Neue Reform: Prostituierte erschüttert über Meldepflicht

Neue Reform: Prostituierte erschüttert über Meldepflicht
Nach der Einigung der Bundesregierung auf die ersten Punkte für das neue Prostitutionsgesetz zeigt sich der Bundesverband erotische und sexuelle Dienstleistungen unzufrieden.
15.08.2014
epd
Jana Hofmann

"Was uns sehr erschüttert, ist, dass die Koalition eine Meldepflicht für Prostituierte beschlossen hat", sagte die politische Sprecherin des Bundesverbands erotische und sexuelle Dienstleistungen, Johanna Weber, dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Freitag in Berlin. Das sei ein großer Fehler.

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Bei einem Treffen am Donnerstag waren sich Vertreter der großen Koalition über erste Punkte zur geplanten Änderung des Prostitutionsgesetzes einig geworden, darunter auch die Anmeldepflicht. Diese Pflicht wirke nicht gegen Zwangsprostitution, die auch angemeldet bestehen bleibe, kritisierte Weber. Nicht registrieren würden sich vielmehr alleinerziehende Mütter oder Studentinnen, da Prostitution noch nicht gesellschaftlich akzeptiert sei. "Solange muss es möglich sein, dass die Frau sich schützt. Leider ist dieses Doppelleben noch nötig", sagte Weber, die seit sechs Jahren hauptberuflich als Prostituierte arbeitet.

Die Koalition einigte sich außerdem auf klare Regelungen für Bordelle, was Weber prinzipiell gutheißt. "Auch wir hätten gerne Arbeitsstandards in der Branche, damit die Frauen gute Arbeitsplätze haben", sagte sie. "Wir befürchten aber, dass mit wenig Sachverstand völlig an unserer Branche vorbeigedacht wird." Für die Ausarbeitung der Regulierungen forderte sie deshalb eine Arbeitsgruppe aus allen Bundestagsparteien, Juristen, Bordellbetreibern und ihrem Verband.

Die künftig verbotenen Gruppensex-Partys nannte Weber eine Randerscheinung. "Das sind ganz spezielle Frauen, die das machen. Und die stehen darauf", sagte sie. Wahrscheinlich führten sie die "Gang-Bang-Partys" unter anderem Namen weiter. Beim Verbot des Flatrate-Sex warnte Weber vor voreiligen Schlüssen. "Wir haben da ein riesengroßes Kopfkino, weil wir uns nicht vorstellen können, was da abläuft. Aber bevor man Leute rettet, sollte man sie fragen, was sie brauchen", sagte Weber. Viele der Prostituierten wohnten im Bordell, weil niemand an sie vermiete - sie bräuchten Wohnungen. Nach Webers Einschätzung werden Flatrate-Bordelle ihr Konzept minimal ändern - dass etwa nur noch das Essen frei ist. "Ich vermute, dass sich die Verdienstlage der Frauen verschlechtern wird", sagte sie.

Die Koalition ist weiter uneins bei der von der Union geforderten Kondompflicht und Anhebung des Mindestalters für Prostituierte auf 21 Jahre. Auch bei den Strafen für Kunden von Zwangsprostituierten und verpflichtenden Gesundheitsuntersuchungen für Prostituierte steht ein Kompromiss noch aus.