Masernausbruch: Koalitionspolitiker erwägen Impfpflicht

Masernausbruch: Koalitionspolitiker erwägen Impfpflicht
Nach dem schweren Masernausbruch in Berlin mit bisher rund 450 Fällen erwägen Koalitionspolitiker die Einführung einer gesetzlichen Impfpflicht.

"Wenn wir es nicht schaffen, mit verstärkter Aufklärung und Beratung die Impfraten bald zu steigern, sollten wir über eine Impfpflicht in Kindergärten und Schulen nachdenken", sagte der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn der "Welt am Sonntag".


Spahn warnte vor Panikmache durch Impfverweigerer, die eine Impfung für gefährlicher halten als eine natürliche Maserninfektion. Dass Masern von vielen Eltern und Ärzten immer noch als sogenannte Kinderkrankheit abgetan würden, erwecke den falschen Eindruck, die hoch ansteckende Krankheit wäre harmlos. Impfverweigerer handelten egoistisch, weil sie sich darauf verließen, dass die anderen zur Impfung gingen und dann schon nichts passieren werde, erklärte Spahn.

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Karl Lauterbach forderte eine konzertierte Aktion von Gesundheitspolitikern aller Parteien und von den Ärzteverbänden, "um eine große Impfwelle in Gang zu setzen". Nötig sei in den nächsten Wochen ein breit angelegter Kraftakt zur Steigerung der Impfbereitschaft. "Wenn das nicht gelingt, muss eine Impfpflicht für Kleinkinder der nächste Schritt sein." Es sei unverantwortlich, wenn Mediziner vor der Impfung warnten oder nicht eindeutig zur Impfung rieten.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) griff die Impfgegner scharf an und kritisierte die "irrationale Angstmacherei mancher Impfgegner" als verantwortungslos. Die Impflücken in Deutschland seien immer noch zu groß. Mit dem geplanten Präventionsgesetz werde zudem künftig festgeschrieben, dass bei der Aufnahme in die Kita ein Nachweis über eine ärztliche Impfberatung von den Eltern vorgelegt werden müsse. "Denn gerade in Gemeinschaftseinrichtungen wie der Kita ist das Ansteckungsrisiko hoch."

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