TV-Tipp: "Krauses Glück" (ARD)

13.7., ARD, 20.15 Uhr
Altmodischer Fernseher steht auf Tisch.

Foto: Getty Images/iStockphoto/vicnt

In den frühen Neunzigern hat der Autor und Regisseur Bernd Böhlich für den Potsdamer "Polizeiruf" die Figur eines freundlichen dicken Polizeihauptmeisters erfunden, der mit seinem Schäferhund im Seitenwagen seines Motorrads für Recht und Ordnung sorgt und sich nur selten aus der Ruhe bringen lässt.

Mit dem Einverständnis des Darstellers hat Böhlich dem unbeweibten und kinderlosen Dorfpolizisten den Namen Horst Krause gegeben. Dass dies die Grenzen zwischen Schauspieler und Rolle verwischt, hat den Darsteller nie gestört: "weil es im Lauf der Jahre eine große Annäherung zwischen den beiden Krauses gegeben hat", wie er mal sagte. 2007 hatte Böhlich die Idee, rund um die Figur eine eigene Geschichte zu erzählen. "Krauses Fest" war damals der Auftakt zu einer losen Reihe, in deren Verlauf der Polizist heiter-harmlose, aber immer sehenswerte Abenteuer mit seinen beiden Schwestern Elsa und Meta (Carmen-Maja Antoni, Angelika Böttiger) erlebt. Die Filme waren zwar stets komisch, hatten aber meist einen ernsten Hintergrund.

Das gilt auch für "Krauses Glück": Als die Flüchtlingsbeauftragte (Petra Kleinert) des Landkreises eine Unterkunft für eine Familie aus Syrien sucht, fällt ihre Wahl auf das Schloss, dass Krauses Freund Schlunzke (Andreas Schmidt) vor Jahren für einen symbolischen Euro erworben hat. Der ist davon wenig begeistert und kann den mittlerweile pensionierten Krause überreden, die Syrer in seinem Gasthof aufzunehmen, schließlich sei "Hotti", wie ihn seine Schwestern liebevoll nennen, doch auch mal Flüchtling gewesen, als die Familie 1945 aus Ostpreußen ins brandenburgische Schönhorst geflohen sei. Da der Polizeihauptmeister a.D. im Unterschied zu der ebenfalls von Horst Krause verkörperten Titelfigur des Films "Krüger aus Almanya" keinerlei Vorbehalte hat, stimmt er zu; Platz genug hat er ja. Bald darauf treffen also ein Großvater (Erden Alken), seine hochschwangere Tochter Djamila (Elmira Rafizade), ihr heranwachsender Sohn Achmed (Hussein Eliraqui) und zwei kleine Zwillingen ein. Sie sprechen alle kein Wort deutsch, aber irgendwie verständigt man sich schon. Elsa findet Gefallen an Opa Omar, der ein wahrer Gentleman ist, und Krause besorgt Achmed zur Freude von dessen neuer polnischen Kollegin Dana (Paulina Kowalska) einen Job als Spargelstecher. Eigentlich wäre alles wunderbar, aber leider sieht die Nachbarschaft (repräsentiert durch Stephan Grossmann) die Sache mit der Willkommenskultur etwas anders als die Krauses.

Böhlich ("Der Mond und andere Liebhaber"), für "Landschaft mit Dornen" (1992) sowie einen "Polizeiruf" aus Potsdam ("Totes Gleis", 1994) mit dem Grimme-Preis geehrt, hat "Krauses Glück" ebenso wie die anderen Filme der Reihe in einem Tempo inszeniert, das der gemütlichen Korpulenz der Hauptfigur entspricht. Entscheidender aber ist, dass die Geschichte konsequent ohne erhobenen Zeigefinger erzählt wird; die Botschaft ergibt sich aus dem Verhalten seines Helden, der keine großen Worte macht, sondern Taten sprechen lässt. Unter anderem macht er dem nicht ganz vorurteilsfreien Bürgermeister (Boris Aljinovic) klar, dass Schönhorst im Begriff ist, auszusterben; die beiden Zwillinge zum Beispiel kommen gerade recht, weil die örtliche Schule nicht genug Kinder für eine erste Klasse hat. Aber dann stellt sich raus, dass die beiden Jungs gar nicht Djamilas leibliche Kinder sind; sie sind ihr in den Wirren der Flucht irgendwie zugelaufen. Weil natürlich alles seine bürokratische Ordnung haben muss, sollen die Jungs in ein Heim; und nun kommt ausgerechnet Schlunzke wieder ins Spiel.

Die Szenen mit den kleinen Kindern haben Krause und Schmidt sichtlich Spaß gemacht; gerade der gemeinsame Badespaß im Spaßbad vermittelt eine geradezu ansteckende Lebensfreude. Die ausländerfeindlichen Momente halten sich zwar in vergleichsweise harmlosen Grenzen, sind aber deutlich genug, um die Idylle nachhaltig zu stören. Und damit die familiäre Ebene nicht zu kurz kommt, taucht irgendwann auch Meta auf, deren Glück mit dem Hallodri Rudi (Tilo Prückner) nicht ungetrübt ist. Der anfangs etwas antriebslose Krause dagegen, der sich nach seiner Pensionierung überflüssig vorkommt, blüht angesichts der vielfältigen Aufgaben regelrecht auf, und das ist die vielleicht schönste Botschaft des Films: Das Land braucht ganz viele Horst Krauses.

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