Vikare kritisieren EKD wegen Umgang mit Chinas Vizepräsident

 Wang Qishan, Sekretär der Zentralen Disziplinarkommission

©How Hwee Young/EPA/dpa

Wang Qishan, hier in Peking, war am vergangenen Samstag zu einem privaten Besuch in Wittenberg.

Vikare kritisieren EKD wegen Umgang mit Chinas Vizepräsident
In einem offenen Brief an die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) empören sich Vikare des Predigerseminars in Wittenberg über den Umgang mit dem Vize-Staatspräsidenten der Volksrepublik China, Wang Qishan, bei einem privaten Besuch am vergangenen Samstag in der Lutherstadt.
Deutschland spricht 2019

In ihrem Schreiben kritisieren die angehenden Pfarrer Absperrungen, die Beflaggung und den roten Teppich an der Schlosskirche für den Gast, zitiert die Mitteldeutsche Kirchenzeitung "Glaube+Heimat" (9. Juni) aus dem ihr vorliegenden Schreiben. Die EKD hat nach ihren Angaben die Schlosskirche im Reformationsjahr 2017 vom Land Sachsen-Anhalt übernommen.

In dem von 15 Personen unterzeichneten Brief wird das Besuchsprogramm in der Schlosskirche als politische Inszenierung und Vereinnahmung des Kirchenraums bezeichnet. "Welchen Eindruck von protestantischer Kirche vermitteln wir dem chinesischen Vize-Staatspräsidenten, wenn nur das Gebäude gezeigt, aber nicht die christlichen Werte vertreten werden?", fragten die Theologen in dem Brief die EKD. Sie würden in diesem Zusammenhang auf verfolgte Christen in China verweisen.

Die Vikare beschweren sich laut Kirchenzeitung auch bei den Sicherheitskräften. Polizeibeamte hätten sich Zutritt zum Predigerseminar verschafft und ein Banner mit der Aufschrift "Beenden Sie die Verfolgung unserer Brüder und Schwestern!" beschlagnahmt. Die Vikare sähen damit ihr Grundrecht auf freie Meinungsäußerung eingeschränkt. Ferner halten sie dem Schreiben zufolge "das schweigende Übergehen der Menschenrechtsverletzungen in China durch Repräsentanten von Kirche und Politik für unverantwortlich", berichtet "Glaube+Heimat".

 

Meldungen

Top Meldung
Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm
Angesichts sinkender Mitgliederzahlen setzt der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm auf authentischen Glauben und klare Kante - auch gegen rechts.