsame Wunschkind der beiden Frauen zu werden; er wäre Vater und Bruder in einer Person. Zunächst ist er schockiert, dann willigt er ein. Als er nicht auf Knopfdruck liefern kann, schlägt er  vor, die Befruchtung klassisch zu vollziehen, was bei Viktoria große Empörung hervorruft. Rosalie ist jedoch bereit, sich darauf einzulassen; es wäre ihr erstes Erlebnis mit einem Mann.

Das Thema wäre auch ein guter Dramenstoff, aber eine Komödie ist natürlich die reizvollere Verpackung. Vor einigen Jahren hätte der Film prima auf den Freitagstermin im "Ersten" gepasst. Das war in der Übergangsphase, als die neue Leitung der ARD-Tochter Degeto das Stammpublikum des Sendeplatzes mit vergleichweise revolutionären Geschichten konfrontiert hat. Ein Paradebeispiel ist "Vier kriegen ein Kind" (2015), eine Komödie über zwei gleichgeschlechtliche Paare mit Kinderwunsch. Mittlerweile ist Einiges von der damaligen Aufbruchsstimmung auf der Strecke geblieben. Würde die Degeto, heißt es in Autorenkreisen, diese Geschichte heute noch mal verfilmen, würden die beiden Paare am Ende über Kreuz zwei klassische heterosexuelle Beziehungen eingehen. Für "Die Freundin meiner Mutter" hieße das wohl: Rosalie erkennt nach dem Zeugungsakt mit Jan, dass sie auf dem falschen Dampfer war, und lässt ihre Vorliebe für Frauen wie eine jugendliche Verirrung hinter sich. Der Film ist jedoch im Auftrag des NDR entstanden, weshalb das Drehbuch keinen Verrat an der Figur begeht. Die Botschaft der Geschichte ist ohnehin eine ganz andere, denn nicht Rosalie, sondern Jan ist es, der einen Lernprozess durchmacht und schließlich erkennt, dass seine Schwärmerei für Proust-Verehrerinnen jahrelang den Blick fürs Wesentliche verstellt hat.

Obwohl die Konstellation alle Voraussetzungen für eine romantische Komödie erfüllt, ist der Film trotzdem nicht rundum gelungen. Die Stabangaben nennen gleich drei Autorennamen (Martin Rehbock, Kirsten Peters, Philip Voges). Das ist ohnehin kein gutes Zeichen; erfahrungsgemäß sinkt die Qualität eines Drehbuchs umgekehrt proportional zur Anzahl der Menschen, die mitreden. Einiges ist allerdings auch eine Frage der Umsetzung: Die zum Teil recht komplizierten Dialoge werden mitunter nicht glaubwürdig vorgetragen. Dass die Kapitalismuskritik von Jans Vater (Ernst Stötzner) oder die feministischen Vorträge Viktorias deklamiert klingen, ist dabei das kleinere Manko; die Tiraden sind genauso formelhaft wie im wahren Leben. Aber auch die Kneipengespräche zwischen Jan und seiner Mitbewohnerin und besten Freundin Hannah wirken einstudiert, und das ist ein Problem, denn in diesen Szenen sollte es eigentlich knistern.

Dass das nicht passiert, ist auch eine Frage der Besetzung. Regisseur Mark Monheim hat mit Jasna Fritzi Bauer sein Regiedebüt "About a Girl" (2015) gedreht, eine wunderbar gespielte Tragikomödie über das ganz normale Dasein eines Teenagers zwischen Lebensmüdigkeit und Übermut. Die Titelfigur war wie geschaffen für Bauer, die schon in ihrer ersten Hauptrolle als Mädchen mit Tourette-Syndrom ("Ein Tick anders", 2011) großartig war und seither eine ganze Reihe rotziger Rollen gespielt hat (allen voran in "Axolotl Overkill", 2017). Das schließt eine Mitwirkung in einer romantischen Komödie natürlich nicht aus, hat aber zumindest eine gewisse Gewöhnungsbedürftigkeit zur Folge, zumal sie es auch als Hannah nicht darauf anlegt, sonderlich liebenswert zu erscheinen. Erschwerend kommt hinzu, dass ihre Comedy-Auftritte, die im Wesentlichen von Jans frustrierenden Frauengeschichten handeln, nicht witzig sind, weshalb das Gejohle des weiblichen Publikums aufgesetzt wirkt; aber dieses Manko gilt für so gut wie alle Filme mit Stand-up-Comedy-Einlagen. Eine kleine Überraschung ist dagegen Antje Traue, die Rosalie nicht etwa als Vamp anlegt, sondern als leicht verhuschte schlummernde Schönheit.

Der Film ist qualitativ daher gewissermaßen eine Schnittmenge von Monheims bisherigen Fernseharbeiten: hier das gerade von den jungen Darstellern vorzüglich gespielte Jugenddrama "Alles Isy" (ARD 2018), dort zwei im Auftrag der Degeto entstandene Krimikomödien mit Jutta Speidel ("Fanny und die geheimen Väter", "Fanny und die gestohlene Frau", 2016), denen es in jeder Hinsicht an Witz, Tempo und Originalität mangelte. Auch in "Die Freundin meiner Mutter" sind einige Szenen unnötig klamottig und wirken, als seien im Zuge der Drehbuchbearbeitung immer neue Witze hinzugekommen; selbst der alte Samenspenderscherz "Schön, dass Sie gekommen sind" wird noch mal bemüht.

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