AfD-Politiker Münz: Wir sind mindestens so christlich wie die CDU

Der kirchenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Volker Münz.

Foto: imago/Jens Schicke

Der kirchenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Volker Münz.

Das Verhältnis zwischen Kirchen und AfD ist alles andere als gut. Der kirchenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Volker Münz, sieht unkluge Äußerungen von AfD-Politikern, aber auch "Beschimpfungen" von Kirchenvertretern. Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) reklamiert der baden-württembergische Bundestagsabgeordnete, der ehrenamtlich im evangelischen Kirchengemeinderat Uhingen sowie in der Bezirkssynode in Göppingen mitarbeitet, einen christlichen Charakter für seine Partei. Ohne einen Kurswechsel in der Flüchtlingspolitik schaffe man "Probleme, die wir nicht mehr beherrschen können".

Herr Münz, evangelische und katholische Kirchenvertreter haben sich klar gegen die AfD positioniert, insbesondere in der Flüchtlingsfrage. Erschüttert Sie das als evangelischer Christ in Ihrem Partei-Engagement?

Volker Münz: Spurlos geht das an mir nicht vorbei. Als Kirchengemeinderat und Bezirkssynodaler bin ich ja selbst in der Kirche engagiert. Als einzelne Christen sind wir natürlich zur Nächstenliebe aufgefordert, aber die Bibel gibt uns kein politisches Programm an die Hand. Es ist nur scheinbar christlich, grenzenlos flüchtende Menschen aufzunehmen, denn wir schaffen damit Probleme, die wir nicht mehr beherrschen können. Deshalb tut es mir weh, wenn man mir wegen meines Einsatzes bei der AfD das Christsein abspricht.

Bekommen Sie solche Reaktionen?

Münz: Ja, das habe ich auch schon vereinzelt in meiner Kirchengemeinde zu hören bekommen. Selbst meine Eltern in Norddeutschland haben schon Anrufe gekriegt, da wurde meine Mutter als "Nazi-Mutter" beschimpft. Und ich erlebe immer mehr eine politisierte Kirche, die sich von den biblischen Grundlagen entfernt. Warum sind denn alle anderen Nationen in der Flüchtlingsfrage restriktiver? Sind das alles Unmenschen, sind das alles Nichtchristen - oder meinen wir hier in Deutschland in einer Art nationaler Überheblichkeit, wir seien etwas Besseres?

Wie christlich ist überhaupt die AfD? Im Parteiprogramm sind die Bezüge zum christlichen Glauben - anders als etwa bei der CDU - äußerst dünn. 

Münz: Wir sind mindestens so christlich wie CDU und CSU, die das C im Namen tragen. Wir versuchen, unsere christlichen Überzeugungen mit den politischen Notwendigkeiten in Einklang zu bringen. Die AfD bekennt sich im Grundsatzprogramm eindeutig zur christlich-abendländischen Leitkultur. Das Christentum ist Basis unserer Rechtsordnung. Es sind nicht alle in der AfD Christen, genau so wenig wie in der CDU. Die "Christen in der AfD", die ich mitbegründet habe, sind aber eine bedeutende Gruppe, die das Grundsatzprogramm der Partei maßgeblich mitgeprägt hat, etwa bei den Themen Lebensschutz Ungeborener sowie Ehe und Familie. Dabei stellen wir die Verantwortungsethik vor die Gesinnungsethik, und das versuchen wir auch mit Kirchenvertretern zu diskutieren.

Passen Tweets wie Beatrix von Storchs jüngste Auslassungen über "barbarische, muslimische, gruppenvergewaltigende Männerhorden" zu einer christlichen Partei?

