Weihnachtessen von Karpfen bis Kartoffelsalat

Weihnachtessen von Karpfen bis Kartoffelsalat
Knusprige Gans, ein Weihnachtskarpfen oder Würstchen mit Kartoffelsalat: Gutes Essen gehört zu Weihnachten so wie der Weihnachtsbaum. Manche kulinarische Tradition geht zurück bis ins Mittelalter.

Fast jede Familie hat Weihnachten ihre eigenen Traditionen, wie man den 24. Dezember tagsüber verbringt, ob noch hektisch die letzten Geschenke gekauft werden oder die Zeit für einen besinnlichen Weihnachtsspaziergang genutzt wird. Auch die Bescherung findet in den meisten Wohnzimmern sehr unterschiedlich statt. Beim Festessen gibt es aber gar nicht so viele verschiedene Varianten. Fragt man nach, wiederholen sich die aufgezählten Weihnachtsgerichte.

An Weihnachten kommen in Deutschland vor allem der Weihnachtskarpfen, die Weihnachtsgans, Würstchen mit Kartoffelsalat und Fondue auf den Tisch. In manchen Regionen und Familien gibt es an Heiligabend nur ein kleines, einfaches Gericht. Das traditionelle Weihnachtsessen gibt es dann erst am ersten oder zweiten Weihnachtsfeiertag. Je nach Tradition oder Region.

Vom christlichen Fischsymbol zum Weihnachtskarpfen

Das Symbol des Fisches spielte bereits im Urchristentum eine herausragende Rolle. Das griechische Wort für Fisch – ichthys – beinhaltet in seinen Anfangsbuchstaben die Formel: Jesus, Christus, Gottes Sohn, Erlöser und enthält so ein kurz gefasstes Glaubensbekenntnis.

Das I-Ch-Th-Y-S- Symbol besteht aus zwei gekrümmten Linien, die einen Fisch darstellen. Dieses Zeichen war unauffälliges Erkennungs- und Geheimzeichen der Urchristen an Türen und Häusern. Der Weihnachtskarpfen ist vor allem wegen seiner christlichen Bedeutung zu einer Weihnachtstradition geworden. Als Symbol für Wasser, Erneuerung, Leben und Fruchtbarkeit war kaum ein anderes Tier besser für die Zeremonie des Weihnachtsfests geeignet. Vor allem in wohlhabenden Familien etablierte sich der Karpfen schnell als typisches Weihnachtsgericht.

Ein weiterer Grund ist der christliche Brauch, den Advent als Fastenzeit zu begehen. Um den Heiligabend gebührend zu feiern sollte ein besonderes Gericht auf den Tisch kommen, aber eben kein Fleisch. Vor allem im südlichen Raum Deutschlands gehört der Karpfen zu Weihnachten traditionell dazu. Für die klassische Zubereitung des Weihnachtskarpfens wird der Fisch in Stücke geschnitten, paniert und in Fett gebraten. Dazu gibt es Kartoffelsalat, Gurkensalat und Kartoffeln.

Erstmalig erwähnt wurde der spezielle Weihnachtskarpfen im Mittelalter, als Mönche und Nonnen diese Fischart gezielt einführten, um ihre Ernährung während der Fastenzeit abwechslungsreicher zu gestalten. Einzelne Klöster und Adelige besaßen zum Teil sehr weitläufige Teichwirtschaften, in denen diese Fische für die Fastenzeit herangezogen wurden. Die Spuren dieser Teichanlagen prägen bis heute Teile der europäischen Landschaft und sind Indiz für die Bedeutung von Süßwasserfischen in der mittelalterlichen Ernährung. So finden sich beispielsweise in der Umgebung des Klosters Maulbronn noch die Spuren von rund einem Dutzend großer Fischteiche. Die 400 Quadratkilometer an Teichanlagen rund um das böhmische Trebon, deren Anlage im Mittelalter begann, dienen bis heute der Karpfenzucht.

Karpfen. Foto: iStockphoto/Teresa Kasprzycka

Franken ist eine Hochburg des Karpfens. Die "Aischgründer Karpfen" sind eine bekannte Spezialität der Gegend. Hier wird der Karpfen einschließlich Kopf und Flossen längs in zwei Hälften gespalten, in Mehl gewendet und in schwimmendem Fett gebacken ("Karpfen fränkisch"). Dabei sind sogar die Flossen knusprig essbar. In Schleswig-Holstein und der Lausitz ist gekochter Karpfen ("Karpfen blau") ein beliebtes Gericht zu Silvester.

