TV-Tipp: "Bis zum Horizont, dann links" (One)

6.7., One, 21.00 Uhr
Altmodischer Fernseher steht auf Tisch.

Foto: Getty Images/iStockphoto/vicnt

Weil die Wahrheit viel zu deprimierend wäre, werden Geschichten über alte Menschen gern als Komödie erzählt. Das ist auch in Ordnung, denn die triste Wirklichkeit bleibt in der Regel trotzdem sichtbar.

Einen gravierenden Nachteil hat der Ansatz allerdings: Die Herrschaften wirken stets putzmunter und im Seniorenheim entsprechend deplatziert. Kein Wunder: Dreharbeiten, erst recht für Komödien, sind enorm anstrengend; die Darsteller müssen also richtig fit sein. Dass Bernd Böhlichs Film zwischendurch die Luft ausgeht, ist also nicht die Schuld der Schauspieler, erklärt jedoch, warum ihre Darbietungen mitunter nach Laienspiel aussehen. Die Geschichte ist ohnehin überschaubar, aber immerhin originell: Als die Bewohner des Altenheims Abendstern mit einer uralten Ju 52 einen Rundflug machen, nutzt Eckehard Tiedgen (Otto Sander) die Gelegenheit und entführt das Flugzeug Richtung Mittelmeer. Die betagten Passagiere sind zunächst schockiert, finden die Idee dann aber gar nicht so schlecht.


Im mittleren Drittel, als alle im Flugzeug hocken, wird der Film zum Kammerspiel wird und hängt etwas durch, weil sich auch der Tonfall ändert: Grimme-Preisträger Böhlich, Erfinder des liebenswert skurrilen TV-Polizisten Horst Krause und geschätzt für seine oftmals schrägen Geschichten aus Brandenburg, verzichtet nun auf den erfrischenden Zynismus, mit dem die alten Leute zuvor ihrem Unmut Luft gemacht haben. Die Dialoge sind bis dahin aber die große Stärke des Films; fortan haben die Herrschaften im Grunde nicht mehr viel zu sagen. Nun rächt sich zudem, dass die Figuren keine Vorgeschichte und somit zu wenig Tiefe haben; auch der beiläufige Humor bleibt auf der Strecke. 

Als Beitrag zum Thema "Altwerden ist nicht fürs Feiglinge" ist "Bis zum Horizont, dann links" dennoch sehenswert. Außerdem hat Böhlich ein gutes Dutzend namhafter und verdienter Schauspieler versammelt, darunter Angelica Domröse, Ralf Wolter, Herbert Feuerstein und Tilo Prückner (Anna-Maria Mühe spielt die Altenpflegerin). Über siebzig sind sie alle, der einstige ostdeutsche Publikumsliebling Herbert Köfer ist sogar über neunzig. Allein der Strapazen wegen gebührt ihnen großer Respekt.

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