Entlassungen an Odenwaldschule gefährden Reformkonzept

Entlassungen an Odenwaldschule gefährden Reformkonzept
Schulleiter, Internatsleiter und Geschäftsführer der Odenwaldschule müssen gehen. Das gefährdet die geplanten Reformen, die ein Teil der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle an dem Internat sein sollten.

Die Odenwaldschule hat die Entlassung dreier Leitungspersonen bekanntgegeben. Die Behörden bangen nun um die Umsetzung des Reformkonzepts für die Schule, die wegen Missbrauchsfällen aus der Vergangenheit und mangelnder Aufklärung in der Kritik steht. Das Reformkonzept werde nach der Aufforderung durch die Aufsichtsbehörden nächste Woche mit Schulvertretern besprochen, sagte der Kreisbeigeordnete des Kreises Bergstraße, Matthias Schimpf (Grüne), am Mittwoch in Heppenheim dem Evangelischen Pressedienst (epd). Da die Hauptverfasserin des Reformkonzepts, die Internatsleiterin Juliana Volkmar, entlassen werden solle, sei die Gültigkeit des Konzepts fraglich.

Auch der Vorsitzende des hessischen Landesjugendhilfeausschusses, Marek Körner, betonte die Zwiespältigkeit der Entscheidung des Trägervereins der Odenwaldschule. Ob der Beschluss einen Bruch mit der von Missbrauchsfällen belasteten Vergangenheit und damit einen Fortschritt oder umgekehrt einen Rückgriff auf alte Konzepte und damit einen Rückschritt bedeute, sei noch unklar, sagte er dem epd. Das hessische Sozialministerium kündigte an zu prüfen, welche Auswirkungen der Beschluss auf die Neuausrichtung des Internats haben wird und inwieweit der Trägerverein zuverlässig den Betrieb des Internats sicherstellen kann.

Die Odenwaldschule hatte am Dienstagabend mitgeteilt, dass sie sich rechtlich umorganisieren und nicht nur den Schulleiter Siegfried Däschler-Seiler entlassen will, wie schon Mitte Juni angekündigt, sondern auch die Internatsleiterin Juliana Volkmar und den Geschäftsführer Meto Salijevic. Däschler-Seiler und Volkmar waren erst zu Beginn des zu Ende gehenden Schuljahrs neu an die Odenwaldschule gekommen, Salijevic ist schon seit 14 Jahren Geschäftsführer.

Personelle Trennung von Schule und Betrieb gefordert

Die Jugendhilfe erwartet nach den Worten des Kreisbeigeordneten Schimpf die strikte personelle Trennung von Schule und Internatsbetrieb, also die Aufgabe des Familienkonzeptes mit einer Lehrkraft als Familienoberhaupt, eine klare Zuordnung der Verantwortung, ein Präventions- und Interventionskonzept gegen Grenzverletzungen, die Öffnung zur Gesellschaft und eine wirtschaftliche Tragfähigkeit des neuen Konzepts.

An der Odenwaldschule waren zwischen 1965 und 1998 mindestens 115 Jungen und 17 Mädchen von Lehrern und Mitschülern sexuell missbraucht worden. Die Verbrechen wurden erst im Frühjahr 2010 nachhaltig aufgedeckt. Das Internat versprach Veränderungen, um Übergriffe künftig zu verhindern. Im Mai kritisierte das hessische Sozialministerium die Schule, in zwei aktuellen Verdachtsfällen der Meldepflicht nicht rechtzeitig nachgekommen zu sein, und kündigte eine Überprüfung der Betriebserlaubnis an.

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