TV-Tipp: "Der Island-Krimi: Tod der Elfenfrau" (ARD)

12.7., ARD, 20.15 Uhr
Altmodischer Fernseher steht auf Tisch.

Foto: Getty Images/iStockphoto/vicnt

Während der in der letzten Woche wiederholte erste Islandfilm, "Der Tote im Westfjord", eine im Grunde ganz normale Krimigeschichte erzählte, macht schon der Titel des zweiten Teils deutlich, dass die Handlung diesmal spezifischer ist.

Natürlich ist "Tod der Elfenfrau" trotzdem kein Fantasy-Film geworden, aber die Mystery-Elemente spielen hier eine größere und auch ernstzunehmende Rolle: Die Titelfigur, eine Expertin für Trolle, Elfen und Feen und daher offizielle Elfenbeauftragte, sollte anlässlich eines Bauvorhabens im Rahmen eines Gutachtens der Frage nachgehen, ob das Bauprojekt in den Lebensraum des verborgenen Volkes eingreife. Das klingt für rational denkende Menschen zwar weit hergeholt, ist in Island aber völlig plausibel. Diese Frau, Vorsitzende des örtlichen Elfenvereins, ist erschossen worden. Im Verdacht steht ein junger Mann, der kurz zuvor ins Vereinsheim eingebrochen ist. Krimiautorin und Hobbydetektivin Solveig (Franka Potente) wird eher zufällig in den Fall verwickelt: Der ermittelnde Kommissar, Finsen (Jóhann G. Jóhannsson), ist ein Freund und lässt sich von ihr zum Tatort fahren, weil er auf der Geburtstagsfeier von Solveigs Bruder (Potentes Mann Derek Richardson) schon was getrunken hat. Natürlich schaut sich auch Solveig ein wenig um und entdeckt auf diese Weise ein zehnjähriges Mädchen, Yrsa, das offenbar die Tatwaffe in der Hand hat.

Nun beginnt ein Zwei-Personen-Stück, dass seine außerordentliche Qualität nicht zuletzt der hervorragenden Führung von Carlotta von Falkenhayn verdankt: Das Mädchen macht seine Sache fabelhaft, seine Dialoge klingen nie aufgesagt. Regisseur Till Endemann hat es geschickt vermieden, das Kind lachen oder weinen zu lassen; gespielte Emotionen wirken bei jungen Darstellern fast immer künstlich. Trotzdem muss die kleine Carlotta keineswegs bloß verschlossen dreinschauen. Dass es sich bei dem mutmaßlichen Mörder der "Elfenfrau" um Yrsas großen Bruder handelt, erklärt, warum sich das Mädchen zunächst weigert, auch nur ein Wort zu sagen. Da einzig Solveig sie zum Reden bringt, bittet Finsen sie, Yrsa mit nach Hause zu nehmen, denn der betrunkenen Mutter (Maya Bothe) möchte er das Kind nicht anvertrauen. Margrét (Hildegard Schmahl) wiederum, die leicht verwirrte Mutter von Solveig, empfängt Yrsa mit offenen Armen. Die beiden haben ebenso wie das Mordopfer einen innigen Bezug zur Welt der Elfen, was sich in diesem Fall als äußerst hilfreich erweist. Außerdem betrachtet sie Yrsa umgehend als Ersatz für Solveigs im Kindesalter verstorbene Zwillingsschwester Unnar, die auch im zweiten Film von Zeit zu Zeit auftaucht, um Solveig stumm darauf aufmerksam zu machen, dass irgendwas nicht stimmt.

Endemann hat beide "Island-Krimis" mit jeweils dem gleichen Team inszeniert, allen voran Kameramann Lars Liebold; viele Parameter gleichen sich. Trotzdem ist "Tod der Elfenfrau" gerade auch bildgestalterisch ein anderer Film: Die Aufnahmen sind nach wie vor kühl, aber die Stimmung ist nicht mehr so düster. In Teil eins stachen die bunten Elemente, die Solveig einbrachte, regelrecht hervor, diesmal sind die giftgrüne Sonnenbrille, die knallgelbe Strickmütze oder der hellblaue Nagellack einfach nur Teil der Figur. Dank der vielen Dialoge über Elfen spielen auch die mystischen Momente eine größere Rolle; vielleicht wollte die ARD-Tochter Degeto dem Publikum diese verborgene Welt, die viel zur Faszination des Films beiträgt, nicht schon im Auftaktfilm zumuten. Die Islandbilder sind dagegen nicht mehr so spektakulär. In Teil eins hatten die Ausflüge ins schroffe Hinterland maßgeblichen Anteil an der unwirtlichen Atmosphäre; nun scheint auch mal die Sonne. Aber der Himmel über Reykjavik hat Liebold erneut prachtvolle Bilder geschenkt. Dafür gibt es im zweiten Teil keinerlei romantische Ebene, sieht man davon ab, dass Solveig einen zudringlichen Verehrer abwehren muss und Finsen gern mehr als nur ein Freund wäre. Während sich der Fall, bei dessen Lösung die kluge Yrsa schneller ist als ihre große Freundin, auch diesmal wieder ganz anders entwickelt, als es zunächst scheint, verzichtet das Autorenduo Don Bohlinger und Nils-Morten Osburg diesmal auf Solveigs erklärenden Schlussmonolog und reicht die Ereignisse stattdessen in Form einer Rückblende nach.

Themen