Münz: Also, ich hätte das so nicht getweetet. Ich bin ja selbst nicht für scharfe Äußerungen bekannt und finde, wir sollten uns da zügeln. Aber die Frage, ob eine offizielle deutsche Stelle wie die Kölner Polizei sich nun auch auf Arabisch an die Öffentlichkeit wenden muss, halte ich für berechtigt. Wir müssen diese Themen angehen. Die sogenannten Einzelfälle krimineller Handlungen von Flüchtlingen häufen sich. Da muss man doch mal fragen: Wie hängt das alles zusammen? Da hört man leider auch aus dem kirchlichen Bereich vielfach nur Beschwichtigungen. Ich wundere mich auch, dass Frauenrechtlerinnen gegenüber dem Islam so tolerant sind. Meinungsfreiheit und Rechte der Frau kommen doch als erstes unter die Räder, wenn islamische Gruppen an Einfluss gewinnen.

Beim AfD-Parteitag in Köln wurde im vergangenen April zum Kirchenaustritt aufgerufen. Warum sollten da die Kirchen auf die AfD zugehen?

Münz: Das war unklug, aber erinnern Sie sich bitte an die Vorgeschichte: Kirchenvertreter demonstrierten vor dem Parteitag mit dem Spruch "Unser Kreuz hat keine Haken". Wenn man sich von Kirchenleuten als Nazi beschimpfen lassen muss, dann kann ich verstehen, dass manche unserer Leute mit solchen Kirchenvertretern nichts am Hut haben möchten. Christlicher Glaube und Amtskirche sind eben nicht deckungsgleich.

Nach der Bundestagwahl 2017 ist die Vorsitzende der "Christen in der AfD", Anette Schultner, aus der Partei ausgetreten. Es gebe durch den wachsenden Einfluss des Björn-Höcke-Flügels keine Chance mehr, die AfD zu einer bürgerlich-konservativen Volkspartei zu machen, sagte sie. Haben Sie auch schon mal an Austritt gedacht?

Münz: Nein. Ich sehe die AfD als letzte Chance für unser Land. Björn Höcke hat sich nach seiner umstrittenen Rede von Dresden fast nicht mehr zu Wort gemeldet, er hat seinen Fehler eingesehen. Beim jüngsten Bundesparteitag hat er einige Niederlagen einstecken müssen. Der neue Parteivorstand ist sehr gemäßigt, da hat sich kein "Rechtsaußen-Flügel" durchgesetzt. Deshalb bin ich von Anette Schultner enttäuscht. Ich sehe einen Zusammenhang mit ihrer letzten Tätigkeit bei Marcus Pretzell im Düsseldorfer Landtag, der ja auch die AfD verlassen hat. Sie steht in einem Abhängigkeitsverhältnis und ist nun mit Herrn Pretzell aus der Partei gegangen.

Wäre die "Blaue Partei" der Ex-AfD-Vorsitzenden Frauke Petry eine Alternative für Sie?

Münz: Das halte ich für einen Rohrkrepierer. Als Bernd Lucke die AfD verließ, konnte er noch rund 4.000 Mitglieder mitnehmen. Frau Petry hat nur wenige hundert Mitglieder für ihr neues Projekt gewonnen. Hier in meinem Kreisverband gab es weder einen Austritt noch eine Äußerung, wir sollten diesem Weg folgen.

Sie sind evangelischer Kirchengemeinderat und Bezirkssynodaler - auch von Ihrem Ortspfarrer und dem Dekan hört man eine deutliche Distanzierung von Ihrer politischen Arbeit. Werden Sie die kirchlichen Ämter vorzeitig aufgeben?

Münz: Nein. Ich bin in diese Ämter gewählt worden und werde sie ausführen. Kurz vor der letzten Kirchenwahl 2013 hatte ich für die AfD für den Bundestag kandidiert - die Leute wussten also, wen sie in ihren Kirchengemeinderat wählen. Und der Kirchengemeinderat hatte dann das Vertrauen, mich in die Bezirkssynode zu entsenden. Ich bekomme in der Kirchengemeinde auch viele positive Reaktionen. Leute sprechen mich nach dem Gottesdienst an und sagen mir, ich solle in meiner politischen und kirchlichen Arbeit "standhaft" bleiben.