Um den Karpfen ranken sich einige Legenden. Eine Schuppe des Weihnachts- oder Neujahrkarpfens im Geldbeutel zu haben ist ein alter Brauch, der Glück und Geldsegen für das kommende Jahr verheißt. Im Mittelalter wurde der Karpfen (wie auch der Hecht) besonders religiös hervorgehoben und deshalb zu Weihnachten gerne verzehrt. Im Kopf des Fisches sollen sich nach damaliger Vorstellung die Marterwerkzeuge Christi befinden und aus den Kopfknochen soll sich eine taubenähnliche Vogelgestalt zusammensetzen lassen, die an den Heiligen Geist erinnern und gegen Hexen schützen soll.

Ein weiterer Glaube war, dass es über den Augen des Karpfens ein mondförmiges Steinchen gebe und wer es zu Weihnachten fand, dem bringe es Glück. Eine alte schlesische Sitte ist teilweise heute noch, dass man am Morgen nach dem weihnachtlichen Karpfenessen die übriggebliebenen Fischgräten in seinem Garten an die Obstbäume legt, um deren Gedeihen im Frühjahr zu fördern. Erst spät wurden diese Regeln in vielen Familien gebrochen und die Weihnachtsgans löste den Karpfen ab.

Von der Martinsgans zur Weihnachtsgans

In vorchristlicher Zeit symbolisierte die Gans den Segen der Erdgöttin, sie war jedoch keine Festtagsspeise. An den Wintersonnwendfeiern aßen die Germanen wohl eher ein gebratenes Schwein.

Die Weihnachtsgans wird überwiegend am ersten Weihnachtsfeiertag verzehrt. Die Zubereitung ist jedoch sehr aufwendig. Vor dem Braten wird die Gans mit Zwiebeln, Äpfeln und Maronen befüllt und mit Majoran oder Beifuß gewürzt. Als Beilage gibt es dazu ganz traditionell Klöße und Rotkohl.

Gänsekeule. Foto: fotolia/Dalmatin o.

Der Gänsebraten wurde ursprünglich nur an zwei Tagen des Jahres zubereitet: am 11. November, dem Martinstag, und am 29. September, zur Feier des Erzengels Michael. Mit Weihnachten hatte der Gänsebraten lange Zeit nichts zu tun. Wegen der Fastenzeit war schon lange vor dem Gänsebraten der Schweinbraten (Mettensau oder Mettenmahl) das traditionelle Festmahl für den Tag nach der Fastenzeit.

Mit zwölf Äpfeln dekoriert, die die Apostel repräsentierten, sollte der Schweinebraten, am 25. Dezember, die bösen Geister vertreiben. Die Krönung für den Festbraten waren die Gewürze. Mit drei mal drei Gewürzen, die nach Geschmack ausgewählt wurden, wurde das Fleisch in Gedenken an die Dreifaltigkeit gewürzt. Mit der Hilfe der Apostel und des Heiligen Geistes sollte das Fest ein neues Jahr ohne Hunger und Krankheiten einläuten.

Warum das traditionelle Weihnachtsgericht unserer Vorfahren gerade das Schwein war, darüber gehen die Meinungen auseinander. Die einen meinen ganz pragmatisch: um diese Zeit waren die Schweine eben schlachtreif und ein ordentliches Schwein gab genug her, um satt über die Weihnachtszeit zu kommen.
Die anderen führen es darauf zurück, dass Eber und Sau heilige Opfertiere waren. Fest steht, dass der weihnachtliche Schweinebraten über Jahrhunderte der Inbegriff des festlichen Mahles und des Schmausens zur Weihnachtszeit war. Nicht fehlen durften die Klöße, auch Fisch war üblich, Salate aus Pflanzen, denen man Heilkräfte zuschrieb, Salz und Brot halfen, den Tod abzuhalten, Äpfel symbolisierten Gesundheit, Bohnen und Linsen Wohlstand.

Darüber, wie die Gans zur Weihnachtstradition wurde, gibt es nur Legenden. Eine erzählt von Queen Elisabeth I. als Begründerin dieses Brauchs. Sie saß am Heiligen Abend 1588 gerade bei Tisch, um den für sie zubereiteten Gänsebraten zu essen, als sie die Nachricht erreichte, dass ihre Truppen die spanische Armada bezwungen hatten. Aus lauter Freude darüber ernannte sie kurzum die Gans zum neuen Weihnachtsessen. Mittlerweile ist das klassische Weihnachtsessen in Großbritannien aber der Truthahn, der die Weihnachtsgans schon seit langem abgelöst hat.

Einer anderen Legende zufolge haben einflussreiche Adlige bestimmt, dass der Weihnachtskarpfen, der sonst zu Heiligabend gegessen wurde, durch Enten oder Gänse ersetzt wurde, da diese Wasservögel quasi Fische seien. Da Fische in der Fastenzeit zu den erlaubten Speisen gehörten, wurde im Mittelalter der Begriff Fisch sehr großzügig ausgelegt.

