TV-Tipp: "Die Toten vom Bodensee: Die Braut" (ZDF)

9.7., ZDF, 20.15 Uhr
Altmodischer Fernseher steht auf Tisch.

Foto: Getty Images/iStockphoto/vicnt

Die Frage, ob einer der Anwesenden etwas gegen die Hochzeit einzuwenden habe, gibt es nur im Hollywood-Film; deshalb fehlt bei hiesigen Trauungen auch die Aufforderung, jetzt zu sprechen oder für immer zu schweigen. Es hat daher eine gewisse grimmige Ironie, wenn sich Autor Timo Berndt die Sentenz für sein Drehbuch zum vierten Film aus der ZDF-Reihe "Die Toten vom Bodensee" dennoch zunutze macht.

In seiner Geschichte ist es allerdings die Braut, die für immer schweigen wird, denn jemand hat ihr das Genick gebrochen. Der Bräutigam findet sie aufgebahrt im Naturschutzgebiet, und weil sich dort regelmäßig ein Mann herumtreibt, der Jagd auf Kormorane macht, hat das deutsch-österreichische Ermittlerduo Micha Oberländer und Hannah Zeiler (Matthias Koeberlin, Nora Waldstätten) alsbald einen dankbaren Verdächtigen. Dass sich der Fall möglicherweise ganz anders verhält, ahnen alte Krimihasen, als sich rausstellt, dass die Braut einst einen Zwillingsbruder hatte, den schon als Kleinkind "der See geholt hat"; die Leiche wurde nie gefunden.

Die geschickt konstruierte Handlung ist das Eine, aber "Die Toten vom Bodensee" hat ja noch zwei weitere Trümpfe zu bieten: hier das Ermittlerduo, dort den Schauplatz. Im Fall des vierten Films (eine Wiederholung aus dem letzten Jahr) kommt noch ein weiterer hinzu: Hannu Salonen hat die Reihe von Andreas Linke übernommen, und weil der gebürtige Finne schon seit vielen Jahren am Bodensee lebt, hat der Krimispezialist, der eine Vielzahl von "Tatort"-Episoden gedreht hat, natürlich einen besonderen Bezug zur Landschaft. Er sorgt gemeinsam mit Kameramann Jo Molitoris dafür, dass die Bilder selbst bei Sonnenschein ausgesprochen kühl wirken, von düsteren See-Impressionen bei Nebel oder bewölktem Himmel ganz zu schweigen. Anders als die ARD-Vorabendserie "Wapo Bodensee" verklärt die ZDF-Reihe die Region ohnehin nicht als Urlaubsparadies.

Ähnlich reizvoll ist auch im vierten Film das Mit- und Gegeneinander der Hauptfiguren, die beide auf ihre Weise seelisch verletzt sind: Zeiler leidet unter dem Trauma des Verlusts ihrer Eltern, die einst im See ertrunken sind, weshalb sie bei bestimmten Schlüsselreizen kleine Aussetzer hat; und Oberländer ist von der Gattin (Inez Bjørg David) vor die Tür gesetzt worden, weil er sich für ihren Geschmack viel zu sehr um die Arbeit und viel zu wenig um seine Familie kümmert. Das verhilft dem Film immerhin zu einigen ungewohnt komödiantischen Momenten, weil der Kommissar nun in seinem VW-Bus nächtigt und prompt von der Polizei aufgegriffen wird. Das Ermittlerduo wirft sich wie in einer romantischen Komödie ohnehin gern mal die eine oder andere Gemeinheit an den Kopf.

Geschickt verknüpft Berndt die verschiedenen Erzählebenen zu einer runden Geschichte, die ebenso wie Zeilers Trauma weit in die Vergangenheit zurückreicht. Aber auch in der Gegenwart finden sich Verdächtige, zum Beispiel ein Paar, das sich dem Schutz der Kormorane verschrieben hat; die düstere junge Frau (Anna Bederke), wegen eines nie ganz geklärten Todesfalls zu einer Jugendstrafe verurteilt, hatte zudem ein Auge auf den Bräutigam geworfen. Dass die Wahrheit woanders zu suchen ist, zeigt nicht zuletzt die Besetzung der Brautmutter und der Eltern des Bräutigams mit Marion Mitterhammer, Sissy Höfferer und allen voran Harald Krassnitzer. Entscheidender für die Qualität des Films ist jedoch die unheilschwangere Atmosphäre, die durch die elektronische Musik von Chris Bremus (er war wie Kameramann Molitoris bislang bei allen Episoden beteiligt) maßgeblich verstärkt wird.

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