Marlehn Thieme ist neue Vorsitzende des ZDF-Fernsehrats

Marlehn Thieme

Foto: Norbert Neetz

Marlehn Thieme

Marlehn Thieme ist neue Vorsitzende des ZDF-Fernsehrats
Der ZDF-Fernsehrat hat Marlehn Thieme zu seiner neuen Vorsitzenden gewählt. Sie ist Vertreterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in dem Gremium.
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Marlehn Thieme erhielt am Freitag in geheimer Wahl 36 der 50 abgegebenen Stimmen. Fünf Mitglieder des Aufsichtsgremiums stimmten mit Nein, außerdem gab es neun Enthaltungen. Dem Fernsehrat gehört die 59-Jährige als Vertreterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an. Das EKD-Ratsmitglied wird Nachfolgerin des früheren CDU-Bundestagsabgeordneten Ruprecht Polenz, der dem Fernsehrat künftig nicht mehr angehört. Die frühere Deutsche-Bank-Direktorin hatte keinen Gegenkandidaten.

Aufgaben "anspruchsvoller denn je"

In ihrer Vorstellungsrede sagte Thieme, die Aufgaben des Aufsichtsgremiums seien "anspruchsvoller denn je". Sie wolle daran mitwirken, das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu stärken: "Vertrauen entsteht, wo Fehler nicht verschwiegen werden", erklärte sie. Das ZDF sei in dieser Hinsicht bereits heute beispielgebend.

Zu Thiemes Stellvertretern wählten die Mitglieder Wilhelm Schmidt vom Präsidium der Deutschen Arbeiterwohlfahrt, den stellvertretenden Hauptgeschäftsführer des Industrie- und Handelskammertages, Achim Dercks, sowie die Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe, Cornelia Füllkrug-Weitzel.

"Kleiner, weiblicher und vielfältiger"

Auf einer Pressekonferenz im Anschluss an ihre Wahl sagte Thieme, der zur Hälfte mit neuen Mitgliedern zusammengesetzte Fernsehrat werde eine gewisse Zeit benötigen, um als "Mannschaft" zusammenzuwachsen. "Wir sind kleiner, weiblicher und vielfältiger geworden", sagte die neue Vorsitzende, die dem Fernsehrat seit zwölf Jahren angehört.

Im Mainzer ZDF-Sendezentrum tagte der von 77 auf 60 Mitglieder verkleinerte Fernsehrat erstmals in seiner neuen Zusammensetzung. Das Aufsichtsgremium musste reformiert werden, weil das Bundesverfassungsgericht im März 2014 gefordert hatte, die Quote der Staatsvertreter auf maximal ein Drittel zu reduzieren. Thieme sagte, die Praxis der beiden parteipolitisch gefärbten Freundeskreise werde auch im neuen Fernsehrat fortgeführt. Die informellen Treffen verteidigte sie als Mittel, um den Ablauf der Sitzungen effizienter zu gestalten. Weder handele es sich dabei um "Schattenausschüsse", noch sei die Unabhängigkeit der Mitglieder durch ihre Zugehörigkeit im CDU- oder SPD-nahen Freundeskreis eingeschränkt.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, gartulierte Marlehn Thieme zu ihrer Wahl: "Ich bin davon überzeugt, dass Marlehn Thieme ihre langjährige Leitungskompetenz und Gremienerfahrung, die sie in der Deutschen Bank, als Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung, als Mitglied des Rates der EKD sowie des ZDF-Fernsehrates gewonnen hat, selbstbewusst einbringen wird", sagte Bedford-Strohm. "Ihre Urteilssicherheit und ihre Gabe, in langfristigen Perspektiven zu denken, schätze ich sehr." Mit Thiemes Wahl zur Fernsehratsvorsitzenden werde zudem die Intention des Bundesverfassungsgerichtsurteils gestärkt, in den Gremien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks eine größere Staatsferne abzubilden.

Marlehn Thieme gehört dem ZDF-Fernsehrat seit 2004 an. Seit 2003 ist die Juristin Mitglied des Rates der EKD und bekleidet zahlreiche Ehrenämter.
Die gebürtige Lübeckerin arbeitete nach ihrem Zweiten Juristischen Staatsexamen von 1986 bis 2013 bei der Deutschen Bank, zuletzt als Direktorin für "Corporate Citizenship". Als Mitarbeitervertreterin saß sie ab 2008 im Aufsichtsrat der Bank. Zu Thiemes zahlreichen Ehrenämtern gehört seit 2012 der Vorsitz im Rat für Nachhaltige Entwicklung, dem sie seit 2004 angehört und der die Bundesregierung berät. In der renommierten Alfred Toepfer Stiftung ist sie stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsrates.

Engagement in der Kirche

Kirchlich engagiert sich das EKD-Ratsmitglied unter anderem als Vorsitzende des Vereins für das Reformationsjubiläum 2017. Seit 2014 gehört sie dem Aufsichtsrat der Bank für Kirche und Diakonie an, dem sie seit 2015 vorsitzt. Im Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer arbeitet sie im Vorstand mit, im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik im Aufsichtsrat.

Thieme studierte nach dem Abitur am Katharineum zu Lübeck Rechts- und Sozialwissenschaften in Freiburg und Bonn. Ihr Referendariat verbrachte sie am Oberlandesgericht Hamburg. Sie lebt in Bad Soden am Taunus. Thieme ist verheiratet mit einem Rechtsanwalt, das Paar hat zwei Töchter.

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