Weniger traditionell, aber genauso festlich: Das Fondue

Im Winter hat das Käsefondue Hochsaison. Es ist nicht nur beliebt, weil es hervorragend schmeckt, sondern auch, weil es sich so gut zum gemütlichen Beisammensein mit Freunden oder Familie eignet. Es hat etwas Anheimelndes an sich.

Käsefondue. Foto: Photocase/boing

Beim Käsefondue wird geschmolzener Käse zusammen mit Weißwein, Obstler, Knoblauch und Pfeffer in einem Keramiktopf erhitzt. Mit einer langen Gabel und einem Stück Kartoffel oder Weißbrot darauf nimmt man dann den Käse aus dem Topf auf. Eine Abwandlung, und eher für den Nachtisch geeignet, ist das Schokoladenfondue. Hierbei wird Schokolade in einem Topf zum Schmelzen gebracht. Mit einer Gabel werden dann Früchte aufgespießt und mit Schokolade überzogen.

Das Käsefondue wurde vermutlich irgendwo in den Alpen von Hirten und Bergbauern erfunden. Ob dies in der Schweiz oder in Frankreich geschah, da scheiden sich die Geister. Die Bauern mussten auf die Lebensmittel zurückgreifen, die sie hatten und das waren unter anderem die Milch von ihren Ziegen, aus der dann Käse hergestellt wurde, und Weißbrot. So köchelten dann bereits vor Jahrhunderten feine Käsefondues über den offenen Feuern der urigen Berghütten. Jedoch erst Mitte der fünfziger Jahre wurde das Fondue zum Trend, der sich bis heute hält.

Natürlich gibt es noch zahlreiche weitere Varianten, wie das Käsefondue entstanden sein könnte: Eine der Mythen besagt, dass Mönche im Mittelalter das Fondue entwickelt haben, um so das Fastengebot zu umgehen. Außer Brot war damals keine feste Nahrung erlaubt, so dass sich mit dem geschmolzenen Käse das Gebot gut umgehen ließ. Eine andere datiert die Entstehung auf den Schweizer Kappelerkrieg zurück, wo nach dem Friedensschluss die gegnerischen Heere angeblich gemeinsam das Fondue verzehrt haben.

Der Klassiker an Heiligabend: Würstchen mit Kartoffelsalat

Der Klassiker an Heiligabend aber ist und bleibt für viele Menschen Würstchen mit Kartoffelsalat. Dieses Gericht ist bis heute in Deutschland als Weihnachtsessen weit verbreitet. Vor allem aus praktischen Gründen, glauben viele, habe sich dieses Gericht etabliert. Tatsächlich ist der Brauch, Würstchen zu Weihnachten zu servieren genauso alt wie der des Schweine- oder Gänsebratens. Während Braten nur bei wohlhabenden Familien serviert wurde, musste sich der arme Teil der Gesellschaft mit einfachen Würstchen zum Festmahl zufrieden geben.

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Die einfachen Leute und Bauern konnten sich als Festspeise anstelle von Schweine- oder Gänsebraten nur Blut- und Leberwürste leisten, die Mettenwürste, Weihnachtssau oder Weihnachter genannt wurden. Ein Teil dieses "Heiligen Mahls" wurde zusammen mit Gebild- und Kletzenbrot für die im Vorjahr Verstorbenen aufgehoben und den Armen geschenkt.

Mit wachsendem Wohlstand während der Industrialisierung wurde schließlich das Mettenmahl von dem weitaus festlicheren Gänsebraten abgelöst, dennoch werden bis in die Gegenwart traditionell in vielen Familien Würste oder Schweinebraten als Weihnachtsessen verspeist. Bei diesem doch recht einfachen Essen soll an die Armut von Maria und Josef in der Nacht von Christi Geburt erinnert werden.

Einmal im Jahr soll die ganze Familie ein Festmahl bekommen

Jede Familie hat da eben so ihren eigenen Brauch und es gibt sicher noch viele weitere kulinarische Weihnachtsbräuche. Die Autorin Petra Foede hat in ihrem Blog "Kulinarische Zeitreise" nachgefragt: "Alle Jahre wieder Würstchen mit Kartoffelsalat?" und bekam zahlreiche Antworten mit regionalen Hinweisen. Weitere "Geschichte(n) von gestern und vorgestern": "Retro-Küche: Päpstliches Huhn", "Die traditionelle Weihnachtsgans", "Schlesisches Weihnachtsessen".


Alexia Passias ist freie Journalistin und lebt in Karlsruhe. Sie arbeitet regelmäßig für evangelisch.de.